VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Bei seinen Zoll-Ankündigungen hat Donald Trump Hunderte Produktkategorien verschont. Diese könnte es aber immer noch treffen. Was bedeutet das?
Washington – 9. April: Für 57 Länder sind ab dem heutigen Mittwoch höhere Zölle auf Exporte in die USA in Kraft. Die Aktienmärkte sind in Aufruhr. Während die EU noch über eine Reaktion berät, hat China mit neuen Zollerhöhungen auf den „Liberation Day“ des US-Präsidenten Donald Trump reagiert. Bei diesem hatte er umfangreiche Zölle für fast 200 Länder bekanntgegeben. Dabei gibt es aktuell noch jede Menge Ausnahmen – doch diese könnten schon bald fallen.
Ausgenommen von Trumps Zoll-Entscheidungen – verschonte Produkte könnten bald betroffen sein
Fast 200 Länder sind entweder von Trumps zehnprozentigen Basis-Zöllen oder von den teils drastisch höheren reziproken Zöllen betroffen. Allerdings hatte die US-Administration dabei eine große Bandbreite an Ausnahmen vergeben. Bestimmte Waren sind von den Zöllen ausgenommen. Zum Beispiel geht es dabei um solche, für die es schon spezifische Zollregelungen gibt (zum Beispiel Stahl- und Aluminiumprodukte oder Autos und Autoteile). Das Wall Street Journal listet darüber hinaus die folgenden Ausnahmen auf:
- Waren aus Kanada und Mexiko, für die es ebenfalls bereits eigene Zölle gibt
- Kupfer, pharmazeutische Waren, Halbleiter und Holz
- Gold
- Verschiedene Energieprodukte, zum Beispiel Uran
- Bestimmte Mineralien, die nicht in den USA existieren
Das heißt jedoch keinesfalls, dass diese Warengruppen langfristig sicher vor dem Zugriff des US-Präsidenten sind. Das Weiße Haus kündigte bereits an, dass auch die jetzt ausgenommenen Warengruppen schon bald von Sonderzöllen betroffen sein könnten.
Neue Trump-Zölle für Pharma-Produkte, Uran und Holz – schadet Trump sich selbst?
Nach Reuters-Informationen könnten solche neuen Zölle rund 1.000 Produktkategorien treffen, die bislang ausgenommen sind. Dabei stellt sich die Frage: Wen würde das am schwersten treffen? Beim Uran wäre klar Russland der Verlierer. Der russische Konzern Rosatom kontrolliert fast 40 Prozent der globalen Kapazitäten zur Anreicherung von Uran. Die Versorgung mit Uran ist schwer auf Russland und China konzentriert – gemeinsam halten sie über 50 Prozent der Kapazitäten zur Anreicherung. Das berichtete das Center for Strategic and International Studies (CSIS).
Das wäre für die USA eine zusätzliche Belastung, denn ein einfacher Schwenk auf andere Lieferanten ist so nicht einfach möglich. Außerdem setzen die USA in einem erheblichen Maße auf Kernkraft – auf Uran können sie kaum verzichten.
Bei den pharmazeutischen Produkten wiederum könnte Trump Deutschland treffen. Im Jahr 2023 hatte Deutschland zum Beispiel Impfstoffe, Blut und Toxine im Wert von über zwölf Milliarden US-Dollar in die USA exportiert. Die Exporte von abgepackten Medikamenten beliefen sich auf einen Wert von 8,3 Milliarden Euro. Zölle auf Pharma-Produkte würden außerdem China, Japan und Belgien als hauptsächliche Importeure betreffen. Das zeigen Zahlen des Observatory of Economic Complexity.
Sollten die USA zusätzliche Kupfer-Zölle einführen, würde das vor allem Chile, Kanada und Peru treffen. Gemeinsam exportieren die beiden Länder verarbeitetes Kupfer im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar in die USA. Bei Holz sind Kanada und Deutschland die wichtigsten Lieferanten (im Jahr 2023 belief sich die Exportmenge auf 6,2 Milliarden Dollar).
Sorge vor Rezession durch Trump-Zölle – ausgerechnet Elon Musk gehört zu den Verlierern
Wie geht es weiter? Im Nachgang von Donald Trumps „Liberation Day“ hatten sich mehrere seiner reichsten Unterstützer kritisch zu den Strafzöllen geäußert. Tesla-Chef und enger Trump-Vertrauter Elon Musk gilt wegen des drastischen Einbruchs der Tesla-Aktien als einer der großen Verlierer dieses Streits. In den USA wächst die Sorge, dass eine Rezession droht. Gleichzeitig aber ist die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht. Die Eskalation zwischen China und den USA zeigt, was noch auf die Welt zukommt, und dabei haben Europa und viele andere Staaten noch gar nicht wirklich reagiert.
In Europa stehen dabei mehrere mögliche Antworten zur Auswahl. Anfang April sah es danach aus, als könnten die europäischen Staaten ihrerseits mit einfachen Zollerhöhungen reagieren. Gleichzeitig aber gibt es bereits Gerede über eine „wirtschaftliche Bazooka“, die als finales Instrument den kompletten Stopp von US-Importen vorsieht.
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