VonAndreas Schwarzkopfschließen
Das Abkommen zwischen der Europäischen Union und mehreren lateinamerikanischen Ländern ist zwar nicht perfekt, bringt aber mehr Vorteile als Nachteile. Ein Kommentar.
Die Europäische Union wäre gut beraten, wenn sie den Mercosur-Vertrag nach 25 Jahren endlich abschließen, ihn also durch den Rat und das Europäische Parlament bringen würde. Die Europäer würden zeigen, dass sie in den Zeiten multipler Krisen zusammenstehen und Handelsabkommen abschließen können, die Vorteile für beide Seiten bringen.
Mercosur-Vertrag als Trumpf gegen China: EU muss nach 25 Jahren endlich liefern
Geopolitisch verbündeten sie sich mit demokratischen Staaten, ohne dabei auf erpresserische Methoden eines Donald Trump zurückzugreifen, die nur den USA Vorteile bringen. Gleichzeitig binden sie die vier lateinamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay an sich und treiben sie nicht, im Fall eines Scheiterns des Abkommens, in die Arme Chinas.
Ökonomisch hilft das Abkommen nicht nur der lahmenden Wirtschaft hierzulande, sondern auch den anderen Volkswirtschaften des alten Kontinents. Arbeitsplätze werden damit genauso gesichert wie der Wohlstand, vor dessen Verlust sich viele fürchten und auch deshalb euroskeptische und rechtspopulistische Parteien unterstützen.
Natürlich ist kein Abkommen perfekt. Doch haben die Verantwortlichen bereits viele Bedenken berücksichtigt und sind Kritiker:innen entgegengekommen – wie das Beispiel Frankreich mit einigen Ausnahmen verdeutlicht.
Deutschlands Exportwirtschaft bangt um Milliardengeschäft mit Lateinamerika
Man wird also abwägen müssen, ob die Summe der Vorteile die Nachteile überwiegt. Die Opponenten des angestrebten Abkommens müssen sich fragen, ob sie ihr Ziel eher durch weitere Kritik an einem Pakt erreichen oder dadurch, dass sie ihn verhindern. Sollte ein Mercosur-Land dann den Handel mit Peking ausweiten, würden Standards für Menschenrechte und Umwelt wahrscheinlich noch weniger berücksichtigt.
Einem erfolgreichen Merco㈠sur-Abschluss sollten weitere Handelsabkommen folgen. Die Exportnation Deutschland und die anderen EU-Staaten werden sich auf diesem Weg den Zugang zu wichtigen Ressourcen sichern können. Zudem werden sie mit derartigen Verträgen unabhängiger von USA und China, die als Handelspartner zunehmend schwieriger werden – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Die EU-Staaten würden auf diesem Weg ein Garant für den regelbasierten Multilateralismus und würden so einiges von jenen Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg retten, die dafür sorgen sollten, dass die Staaten miteinander auskommen und sich nicht lediglich die mächtigsten Länder durchsetzen.
Rubriklistenbild: © Olivier Hoslet/EPA

