VonMarcel Reichschließen
Der iranische Angriff auf Israel lässt die Ölpreise steigen. Eine weitere Eskalation könnte den Energiesektor stark beeinflussen. Das würden wir auch an der Tankstelle merken.
Update vom 16. April, 9:17 Uhr: Die Ölpreise sind am Dienstag gestiegen. Am Markt wird eine Reaktion Israels auf den Angriff des Irans vom Wochenende erwartet, was die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Lage in der ölreichen Region des Nahen Ostens verstärkt. Am Morgen kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni 90,73 Dollar. Das waren 63 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für die US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai stieg um 63 Cent auf 86,04 Dollar.
Israel will den iranischen Großangriff nach Angaben der Militärführung des Landes nicht unbeantwortet lassen. Man wäge die weiteren Schritte ab, sagte der israelische Generalstabschef Herzi Halevi. Bisher wurde noch nicht über die Reaktion entschieden.
Die Möglichkeit einer direkten Reaktion Israels „bedeutet, dass diese Unsicherheit und Spannung noch eine ganze Weile anhalten werden“, heißt es von den Rohstoffexperten der ING-Bank. Eine weitere Eskalation könnte die Ölversorgung aus der Region beeinträchtigen.
Erstmeldung vom 14. April, 12:58 Uhr: Frankfurt – Die geopolitische Spannung nimmt zu, da der Iran Israel mit einem Drohnenangriff bedroht. Trotz dieser drohenden Krise haben die Finanzmärkte bisher kaum reagiert. Der renommierte US-Index S&P 500 und der deutsche Leitindex Dax haben in den vergangenen Monaten kontinuierlich neue Rekordhöhen erreicht. Selbst der Terroranschlag der Hamas auf Israel im Oktober führte nur zu einer kurzfristigen Unruhe.
Experte über Eskalation: „Das hätte große Auswirkungen auf den Energiesektor“
Die Anleger zeigten sich bereits am vergangenen Freitag überwiegend zurückhaltend, da sie einen bevorstehenden Angriff auf Israel befürchteten. Insbesondere in den Vereinigten Staaten rückten die geopolitischen Spannungen in den Fokus. Paul Hickey von der Bespoke Investment Group, ein Marktstratege, versuchte, die Ängste des Marktes zu mildern: „Das hätte große Auswirkungen auf den Energiesektor, aber in den letzten Wochen gab es ähnliche Schlagzeilen am Freitag, die nie zu etwas geführt haben“. Trotz seiner Bemühungen sank der US-Leitindex Dow Jones zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Ende Januar und schloss den Handel mit einem Minus von 1,24 Prozent bei 37.983,24 Punkten.
Im Zuge der angespannten Lage erreichten die Ölpreise am Freitagabend ein Hoch, das seit Oktober 2023 nicht mehr erreicht wurde. Steigende Preise an den Tankstellen sind nur eine der Folgen davon. Schon seit geraumer Zeit wurde eine Eskalation mit dem Iran als großes Risiko für den Ölmarkt angesehen. Der Iran ist nicht nur ein bedeutender Erdöllieferant und Mitglied des OPEC+-Förderverbunds, sondern liegt auch an einer strategisch wichtigen Meerenge, die für den Seetransport von Rohöl von großer Bedeutung ist. Störungen könnten die Öllieferungen der Golfstaaten erheblich beeinträchtigen.
Auf der Angebotsseite haben große Ölproduzenten wie Saudi-Arabien und Russland ihre Produktion seit langem begrenzt, was die Rohölpreise weiter in die Höhe treibt. Darüber hinaus scheint die lange schwache Nachfrage aufgrund der wirtschaftlichen Erholung in China und Europa wieder anzuziehen.
Iran und Israel: Märkte blieben bislang von Krisen unbeeindruckt. Und jetzt?
Frank Kelly, der Begründer des Analyseunternehmens Fulcrum Advisors, äußert die Vermutung, dass sich die Ruhe am Finanzmarkt dies nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten ändern könnte, wie das Handelsblatt berichtet. In den letzten Tagen zeigten sich die Anleger bereits nervöser als noch Ende März. Sie „werden am Montag vor der Markteröffnung wahrscheinlich nur sehr schwer einschätzen können, wie sich die Lage entwickeln wird“, so Kelly gegenüber dem Handelsblatt.
In der Nacht zum Sonntag startete der Iran einen Angriff auf Israel. Kelly erwartet, dass es am Montag wahrscheinlich zu einer sogenannten Flucht in sichere Anlagen kommen wird. Dabei bevorzugen Anleger in der Regel Öl und andere Rohstoffe sowie US-Staatsanleihen. Risikoreiche Anlagen wie Aktien und Kryptowährungen verlieren hingegen meist an Attraktivität.
Kelly sieht eine mögliche Eskalation der Situation in der Region voraus. Er ist der Meinung, „dass Israel deutlich auf die Angriffe aus Iran reagieren wird und dass alle möglichen Ziele infrage kommen: Ölterminals, iranische Atomanlagen und Militäreinrichtungen oder iranische Regierungszentren in Teheran.“
Nach dem erfolgreichen Abwehren des iranischen Großangriffs auf sein Land dankte Israels Präsident Izchak Herzog dem israelischen Militär, seinem Volk und dem Verbündeten USA. „Seid gesegnet, liebe Soldaten und Kommandeure“, schrieb Herzog am Sonntagmorgen auf der Plattform X (vormals Twitter) und fügte hinzu: „Segne die Koalition der Nationen unter der Führung der USA“ und ihrem Präsidenten. Laut eigenen Angaben konnte das israelische Militär - auch mit Hilfe des US-Militärs - 99 Prozent der in der Nacht zum Sonntag aus dem Iran abgefeuerten Geschosse abfangen. Herzog lobte die „außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit“ des israelischen Volkes. „Gemeinsam werden die Kräfte des Guten die Kräfte des Bösen besiegen“, so der israelische Präsident weiter.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich auf X: „Wir haben abgeschossen, wir haben gebremst. Gemeinsam werden wir siegen“. Zum ersten Mal in der Geschichte der Islamischen Republik griff der Iran seinen Erzfeind Israel direkt an. Die Operation „Aufrichtiges Versprechen“ war eine Vergeltungsaktion für die Tötung hochrangiger Offiziere in Syrien. Am 1. April wurden bei einem vermutlich israelischen Luftangriff auf das Botschaftsgelände des Iran in der syrischen Hauptstadt Damaskus zwei Brigadegeneräle getötet.
Mit Material von dpa
Rubriklistenbild: © dpa/AP/Vahid Salemi / Imago/ Michael Gstettenbauer (Montage)

