VonLisa Gilzschließen
Eine Renten-Expertin vom DIW erläutert die „Boomer-Soli“-Rechnung und ordnet den Freibetrag neu ein. Mit welchem Einkommen Sie als Rentner profitieren würden.
Berlin – Eine mögliche neue Abgabe, die Rentner zusätzlich zahlen müssten: das wurde vom Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie untersucht. Der sogenannte „Boomer-Soli“ könne – so das Ergebnis der Studie – verhindern, dass junge Generationen wesentlich mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen, um die geburtenstarke Boomer-Generation in ihrer Rente gegenzufinanzieren. Der Freibetrag, ab dem der „Boomer-Soli“ fällig wäre: ein Einkommen von 1048 Euro im Monat. Annica Gehlen, die an der Studie mitgearbeitet hat, ordnet im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA die Zahl ein. Und erklärt, wieso am Ende der Rechnung erst Rentner mit einem Einkommen ab 2000 Euro mit weniger Netto rechnen müssten.
Boomer-Soli: Rentner mit einem Netto-Einkommen bis 2000 Euro würden profitieren
„Alles auf Babyboomer schieben ist einfallslos“, hieß es in einer von mehreren E-Mails, die an diese Redaktion des Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA zum Thema „Boomer-Soli“ geschickt wurden. Einige Leserinnen und Leser forderten in ihren Zuschriften, die Beamten ins Rentensystem miteinzubeziehen oder das Altersruhegeld von Politikerinnen und Politikern stattdessen zu streichen. Neben der grundlegenden Idee, Rentner einen Soli zahlen zu lassen, war es insbesondere auch der Freibetrag, der vielen Leserinnen und Lesern ärgerte. Die durchschnittliche Rente liegt bei rund 1600 Euro. Der „Boomer-Soli“ würde so einen Großteil der Rentnerinnen und Rentner betreffen.
„Diesen Freibetrag hatten wir im Zuge der Studie gewählt, um mehrere Ansätze vergleichen zu können. Der Wert ist daher relativ niedrig ausgefallen und hat sich zudem auf Daten von 2019 bezogen“, sagt Annica Gehlen vom DIW Berlin, die an der Studie beteiligt war. Wenn man die Zahlen auf 2025 hochrechnet, wären realistisch erst Rentner mit Alterseinkünften ab 1300 Euro von einer Soli-Abgabe betroffen.
| Gesetzliche Rente | Sonstige Rente | Einkomme durch Vermietung | Kapitaleinkommen | Einkommen aus selbst. Beschäftigung | und aus abhängiger Beschäftigung | Sozialversicherungsbeiträge | Steuern |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 727,40 Euro | 241,11 Euro | 5,19 Euro | 8,34 Euro | 8,33 Euro | 33,88 Euro | -136,96 Euro | -7,93 Euro |
| 1126,19 Euro | 366,04 Euro | 16,03 Euro | 15,32 Euro | 10,19 Euro | 103,98 Euro | -219,18 Euro | -28,99 Euro |
| 1284,27 Euro | 568,46 Euro | 50,21 Euro | 23,91 Euro | 28,38 Euro | 170,62 Euro | -289,96 Euro | -69,78 Euro |
| 1296,58 Euro | 953,58 Euro | 124,55 Euro | 43,04 Euro | 78,40 Euro | 395,79 Euro | -394,15 Euro | -230,96 Euro |
| 1094,42 Euro | 1660,31 Euro | 512,51 Euro | 325,94 Euro | 776,94 Euro | 849, 72 Euro | -537,49 Euro | -897,73 Euro |
| Quelle: DIW (Durchschnittliche Zahlen aus 2019, eingeteilt in fünf Einkommensgruppen) |
Aber auch in Hinblick auf die 1300 Euro möchte Gehlen etwas einordnen: „Da in der Simulation die Steuereinnahmen auch über eine Aufstockung niedriger gesetzlicher Renten wieder ausgezahlt werden, profitieren auf einen Single-Haushalt bezogen im Schnitt Rentner bis zu einem Einkommen von 2000 Euro netto. Wer darüber liegt, hätte im Schnitt 0,5 bis 4 Prozent weniger netto, wobei die höchste Belastung bei den reichsten Haushalten liegt.”
22,3 Millionen Menschen beziehen in Deutschland Rente
In Deutschland beziehen aktuell rund 22,3 Millionen Menschen Rente, so die August-Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 70 Prozent der Leistungen zählen als steuerpflichtige Einkünfte – in den vergangen zehn Jahren stieg die Besteuerung um etwa 15 Prozent. Zusätzlich bezogen etwa 81 Prozent weitere Einkünfte wie Versorgungsbezüge, Arbeitseinkommen oder Mieteinnahmen.
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