„Lagerplatz für Exzesskapazität“

Zu viel China-Hilfe – Putins Automarkt steckt in der Krise

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China flutet Russlands Wirtschaft mit Automobilen. Das bereitet Putin nun Probleme. Der Kreml muss eine Rettungsaktion starten.

Moskau – Die wichtigsten Sektoren in Russlands Wirtschaft stehen unter hohem Druck. Sogar die Energiebranche, aus der sonst viele Milliarden in die Kasse des Kremls fließen, kämpft mit Gewinnrückgängen. Zum Teil sind dafür die westlichen Sanktionen verantwortlich, zum Teil Einflüsse von außerhalb. Im Ölsektor zum Beispiel hat die Opec+ für eine wahre Schwemme auf den Märkten gesorgt. Ein ähnliches Problem tut sich jetzt im russischen Automobilmarkt auf.

Schwäche für Russlands Auto-Wirtschaft – Kurzarbeit statt Deutschland-Konkurrenz

Dieser schwächelt nun ebenfalls. 2008 noch hatte das Land drei Millionen Neufahrzeuge verkauft; Experten glaubten, dass Russland Deutschland als Europas größter Automarkt ablösen würde. Dann aber kamen Krieg und West-Exodus. Im Jahr 2024 machte der russische Automarkt gerade mal die Hälfte der Umsätze von einst. Tendenz sinkend.

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). China flutet Russlands Wirtschaft mit Automobilen. Das bereitet Putin nun Probleme. Der Kreml muss eine Rettungsaktion starten.

Ein Beispiel für die vielen Probleme in der Autoindustrie ist Avtovaz, der größte russische Autobauer, der unter anderem den Lada herstellt. Dieser hatte im Sommer vorgezogenen Betriebsurlaub angekündigt. Jetzt droht der Belegschaft Kurzarbeit. Ab dem 29. September könnten „allgemeine Tendenzen“ zur Einführung einer Vier-Tage-Woche führen, berichtete der Focus und berief sich auf den Pressedienst von Avtovaz. Damit ist Avtovaz nicht allein: Einige andere Fahrzeughersteller haben bereits Kurzarbeit eingeführt. Unter ihnen befinden sich der Lkw-Konzern Kamaz und der Bus-Spezialist Liaz.

Mit „allgemeine Tendenzen“ sind zum Beispiel die verschärften Forderungen für Autokredite und der (trotz einer geringfügigen Senkung auf 17 Prozent) nach wie vor hohe Leitzins in Russland gemeint. Allerdings leidet der russische Autosektor auch unter einer extrem hohen Einfuhr von Importautos. Besonders problematisch ist das, weil sich in den Lagerhallen die Pkw stauen. Aktuelle Zahlen sprechen von 400.000 Fahrzeugen, die noch in den Lagerbeständen auf ihren Verkauf warten.

Peking dominiert Russlands Wirtschaft – „Lagerplatz für Exzesskapazität“

Das wiederum führt uns zu einem größeren Problem, das Russland nicht nur in seiner Autoindustrie hat. Seitdem der Handel mit dem Westen wegen des Ukraine-Kriegs drastisch eingebrochen ist, hat sich Moskau zunehmend an Peking gewandt, um aufklaffende Löcher in der Handelsbilanz zu stopfen. In der Folge hat China nicht nur massiv Produkte aus Russland abgenommen, die Europa nicht mehr kaufen wollte, sondern auch damit begonnen, Waren nach Russland zu liefern.

In der Autosparte ist diese Entwicklung extrem. Im Jahr 2024 hat China eine Million Autos an Russland geliefert; etwa das Siebenfache der Menge von 2022. Schon im Frühjahr 2025 berichtete Business Insider, dass im Kreml die Angst umgeht, China könne die russischen Hersteller damit unter Druck setzen. Der Kreml hatte bereits die Einfuhrzölle verschärft, die auf Autos aus chinesischer Produktion anfallen. Jetzt zeigt sich, wie berechtigt diese Sorge war.

Russland ist aktuell Chinas größter Exportmarkt. Der Anteil an Chinas Exporten liegt bei 30 Prozent, berichtete die China Passenger Car Association via Financial Times. Russlands Entscheidung, die Einfuhrzölle anzuheben, zeige: „Sogar Chinas geopolitischer enger Verbündeter hat etwas dagegen, zu einem Lagerplatz für chinesische Exzesskapazität zu werden“. Im ersten Halbjahr machten chinesische Fahrzeuge einen Marktanteil von rund 55 Prozent bei den Neuwagenverkäufen aus.

Hilfe aus dem Kreml – Auto-Industrie mit „alternativer Beschäftigung“

Wie geht es weiter? Aktuell wartet die russische Wirtschaft nur so darauf, dass die Leitzinsen in den Bereich um zwölf Prozent sinken, damit Unternehmen wieder Kredite aufnehmen können. Die Zentralbank unter Elvira Nabiullina hat jedoch bereits vorgewarnt, dass sie die Zinsen nicht allzu schnell senken werde, da sonst die Gefahr einer schnell wieder steigenden Inflation drohe.

In der Autobranche will der Kreml über soziale Maßnahmen aushelfen. Angeblich arbeiten die Behörden an einem Plan zur „alternativen Beschäftigung“; so drückte es der für die Industrie zuständige russische Vizeregierungschef Denis Manturow mit. So sollen Einkommensverluste aufgefangen werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

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