VonAmy Walkerschließen
Die Probleme beim Chemieriesen Bayer hören nicht auf. Während sich der Konzern zahlreichen Glyphosat-Klagen ausgesetzt sieht, kommt nun noch ein möglicher Kartellrechtsverstoß hinzu.
Washington D.C. – Der Pharmariese Bayer hat in den USA eine Kartellklage wegen des Vorwurfs der Wettbewerbsverzerrung bei konkurrierenden Zecken- und Flohmitteln für Tiere am Hals. Ein Bezirksgericht in Kalifornien ließ am Mittwoch (1. Mai) eine entsprechende Klage des Tierarzneimittelherstellers Tevra zu.
Ein Geschworenengericht muss nun prüfen, ob die inzwischen an Elanco Animal Health verkaufte Tiergesundheitssparte von Bayer mit Einzel- und Großhändlern gemeinsame Sache gemacht hat, um den Verkauf der günstigeren Generika von Tevra zu erschweren. Bayer bestreitet jegliches Fehlverhalten.
Bayer in der Krise? Glyphosat sorgt für Kurssturz
Elanco, das nicht zu den Beklagten gehört, äußerte sich zunächst nicht zu dem Urteil. Tevra reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters, ein Anwalt von Bayer gab ebenfalls keine Stellungnahme ab. Eine Anhörung in dem Fall ist für Juli angesetzt.
Dies ist die jüngste Hiobsbotschaft für den Pharmariesen, der seit Monaten für Negativschlagzeilen sorgt und einen drastischen Kursverfall hinnehmen musste. Die Aktie verzeichnete am 5. März, bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr, seinen tiefsten Stand seit 2005. Grund für die aktuellen Sorgen war vor allem die Übernahme der US-Firma Monsanto mit dem Pestizid Glyphosat – das dem Unternehmen eine Vielzahl an Klagen beschert hat. Ende 2023 hat Bayer fünf Prozessniederlagen in der Causa Glyphosat einstecken müssen, insgesamt hat der Konzern zehn von bisher 16 Klagen gewonnen.
Bayer-Probleme begannen schon im Sommer 2023
Schon seit Sommer 2023 zeigen die Anleger immer weniger Vertrauen in den Konzern. Den höchsten Wert im vergangenen Jahr verzeichnete die Aktie im April, als sie noch für 61,36 Euro gehandelt wurde. Seitdem ging es eigentlich immer nur stetig bergab – weshalb Bayer eigentlich auch einen neuen Vorstand bestellt hatte, der das ganze wieder in den Griff bekommen sollte. Knapp ein halbes Jahr muss man feststellen: Das ist Bill Anderson nicht gelungen.
2023 war also kein gutes Jahr für den Pharmariesen – richtig schlecht ging es ihm aber erst ab November, als die Aktie binnen eines Tages um fast 19 Prozent einbrach. Hintergrund waren damals zwei Negativschlagzeilen auf einmal: Zum einen war es wieder ein verlorener Glyphosatprozess mit einer Milliardenzahlung im Gepäck, zum anderen führte der Abbruch einer Medikamentenstudie für den Gerinnungshemmer Asundexian zum Absturz. Dieser wurde bisher als Hoffnungsträger für den Konzern gehandelt.
Die neue Kartellklage hat zunächst keine weiteren Einbrüche bei der Bayer-Aktie verursacht. Dennoch sieht es so schlecht wie lange nicht mehr aus: Am 2. Mai liegt der Preis pro Bayer-Aktie bei gerade mal 28,54 Euro.
Mit Material von Reuters
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