- VonLeon Fasseschließen
Die Batterietochter Cellforce des schwäbischen Sportautoherstellers Porsche soll größtenteils geschlossen werden. Ein Schock für die meisten Beschäftigten - aber die Rettung könnte aus Berlin kommen.
Reutlingen – Angesichts einer weitgehenden Schließung der Porsche-Batterietochter Cellforce haben sich Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Stadt Reutlingen mit der Bitte um Hilfe an die Regierung gewandt. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Freitag (22. August), zu möglichen Unterstützungsentscheidungen könne er sich nicht äußern. Bei Cellforce sollen laut der IG Metall rund 200 der 286 Angestellten entlassen werden.
Der Oberbürgermeister von Reutlingen, Thomas Keck, Bürgermeister Bernd Haug sowie IHK-Präsident Johannes Schwörer appellierten laut Reutlinger General-Anzeiger vom Donnerstag in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU), den Standort und die Arbeitsplätze zu erhalten. Sie forderten demnach staatliche Kredite oder Beteiligungskapital und warnten vor Abwanderung der Schlüsseltechnologie.
„Wir nehmen die Bedenken ernst“: Bundesregierung reagiert auf Anfrage
Der Ministeriumssprecher sagte, das Schreiben „hat uns erreicht“. „Wir nehmen die dort vorgebrachten Bedenken sehr ernst.“ Die Bundesregierung verfolge das Ziel, dass eine Batteriezellenfertigung in Deutschland und Europa gestärkt werde. „Wir brauchen das für unsere industrielle Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Zu konkret laufenden Prüfungen oder möglichen Unterstützungsentscheidungen könne er sich aber nicht äußern.
Für die Ansiedlung der Fabrik waren laut dem Ministeriumssprecher 2021 insgesamt 56 Millionen Euro staatliche Förderung bewilligt worden. 30 Prozent der Summe trage das Land Baden-Württemberg. Ein Großteil der Summe sei ausbezahlt worden. Laut IG Metall Reutlingen liegt bei der zuständigen Arbeitsagentur bereits eine Massenentlassungsanzeige von Cellforce vor. An dem Standort im schwäbischen Kirchentellinsfurt bleibt demnach voraussichtlich nur eine kleine Einheit für Forschung und Entwicklung übrig.
Rückschlag für VW-Boss Blume: Wurden in eigene Batterien Millionen versenkt?
Porsche schraubt mit dem Personalabbau seine Ambitionen bei der Entwicklung und der Produktion eigener E-Autobatterien drastisch nach unten. Medienberichten zufolge setzt der Luxusautohersteller statt auf eigene Batterien künftig auf Anbieter wie den chinesischen Konzern CATL oder LG aus Südkorea. Porsche musste vor kurzem einen wahren Bilanzschock verkraften - der Gewinn sackte um mehr als 70 Prozent ab.
Für Porsche-Chef Oliver Blume, der auch den Mutterkonzern VW leitet, ist das ein herber Rückschlag. In das eigene Batterieunternehmen waren Millionen investiert worden, bis heute wurde aber keine Batterie produziert. Blume selbst steht wegen seines Doppelengagements bei VW und Porsche schon seit längerem in Kritik. (afp, lf)
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