VonYannick Hankeschließen
Mit Vollgas in die Krise? Die Zukunft der Autoindustrie ist ungewiss. Nach dem angekündigten Stellenabbau bei Bosch spricht ein Experte Klartext.
Berlin – Diese Ankündigung kam einem Beben gleich: Bosch, der weltweit größte Autozulieferer, will bis 2030 weitere 13.000 Arbeitsplätze abbauen. Das betrifft vor allem die deutschen Mobility-Standorte. Ein Ende des massiven Stellenabbaus scheint damit aber längst nicht in Sicht zu sein.
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nämlich mit weiteren Jobverlusten. Dem 74-Jährigen zufolge würden bis zu 100.000 weitere Arbeitsplätze bei Automobil-Zulieferern wegfallen. Eine Branche, die sich bereits jetzt immer wieder mit Insolvenzen konfrontiert sieht.
Massiver Stellenabbau in Automobilbranche: Experte schlägt Alarm – „nicht das Ende“
„Nach den Autobauern kommen die großen Zulieferer. Der Branche droht ein Jobverlust wie dem Umfallen der Dominosteine“, heißt es von Dudenhöffer gegenüber Bild. Laut dem Auto-Experten seien davon vor allem kleinere und mittlere Zulieferer sowie die Maschinenbauer betroffen.
„Bis zum Jahr 2030 gehen wir davon aus, dass im gesamten Zulieferfeld rund 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dabei sind Insolvenzen bei mittleren und kleineren Zuliefern nicht ausgeschlossen“, zeichnet der 74-Jährige ein dunkles Bild. Und die Chance, dass die abgebauten Jobs in Deutschland wieder zurückkommen? Läge bei null.
Die bittere Bilanz von Dudenhöffer: „Deutschland ist zu teuer, nicht wettbewerbsfähig. Wir haben unseren Wohlstand verfrühstückt“. Zum Hintergrund: Laut dem 74-Jährigen waren im Jahr 2019 noch 834.000 Menschen bei Autobauern und Zulieferern in Deutschland beschäftigt. Gut sechs Jahre später, im August 2025, seien es dann nur noch 720.000 Beschäftigte gewesen. In sechs Jahren kam es somit zu einem Rückgang von 14 Prozent. Und: „Dies ist nicht das Ende der Abwärtsspirale“, so Dudenhöffer.
Krisenstimmung in der Autobranche: Kanzler Merz lädt zum Gipfel ein
Aufgrund der grassierenden Krisenstimmung innerhalb der Autobranche ergreift Kanzler Friedrich Merz, unlängst erneut in einer Umfrage abgestraft worden, nun die Initiative. Heißt: Der CDU-Bundesvorsitzende lädt am 9. Oktober zu einem Autogipfel ein. Das hätte die dpa aus Regierungskreisen erfahren. Teilnehmen sollen demnach mehrere Minister, die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Autoindustrie, die großen Produzenten und Zulieferer sowie Vertreter der Arbeitnehmerseite. Merz hatte nach einem Koalitionsausschuss Anfang September ein solches Treffen angekündigt.
US-Zölle, schwache Nachfrage, geopolitische Unsicherheiten: Woran die Autobranche krankt
Derweil äußert sich auch Jürgen Mindel über den massiven Stellenabbau in der Automobilbranche. So heißt es vom Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA) wie folgt: „Die Nachfrage in Europa und den USA ist weiter schwach, zudem die allgemeine wirtschaftliche Lage hierzulande schwierig“. Weltweit wachsender Protektionismus und geopolitische Unsicherheiten kämen zu. „Die US-Zölle sind nur ein Beispiel. All das setzt den Zulieferern zu“, so Mindel gegenüber der Bild.
Was Mindel als größtes Problem ausmacht, ist der Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland und Europas. Damit meint er immer mehr und mehr Regulierung und Bürokratie, hohe Energiepreise, hohe Steuern und Abgaben, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren. Eine ellenlange Mängelliste, die den VDA-Chef zu folgender Aussage bringt: „Die Unternehmen sind gezwungen, ihre Investitionen zu hinterfragen“. (Quellen: bild.de, dpa; han)
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