VonAmy Walkerschließen
Der Mietmarkt ist so angespannt wie nie, die Preise steigen weiter. Preise für möblierte Wohnungen werden relativ unreguliert gesetzt – trotz Mietpreisbremse. Zeit für mehr Transparenz.
Berlin – Deutschland steuert immer mehr auf eine echte Immobilienkrise zu. Der mangelnde Wohnraum sorgt für immer weiter steigende Mietpreise, bezahlbares Wohnen ist rares Gut geworden. Neben dem niedrigen Angebot sehen einige noch einen weiteren Grund für die hohen Preise auf dem Mietmarkt: möblierte Wohnungen. Die können mit einem sogenannten Möblierungszuschlag die Mietpreisbremse umgehen. Der Vorwurf: Vermieter verlangen dann viel mehr Geld, als sie eigentlich dürften. Wie sich dieser Zuschlag berechnet, muss auch nicht gesondert ausgewiesen sein. Der Deutsche Mieterbund fordert daher eine bessere Regulierung.
Mieterbund: Völlig überzogenen Mieten haben wir möbliertem Sektor zu verdanken
Die Einhaltung der Mietpreisbremse ebenso wie die Angemessenheit des Möblierungszuschlags für Mieter sei nicht überprüfbar, sagte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten am Mittwoch in Berlin. Erst mittels Auskunft vom Vermieter über die Zusammensetzung der Miete könne es Einsicht geben - die gebe es notfalls nur per Klage, wovor viele Menschen zurückschreckten.
Siebenkotten begrüßte einen Gesetzesentwurf des Bundesrates für mehr Mieterschutz bei möbliertem Wohnraum und bei der Kurzzeitvermietung in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Der Mieterbund fordere schon lange, dass der Möblierungszuschlag gesondert ausgewiesen werde. „Die Mieten steigen und steigen in Deutschland - und dies haben wir nicht zuletzt den völlig überzogenen Mieten im möblierten Sektor zu verdanken“, sagte Siebenkotten. „Denn auch diese fließen in die Mietspiegel ein und treiben somit alle Mieten nach oben.“
Wunderflats CEO: Transparenz auf dem Markt notwendig
Auch Jan Hase, CEO der Plattform Wunderflats, die möblierte Wohnungen anbietet, spricht sich für mehr Regulierung des Marktes aus. Auf seiner Online-Plattform werden Vermieter möblierter Wohnungen mit Mietern zusammengebracht: Auslandsstudienende, ausländische Fachkräfte, Geschäftsreisende – oder auch Geflüchtete werden alle auf dem Portal versorgt.
„Wir wissen auch nicht, wie sich die Miete am Ende zusammensetzt“, gibt Hase zu. Das entscheiden alleine die Vermieter. Daher befürwortet auch er mehr Transparenz: „Es sollte für den Mieter klar sein, wie sich diese einzelnen Elemente zusammensetzen“.
Was Jan Hase aber erklären kann: welche Beträge in die Mieten möblierter Wohnungen einfließen. So gibt es Pauschalen für Möbel, Nebenkosten, Internet- und Stromverträge, teilweise Reinigungskosten, aber auch Zuschläge für bürokratische Aufgaben wie Wohnungsanmeldung und die Aufsetzung mehrerer Mietverträge im Jahr. „Im Schnitt bleiben Mieter in möblierten Wohnungen nur fünfeinhalb Monate in der Wohnung“, schildert der CEO.
Einer Studie des Forschungsinstituts Oxford Economics im Auftrag des Bundesjustizministeriums zufolge hat der Anteil möblierter Wohnungen zugenommen. Demnach bezogen sich im Oktober vergangenen Jahres 27 Prozent aller Inserate in Deutschland auf möblierte Wohnungen. Im Januar 2013 waren es laut der Angaben erst 19 Prozent gewesen. Allerdings ist auch die Zahl der Inserate für unmöblierte Wohnungen gesunken – was den gestiegenen Anteil möblierter Angebote zum Teil erklärt.
SPD denkt über Deckelung des Möblierungszuschlags nach
Die SPD dränt nun auf strengere Regeln. Die Sozialdemokraten seien „nicht bereit zu akzeptieren“, dass der Markt die Lage „systematisch zu Ungunsten der Mieter“ regle, sagte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert dem Tagesspiegel Ende Juli. Kühnert und die mietpolitische Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion, Zanda Martens, fordern demnach unter anderem neue Regeln zur Eindämmung von Indexmieten und für die Vermietung von möblierten Wohnungen.
Vermieter müssten „verpflichtet werden, sowohl die Nettokaltmiete als auch den Möblierungszuschlag transparent auszuweisen“, sagte Kühnert weiter. Zudem müsse der Möblierungszuschlag gedeckelt werden.
Jan Hase von Wunderflats sieht eine Decklung eher kritisch. „Der Möblierungszuschlag ist nicht der Preistreiber“, sagt er. Vielmehr seien es die anderen Nebenkosten wie Energiepreise, Internetanschlusspauschalen und andere Services wie Reinigungsgebühren. „Da wird sich der Staat verzetteln“, denkt er. Zuerst sollte Transparenz geschaffen werden, damit überhaupt klar ist, wie die Preise zustande kommen.
Gleichzeitig betont Jan Hase, dass möbliertes Wohnen seinen Platz am Markt braucht. Vor allem, wenn man darüber spreche, dass die Zahl der Fachkräfte aus dem Ausland steigen müsse. „Wer eine Wohnung in Deutschland mieten will, braucht eine Schufa-Auskunft. Die gibt es nur mit einem deutschen Bankkonto. Das Konto gibt es nur, wenn man eine Adresse hat.“ Vielen ausländischen Fachkräften bleibe daher nichts anderes übrig, als zuerst möbliert zu wohnen.
Mit Material von dpa
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