Neue Zahlen

Pleitewelle nimmt zu: Insolvenzen massiv angestiegen – Düstere Herbstprognose

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Die deutsche Wirtschaft schwächelt anhaltend. Immer mehr Unternehmen rutschen in die Insolvenz. Wie Experten die Lage einschätzen.

Berlin – Die Pleitewelle rollt weiter – die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist weiter zweistellig gestiegen. 11,6 Prozent mehr neue Insolvenzen als ein Jahr zuvor zählten die Amtsgerichte im August, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilt. Immerhin schwächte sich der Anstieg ab: Im Juli hatten die Wiesbadener Statistiker mit 19,2 Prozent den stärksten Anstieg seit Oktober verzeichnet.

Ob alle Fälle von den Insolvenzgerichten so weit gebracht werden, dass sie in die amtliche Statistik eingehen, ist noch offen. Der Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt nach Angaben des Bundesamtes oft annähernd drei Monate davor.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist weiter zweistellig gestiegen.  (Symbolbild)

Insolvenzen massiv gestiegen – aber Rückgang bei Forderungen

Auch auf das Halbjahr gesehen ist die Zahl der Unternehmenspleiten gestiegen. Die Amtsgerichte meldeten nach endgültigen Ergebnissen insgesamt 12.009 beantragte Insolvenzen. Die Forderungen der Gläubiger aus den im 1. Halbjahr gemeldeten Firmenpleiten bezifferten die Amtsgerichte auf rund 28,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten die Forderungen mit rund 32,4 Milliarden Euro allerdings höher gelegen.

„Dieser Rückgang der Forderungen bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im 1. Halbjahr 2024 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im 1. Halbjahr 2025“, erläuterte Destatis.

Pleitewelle: Experten erwarten mehr Insolvenzen im Herbst

Die Fachleute des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), die monatlich die Entwicklung der Insolvenzen analysieren, sehen in den August-Zahlen eine vorübergehende Entspannung. Nach sehr hohen Werten im Juli sei die Zahl der Firmenpleiten im August wieder deutlich gesunken. 1.409 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften waren demnach elf Prozent weniger als im Juli des laufenden Jahres. 

Allerdings liegen die Zahlen weiterhin über denen von August 2024 und um deutliche 51 Prozent höher als in einem durchschnittlichen August vor der Corona-Pandemie. Für den Herbst rechnet das IWH wieder mit einem Anstieg der Pleiten. „Die Höhe der Frühindikatoren lässt für den Herbst zwar viele Insolvenzen erwarten, deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt dürften jedoch moderat bleiben“, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung.

Hohe Energiepreise und Unsicherheit belasten Unternehmen

Diverse Auskunfteien erwarten für das Gesamtjahr mehr Firmenpleiten als 2024. Im vergangenen Jahr war amtlichen Zahlen zufolge mit 21.812 Fällen ein Höchststand seit dem Jahr 2015 registriert worden. Der Anstieg war erwartet worden, nachdem die staatliche Unterstützung aus der Corona-Pandemie ausgelaufen war. Zudem belasten hohe Energiepreise, Bürokratie und politische Unsicherheit die Unternehmen. (lma mit dpa/Reuters)

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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