Gastwirtschaft

Trump schwächt die USA: Warum Europa (noch) nicht von der Schwäche des Dollars profitiert

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Die EU hat zu viele Baustellen. Es braucht eine bessere Integration der Euro-Finanzmärkte. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Dynamische Zeiten! Täglich erfahren wir, was die USA alles so vorhaben. Europa und die USA bewegen sich in einer klassischen Konkurrenzsituation. Nehmen wir den US-Dollar als Symbol der aktuellen Entwicklung. Er war und ist die Leitwährung im internationalen Geschäft. Allerdings hat er in den letzten Monaten deutlich an Wert gegenüber dem Euro verloren. Musste man Anfang des Jahres 2025 nur etwa 1,04 US-Dollar für einen Euro zahlen, so sind es zwischenzeitlich etwa 1,14 US-Dollar. Dieser Wertverlust hat weitreichende Konsequenzen für den Handel und die Kapitalströme – kurzum für die Rolle der USA in der Weltwirtschaft.

USA geben ihre Leitwährung auf: Der Euro könnte den Dollar ersetzen

Doch diese Schwäche bedeutet keineswegs automatisch, dass Europa im internationalen Gefüge an Stärke gewonnen hat. Die EU kann als ein Club begriffen werden, der viele interne Baustellen hat. Solche Baustellen werden schnell zu Bruchstellen. Ein zentrales Problem ist die mangelhafte Harmonisierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zwischen den einzelnen Mitgliedsländern. Das erschwert es, international mit einer gewichtigen, gemeinsamen Stimme aufzutreten. So traurig es ist: In die Rolle einer mächtigen, weltwirtschaftlichen Mitgestalterin muss die EU offenbar immer noch hineinwachsen. Das kommt allen teuer zu stehen.

Dabei wäre jetzt eigentlich ein guter Moment gekommen, um die Leitwährungsfunktion des Euros dauerhaft auszubauen. Das wird jedoch strukturell ausgebremst. Denn es gibt es nicht einmal einen einheitlichen Kapitalmarkt in der Eurozone. Nationale Differenzen in der Regulierung und Aufsicht verursachen Reibungskosten – und irritieren bei der Geldanlage. Solche sinnlosen Spielchen kann sich die Eurozone heute nicht mehr leisten. Was könnte da helfen?

EU muss sich weiter integrieren: Digitaler Euro bringt Fortschritte

Wahrscheinlich ist es der technische Fortschritt. Denn die Digitalisierung erfordert eine radikale Vereinheitlichung von Regeln. Ein Push könnte vom Digitalen Euro ausgehen. Die Einführung einer sogenannten „Central Bank Digital Currency“ (CBDC) stellt hohe Anforderungen an das Finanzsystem und kann hausgemachte Schwächen nicht gebrauchen. Von einer besseren Integration der Euro-Finanzmärkte könnten wichtige gesamtwirtschaftliche Wachstumsimpulse ausgehen. Hoffen wir das Beste – auch damit Europa seiner internationalen Verantwortung gerecht werden kann.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert

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