Neuer Ansatz bei Rentenvorsorge verspricht Entlastung fürs System
VonMax Schäfer
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Die gesetzliche Rente steht unter Druck, was die private Vorsorge wichtiger macht. Ein neuer Vorschlag könnte die Systeme vereinen – und die Rentenversicherung entlasten.
Frankfurt – Für viele Erwerbstätige sind die Aussichten im Alter mau: Die gesetzliche Rente fällt häufig gering aus, Altersarmut wird zum immer größeren Problem. Gleichzeitig gerät die Rentenversicherung selbst unter Druck, weil immer mehr Rentner:innen immer weniger Erwerbstätigen gegenüberstehen, die Beiträge zahlen. Um den Druck von der gesetzlichen Säule zu nehmen, will die Bundesregierung die beiden verbleibenden Säulen, also die betriebliche und private Vorsorge, stärken.
Gerade die private Renten-Vorsorge ist dabei im Fokus. Die Bundesregierung will dabei etwa die wegen geringen Erträgen umstrittene Riester-Rente in ein neues Vorsorgeprodukt umwandeln. Herzstück der Pläne ist jedoch die sogenannte Frühstart-Rente, also das staatlich geförderte Vorsorgedepot, bei dem Geld am Kapitalmarkt angelegt wird. Doch an dem Modell gibt es Kritik, etwa von Seiten der Banken, welche die Altersvorsorge-Reform für zu „zaghaft“ halten.
Private Renten-Vorsorge: Sozialverband will Beiträge in gesetzliche Rentenversicherung ermöglichen
Auch Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende vom Sozialverband Deutschland (SoVD), sieht die Rentenpläne kritisch. Die Bundesregierung sollte die gesetzliche Rente stärken – und zu einer „Erwerbstätigenversicherung“ ausbauen, die auch Selbstständige, Beamt:innen und Abgeordnete einschließt. Wer ausreichend Mittel übrig habe, „kann selbstverständlich gerne zusätzlich privat vorsorgen“, so Engelmeier gegenüber IPPEN.MEDIA. „Aber daran verdienen die Versicherungsanbieter gehörig mit.“
In jüngerem Alter für das Alter und die Rente vorsorgen: Das könnte auch über freiwillige Zusatzbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse möglich sein. (Symbolfoto)
Engelmeier hat für die ergänzende Vorsorge neben der Rente jedoch einen anderen Ansatz. „Die Möglichkeit, freiwillig mehr Beiträge in die gesetzliche Rente einzuzahlen, könnte dagegen ein guter ergänzender Ansatz der Altersabsicherung sein“, sagte Engelmeier. „Derzeit ist es leider nicht ohne weiteres möglich, über die Pflichtbeiträge hinaus zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rente einzuzahlen.“
Freiwillige Sonderzahlungen in gesetzliche Rente schon jetzt möglich – aber nur für wenige Menschen
Aktuell hat lediglich ein Teil der Versicherten die Möglichkeit, freiwillig in die gesetzliche Rente zu zahlen. Dabei gibt es Bedingungen: Der Kauf von Rentenpunkten ist jedoch erst ab einem Alter von 50 Jahren möglich, dazu muss eine realistische Option bestehen, auf 35 Beitragsjahre zu kommen, um mit 63 Jahren die Rente für langjährig Versicherte wahrnehmen zu können.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering
Ursprünglich war der Kauf dafür gedacht, um mögliche Abschläge wegen des früheren Ruhestands auszugleichen. Pro gekauften Punkt gibt es entsprechend dem jeweiligen Wert – derzeit sind es 40,79 Euro – pro Monat mehr Rente. Mit den Rentenerhöhungen steigt es. Der Preis für einen Punkt ist mit 9392 Euro recht hoch.
Freiwillige Beiträge in Rente als „Alternative zur kapitalgedeckten Altersvorsorge“
Bisher ist diese Form der Vorsorge über die gesetzliche Rente also sehr starr: Möglich ist es nur für eine begrenzte Gruppe, es ist nur der Kauf von Rentenpunkten zu einem recht hohen Betrag möglich. Engelmeier schlägt damit gewissermaßen eine Ausweitung vor: „Es könnte aber eine sehr gute Alternative zur kapitalgedeckten Altersvorsorge sein“, erklärte Engelmeier.
Zusätzliche Beiträge in die übliche Rentenversicherung hätten auch den Vorteil, dass sie auch „die finanzielle Basis der gesetzlichen Rente gerade in der Phase der geburtenstarken Jahrgänge abfedern könnte“. Hintergrund ist, dass im umlagefinanzierten System die Versicherten nicht für sich selbst einzahlen, sondern immer jeweils die aktuellen Bezüge der Rentner:innen damit finanziert werden. Die jeweiligen Erwerbstätigen zahlen jeweils für die Personen im Ruhestand.