„Nullwert“

Nächster Sektor von Russlands Wirtschaft rutscht in Krise: Putin muss Probleme gestehen

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Russlands Wirtschaft muss Verluste hinnehmen, das Wachstum nähere sich laut einem Experten dem „Nullwert“. Da muss Putin die nächste Hiobsbotschaft hinnehmen.

Moskau – Russlands Wirtschaft hat mit den Auswirkungen westlicher Sanktionen zu kämpfen. Inzwischen bekommen auch Branchen Probleme, die ansonsten vom Krieg gegen die Ukraine profitierten, wie etwa die Rüstungsindustrie. Dort musste jedoch kürzlich eine Werft 70 Prozent der Stellen streichen. Inzwischen räumt auch die Regierung von Präsident Wladimir Putin die Probleme ein.

Russlands Wirtschaft leidet: Regierung muss Prognose korrigieren – Putin spricht von „schwieriger Lage“

Für das laufende Jahr muss die russische Regierung die Wachstumsprognosen von 2,5 Prozent für 2025 deutlich nach unten korrigieren, wie Minister Maxim Reschetnikow auf dem Wirtschaftsforum im fernöstlichen Wladiwostok erklärte. Deutlichere Worte fand German Gref, Chef der Sberbank, die das größte Finanzinstitut Russlands ist. Die Zahlen von Juli und August deuteten darauf hin, „dass wir uns dem Nullwert nähern“. Er forderte dabei eine deutliche Senkung der Leitzinsen – in der Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Wirtschaft.

Die Autobranche ist der nächste Sektor von Russlands Wirtschaft, der in die Krise gerät. Doch Präsident Wladimir Putin gibt sich optimistisch. (Montage)

Putin selbst zeigte sich optimistischer, bestritt die Rezessionsgefahr und sprach von einer „weichen Landung“ für die Wirtschaft. Gleichzeitig räumte der Kreml-Chef jedoch ein, dass die „Lage in einzelnen Sektoren schwierig“ sei. Zu diesen Sektoren zählt inzwischen auch die Autobranche – ein Bereich, der vor Jahren noch als großer Wachstumsmarkt galt.

Russlands Autobranche rutscht in die Krise – wegen „allgemeinen Tendenzen“ der Wirtschaft

Der hohe Leitzins für Kredite im Allgemeinen, die verschärften Forderungen für Autokredite im Speziellen und die hohen Importzahlen von Autos aus China machen den russischen Autobauern das Leben schwer. Diese „allgemeinen Tendenzen“ führen nun dazu, dass Lada-Produzent Avtovaz, der größte Konzern der Branche in Russland, davor warnt, ab dem 29. September die Vier-Tage-Woche einführen zu müssen. Dabei ist die Firma gerade erst aus den verordneten Betriebsferien im Sommer zurück.

Bereits vor dem Branchenführer mussten bereits der Wolga-Produzent Gaz in Nischni Nowgorod, der inzwischen Kleintransporter herstellt, der Lkw-Bauer Kamaz und der Bus-Produzent Liaz auf Kurzarbeit umsteigen. Gerade Kamaz hat mit enormen Absatzeinbrüchen zu kämpfen – bei Bussen etwa um 60 Prozent. Bei schweren Lkw sei es ähnlich hoch. Dazu komme ein Rückgang bei zivilen Fahrzeugen von 30 Prozent. Das könne der Absatz von Armeelastwagen für den Krieg in der Ukraine nicht ausgleichen.

Gaz meldet dagegen ein Minus von 30 Prozent bei Kleintransportern. Bei Pkw lag der Nachfrage-Rückgang in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 laut Branchenverband AEB bei 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit stauen sich derzeit rund 400.000 Pkw in den Lagern.

Putins Regierung will gegen Auto-Krise vorgehen – Konkurrenz aus China dürfte Aufschwung erschweren

Putins Regierung will gegensteuern. Derzeit erarbeiteten die Behörden einen Plan zur „alternativen Beschäftigung“, sagte der für die Industrie zuständige Vizeregierungschef Denis Manturow. Ziel ist, Einkommensverluste aufzufangen und die Arbeitskollektive insgesamt zu erhalten. Details sind jedoch noch unklar. Fachleute gehen davon aus, dass es sich teilweise um Umschulungsprogramme für die Beschäftigten der Autoindustrie handle.

Ob die Krisen-Tendenz der russischen Autoindustrie abgewendet werden kann, ist jedoch fraglich. Die Konkurrenz aus China ist enorm. Die chinesischen Konzerne haben die Lücke gefüllt, die westliche Autobauer beim Rückzug aus Russland infolge des Krieges und der Sanktionen hinterlassen haben.

Chinas Autokonzerne übernehmen russischen Markt

Die chinesischen Autobauer hatten im ersten Halbjahr einen Marktanteil von etwa 55 Prozent bei den Neuwagenkäufen. Bis August – Zahlen sind bisher nicht veröffentlicht – könne dieser sogar auf 60 bis 65 Prozent gestiegen sein, schätzte der Direktor der Consultingagentur „Avtostat“ Sergej Zelikow. Marken wie Haval, Cherry und Geely machen Lada inzwischen ernsthaft Konkurrenz um Marktführerschaft.

Im Gegensatz zu den westlichen Autobauern, die in Werke in Russland investiert hatten, importieren die meisten chinesischen Konzerne ihre Fahrzeuge. Lediglich Haval hat in Ula südlich von Moskau ein vollwertiges Werk gebaut, die übrigen Hersteller haben häufig nur Montagewerke und scheuen große Investitionen. Der russische Markt ist zu instabil und klein geworden. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © Vladimirx Smirnov/Imago/Vladimir Gerdo/ITAR-TASS

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