VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Eine Partei plädiert dafür, das Rentensystem im Stil Österreichs zu gestalten. Der dahinterstehende Ansatz: Mehr Renteneinkommen für jeden. Allerdings sind damit Schwierigkeiten verbunden.
Berlin – Das Rentenalter steigt, gleichzeitig verlassen zunehmend Rentenzahler den Arbeitsmarkt, immer wieder diskutieren Wirtschaft und Politik über ein höheres Rentenalter. Längst ist das grundlegende Problem bekannt: Immer weniger Arbeitnehmer müssen für immer mehr Rentner die Rente bezahlen. Kein Wunder, dass die Parteien sich der Rente auch im Wahlkampf für die Bundestagswahl im Februar 2025 gewidmet haben. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat dazu ehrgeizige Pläne – ob sie machbar sind, steht auf einem anderen Blatt.
Rente wie in Österreich – Höhere Rentenzahlungen und Rente ab 63 inklusive
Konkret schwebt dem Bündnis Sahra Wagenknecht eine Rente nach dem Vorbild Österreichs vor. Soll heißen: Deutschland müsste ein Stufenmodell einführen, das den Rentnern nach 30 Versicherungsjahren eine Mindestrente von 1.300 Euro garantiert. Nach 15 Jahren sollen es 1.200 Euro sein und nach 40 Jahren 1.500 Euro. Um das zu finanzieren, sollten alle Erwerbstätige verpflichtend in die gesetzliche Rente einzahlen. Im Wahlprogramm für den 23. Februar erwähnte das BSW hier explizit Bundestagsabgeordnete und Bundesminister, die ebenfalls einzahlen sollten.
Das durchschnittliche Leistungsniveau will das BSW bei mindestens 75 Prozent des im Arbeitsleben erzielten Nettoeinkommens festlegen. Alle Renten sollen – als Inflationsausgleich – um 120 Euro im Monat steigen. Außerdem will das BSW die umlagefinanzierte Rente stärken und die Förderung privater Vorsorgemodelle streichen, die sich Geringverdiener angeblich ohnehin nicht leisten könnten. Damit dürfte das Bündnis vor allem die viel diskutierte Riester-Rente meinen, deren Reform schon die Merkel-Regierung lange geplant, aber letztendlich nie durchgeführt hatte.
Nach 45 Versicherungsjahren sollen Deutsche abschlagsfrei ab dem 63. Lebensjahr in Rente gehen können. Weitere Erhöhungen des Rentenalters lehnt das BSW ab.
DRV warnt vor Österreich-Vergleichen bei der Rente – Systeme zu unterschiedlich?
Neu ist die Debatte darum, ob Österreich es bei der Rente einfach besser macht als Deutschland, nicht. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hatte schon 2023 davor gewarnt, beide Rentensysteme anhand einzelner Regelungen und Kennzahlen zu vergleichen. Das sei „problematisch“. Zum Beispiel existiert die gruppenspezifische Einteilung von Erwerbstätigen in obligatorische Sicherungssysteme in Österreich nicht. Eine Umstellung würde zum Beispiel abhängig Beschäftigte, Beamte, Freiberufler und Landwirte jeweils mit drastischen Unterschieden betreffen.
Außerdem gibt es zwischen den beiden Ländern eine deutliche Diskrepanz bei der Wartezeit. In Österreich beträgt die Wartezeit für den Bezug der Altersrente 15 Jahre, in Deutschland sind es fünf Jahre. Laut der DRV bedeutet das, dass in Deutschland die „Minirenten“ (zum Beispiel von Hausfrauen, Selbstständigen und Beamten) den statistischen Schnitt senken. Gleichzeitig erhalten Menschen, die zehn oder zwölf Jahre versichert waren und Beiträge gezahlt haben, in Österreich gar keine Rente.
Und zuletzt funktionieren die Beiträge deutlich anders. Der Beitragssatz zur österreichischen Rentenversicherung ist deutlich höher und nicht paritätisch. Die Abschläge bei der Rente sind höher – 4,2 Prozent statt der 3,6 Prozent in Deutschland. Soll heißen: Österreichische Rentner erhalten im Verhältnis weniger Geld, wenn sie vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze Rente beziehen. Für die Hinauszögerung des Rentenbeginns erhalten Deutsche mit 6,0 Prozent einen höheren Zuschlag als Österreicher (plus 4,2 Prozent pro Jahr). Eine abschlagsfreie Frührente gibt es seit 2022 in Österreich nicht mehr.
500 Euro mehr für Österreicher – BSW will Rente umstellen
In Österreich lag die durchschnittliche gesetzliche Rente im Jahr 2022 bei 1.645 Euro im Monat – 500 Euro mehr als in Deutschland. Das ermöglichen die höheren Beitragssätze (Österreich 22,8 Prozent, Deutschland 18,6 Prozent) sowie mehr Mittel vonseiten des Bundes. Der DRV zufolge erklären diese hier etwa die Hälfte des Unterschieds bei der Rente.
Ein wesentlicher Faktor ist außerdem die jüngere Bevölkerung. „Rund ein Viertel des Rentenunterschieds ergibt sich durch eine günstigere demografische Ausgangslage in Österreich, die nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen werden kann“, erklärte die Deutsche Rentenversicherung.
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