Geldanlage

Nachhaltigkeit ist nicht mehr Trumpf – Abkehr von „grünen“ Anlagen?

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Der Ausschluss von Rüstungsunternehmen bei der Anlageentscheidung hat laut FNG an Bedeutung gewonnen.
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Deutsche Anleger investieren weniger in Klima und Umwelt. Das zeigt der FNG-Marktbericht 2024. Kommt die Rüstung besser weg?

Berlin – Die Europawahl hat es gezeigt: Der Klima- und Umweltschutz hat für die Menschen aktuell stark an Bedeutung verloren. Stand das Thema im Jahr 2019 noch ganz oben auf der Liste der wichtigsten Politikfelder, traten beim aktuellen Urnengang nach Analysen des Wahlforschungsspezialisten infratest dimap die Friedenssicherung, die soziale Sicherheit und die Zuwanderung in den Vordergrund.

Weniger Investments in nachhaltige Anlagen – „Herausforderung für nachhaltige Investmentbranche“

Das spiegelt sich auch in der Summe wider, die im vergangenen Jahr in Deutschland in nachhaltige Geldanlagen investiert wurde: Laut FNG-Marktbericht 2024, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz präsentierte, steckten die Menschen hierzulande zwischen Januar und Dezember 2023 insgesamt 542,6 Milliarden Euro in nachhaltige Assets. 2022 waren es noch 578,14 Milliarden – das FNG berichtetet damals, dass der Anteil nachhaltiger Geldanlagen sich seit 2018 mehr als verdreifacht hatte. Der alljährlich erscheinende Marktbericht analysiert seit 2005 die Trends nachhaltigkeitsbezogener Investitionen in Deutschland und Österreich.

Viele der für den Bericht befragten 62 Finanzinstitute in Deutschland gaben mit Blick auf die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen politische Sorgen an. Die Rede ist vor allem von einem möglichen Rechtsruck und Anti-ESG-Bewegungen, die eine Abkehr von nachhaltigen Geldanlagen zur Folge haben könnten. FNG-Vorstandschef Marian Klemm erklärte: „Diese politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen stellen eine Herausforderung für die nachhaltige Investmentbranche dar.“ Dem gelte es, einen „aufklärenden, auf Augenhöhe angesiedelten Diskurs entgegenzusetzen“.

Kein Geld für Rüstung

Nicht verfangen hat offenbar das Streben der Rüstungsindustrie, militärische Sicherheit als „Mutter aller Nachhaltigkeitkriterien“ zu verkaufen. Nach Angaben von Studienleiter Hoang Bui gewann der Ausschluss von Rüstungsunternehmen bei der Anlageentscheidung „signifikant an Bedeutung“. So standen an der Spitze der Top Ten der unternehmensbezogenen Ausschlusskriterien die Produktion von ABC-Waffen (84 Prozent), von Streubomben und Antipersonen-Minen (ebenfalls 84 Prozent) sowie Verstöße gegen die Menschenrechte (82 Prozent).

Erstmalig erfasste der Bericht auch, ob der Schutz der Biodiversität bei der Geldanlage berücksichtigt wird. Dabei zeigte sich, dass aktuell ein Drittel der befragten Finanzinstitute Biodiversitätsrisiken in ihre Investmentprozesse integrieren. Das sei „erfreulich“, so FNG-Geschäftsführerin Verena Menne, müsse aber „in der gesamten Finanzbranche auf die Agenda“.

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