„Margen deutlich ausgeweitet“

EZB macht Banken die Geldbeschaffung leichter – Vorteile erreichen Kunden kaum

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Zahlreiche Banken gewinnen durch die Zinsanpassungen der EZB. Ihre Geldaufnahme kostet weniger. Eine Auswertung zeigt: Die Erleichterung kommt bei den Kunden kaum an.

Berlin – Die Leitzinsen sinken, Ratenkredite kosten die Banken weniger Geld – aber beim Kunden kommt das kaum an. Zugleich steigen die Margen der Banken beim Zins. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox, das dafür Daten der Bundesbank ausgewertet hatte. Auf Bankenseite seien die Refinanzierungskosten innerhalb eines Jahres durchschnittlich um 32 Prozent gesunken, aber bei den Kunden sei lediglich eine Verbilligung bei Ratenkrediten um ein Prozent angekommen.

Banken profitieren von EZB-Zinskürzungen – Zinskosten gehen deutlich zurück

Auslöser für das Ganze sind die sinkenden Marktzinsen. Banken haben eine Vielzahl von Quellen, um sich Geld für das Kreditgeschäft zu beschaffen. „Ihre wichtigsten Refinanzierungsquellen sind unter anderem die EZB, der Interbankenmarkt, das Einlagen- und das Anleihegeschäft“, erklärte dazu Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Bei allen vier Quellen sind die Zinskosten für die Banken im Untersuchungszeitraum deutlich gesunken.“

Hinweis auf Geldautomat (Symbolfoto). Viele Banken profitieren von den Zinsschritten der EZB. Es kostet sie weniger, neues Geld zu beschaffen. Laut einer Analyse geben die Banken die Erleichterung nicht weiter.

Zu den Details: Diese Refinanzierungsquellen haben ihre Kosten in unterschiedlicher Intensität gesenkt. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ging der Hauptrefinanzierungssatz zum Beispiel von 4,25 Prozent auf 2,15 Prozent zurück. Die Kosten, zu denen sich Geschäftsbanken ihr Geld leihen können, sind also um 49 Prozent geschrumpft.

Beim Interbankengeschäft steht eine Vergünstigung um 47 Prozent auf dem Papier, die Zinsen schrumpften von 3,62 Prozent auf 1,93 Prozent. Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt verbilligte sich um zwölf Prozent; von 3,05 Prozent auf 2,69 Prozent.

Kredite werden kaum billiger – „Banken haben Margen deutlich ausgeweitet“

Bei den Kunden kam diese Kostenerleichterung jedoch kaum an. Zum Vergleich: Im Juli 2024 lag der bundesweite Durchschnittszins laut Bundesbank bei 8,33 Prozent. Im Laufe des folgenden Jahres hielten sich die Zinsen „konstant“ auf diesem Level. Im Juni 2025 dann waren Kredite lediglich ein Prozent billiger als vorher; jetzt betrug der Durchschnittszins 8,25 Prozent.

„Die Banken haben ihre Margen im Ratenkreditgeschäft deutlich ausgeweitet“, sagt Oliver Maier dazu. „Ein Grund dafür ist die schwächelnde Konjunktur. Wenn die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und Einkommenseinbußen zunimmt, bepreisen die Geldhäuser ihr größeres Ausfallrisiko mit einer höheren Marge beim Zins. Zudem dürfte auch die verschärfte Regulierung beim Vertrieb von Restschuldversicherungen eine Rolle spielen.“

Außerdem kam zum Jahresbeginn eine neue Regulierung hinzu, die besagt, dass zwischen dem Abschluss eines Ratenkredits und einer Versicherung, die bei Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder im Todesfall für die ausstehenden Verbindlichkeiten aufkommt, mindestens eine Woche Abstand liegen muss. Seitdem bleiben mehr Kredite unversichert. Die Banken kalkulieren nun mit höheren Zinsmargen, „um damit das Ausfallrisiko für diese Darlehen abzusichern und ihre weggebrochenen Provisionserlöse zu kompensieren.“

Bank widerspricht Verivox-Analyse – warum Kredite kaum billiger werden

Die deutschen Banken stimmen mit der Verivox-Analyse nur bedingt überein. Auf Anfrage durch IPPEN.MEDIA gab die Postbank an, dass die Refinanzierungskosten seit August 2024 in der Tat „moderat“ gesunken seien. Die Bank gab ebenfalls die relevanten Kapitalmarktzinsen als Treiber dieser Entwicklung an. Die Kundenkonditionen seien auch vom Kundenrisiko, dem Kreditvolumen und der Laufzeit ab, nicht nur von den Refinanzierungskosten. Bei der Deutschen Bank seien die Kundenkonditionen „moderat“ gesunken, bei der Postbank „im Wesentlichen stabil“ geblieben.

Santander wiederum setzt bei der Refinanzierung vorrangig auf Kundeneinlagen, aber der Kapitalmarkt spiele ebenfalls „eine wichtige Rolle“. Die gesunkenen Leitzinsen seit 2024 hätten auch dort auf die Refinanzierungskosten eingewirkt. „Für 2025 erwarten wir einen wachsenden Zinsüberschuss“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. „Das Auslaufen geringer verzinster Kredite lässt die durchschnittlichen Zinsen im Kundenkreditportfolio weiter steigen und die Zinserträge weiter leicht wachsen.“

Die DKB bestätigte die besseren Refinanzierungsbedingungen innerhalb des letzten Jahres ebenfalls. Hierfür sei vorrangig die EZB mit ihren Zinssenkungen verantwortlich. Allerdings werde der Effekt mit zunehmend längerer Ratendarlehenslaufzeit geringer. Außerdem seien die Liquiditätsbeschaffungskosten im Vergleich zum August 2024 geringfügig höher – ein „leichter Kompensationseffekt“ sei sichtbar. Allerdings stimmt die DKB nicht mit den 32 Prozent überein, die Verivox angab. Das sei „zu hoch“ angesetzt.

Weiter teilte die Bank mit, dass sinkende EZB-Refinanzierungssätze nicht 1:1 auf die Marktkonditionen übertragen werden könnten. „Der Markt preist über längere Laufzeiten die Erwartungen an die Entwicklung von Inflation, Wachstum und Geldpolitik ein“. Dazu kämen anhaltende Unsicherheiten, etwa die Konjunktur, Haushaltslage und politische Risiken, die die Kapitalmärkte beeinflussen.

Moderat steigende Kosten für Kredite – das kommt auf Kunden zu

Wie geht es weiter? Bis Jahresende 2025 geht die Postbank von „stabilen bis moderat steigenden“ Konditionen für Kunden aus – „in Abhängigkeit“ von der Entwicklung der Refinanzierungskosten. Die DKB hält sich diesbezüglich eher bedeckt. Eine Prognose wäre reine Spekulation und zu viele Faktoren nähmen Einfluss auf die Preisentwicklung. Santander wiederum erwartet einen „moderaten“ Rückgang beim Zinsaufwand, weil die Refinanzierung über Kundeneinlagen von sinkenden Einlagenzinsen profitiere.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Horst Galuschka

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