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Inflation in Deutschland wächst erstmals 2025 über zwei Prozent. Lebensmittel wie Kaffee und Schokolade belasten den Geldbeutel merklich.
Frankfurt – Nach Monaten stabiler Werte klettert die Inflation in Deutschland erstmals in diesem Jahr wieder über die Marke von zwei Prozent. Im August lagen die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Zum Vergleich: Im Juni und Juli hatte die Rate noch bei 2,0 Prozent stagniert. Für viele Menschen bedeutet das: Der Einkaufskorb wird teurer – besonders im Supermarktregal.
Lebensmitteleinkäufe werden spürbar teurer
Vor allem Kaffee und Schokolade schlagen kräftig zu Buche. Kaffee verteuerte sich binnen eines Jahres um satte 22,8 Prozent, Schokolade um 21,3 Prozent. Auch Obst wurde teurer (+7,1 Prozent), während Gemüse sogar etwas günstiger wurde (–1,1 Prozent). Deutlich gesunken sind außerdem die Preise für Kartoffeln (–17,3 Prozent) und Zucker (–29,2 Prozent).
„Inflationsrate hat sich erstmals leicht erhöht“
Die offizielle Inflationsrate berücksichtigt alle Waren und Dienstleistungen. Fachleute schauen aber besonders auf die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Nahrungsmittel und Energie ausgeklammert werden. Diese liegt seit drei Monaten konstant bei 2,7 Prozent. Ein Zeichen dafür, dass die Preisdynamik in der Breite anhält.
„Die Inflationsrate hat sich erstmals in diesem Jahr leicht erhöht“, erklärte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Ökonomen rechnen damit, dass sich die Teuerung auch in den kommenden Monaten über zwei Prozent halten könnte. Von Juli auf August stiegen die Preise im Schnitt um 0,1 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten Experten eine Inflationsrate um die zwei Prozent.
Dienstleistungen und Energie im Fokus
Nicht nur Lebensmittel belasten den Geldbeutel. Dienstleistungen verteuerten sich im August um 3,1 Prozent, unter anderem wegen steigender Löhne. Besonders stark legten Personenbeförderung (+11,1 Prozent) und Versicherungen (+6,4 Prozent) zu. Einzige Entlastung: Internationale Flüge wurden 8,2 Prozent günstiger als im Vorjahr.
Auch Energie spielte eine Rolle. Zwar lag sie 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Doch dieser Rückgang fällt im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwächer aus – ein sogenannter Basiseffekt. Damals waren die Energiepreise viel stärker gefallen, was die aktuelle Rate nun rechnerisch nach oben treibt.
EZB lässt Zinsen unverändert
Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt die Entwicklung genau. Ihr mittelfristiges Ziel liegt bei 2,0 Prozent Inflation im Euroraum. Laut Europäischer Kommission ließ der EZB-Rat am 11. September 2025 alle drei Leitzinssätze unverändert. Nach den Zinserhöhungen der letzten Jahre wurden die Zinsen zuletzt stabil gehalten. Sollte die Inflation jedoch länger über zwei Prozent verharren, könnten Diskussionen über weitere Zinsschritte aufflammen.
Gleichzeitig stehen die Währungshüter vor einem Dilemma: Höhere Zinsen bremsen nicht nur die Inflation, sondern auch die Wirtschaft. Der Euroraum zeigt bereits Anzeichen einer Abkühlung. Ein zu schnelles Nachziehen könnte Investitionen hemmen und den Arbeitsmarkt belasten. Umgekehrt könnte eine zu frühe Zinssenkung die Teuerung wieder anheizen. Analysten rechnen deshalb frühestens im Frühjahr 2026 mit vorsichtigen Zinssenkungen – vorausgesetzt, die Inflation beruhigt sich bis dahin. Mit Material der dpa.
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