EZB-Geldpolitik

Zinserhöhungen: Ist das Limit nun erreicht? Bankensektor äußert sich vielsagend

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Sind 2024 weitere Zinserhöhungen durch die EZB zu erwarten? Verantwortliche aus dem Bankensektor blicken voraus. Die Inflation hängt damit eng zusammen.

Frankfurt/München - In der jüngeren Vergangenheit kannte die Zinsentwicklung in Europa lediglich eine Richtung: nach oben. Im Rahmen der nach wie vor hohen Inflation ist die Europäische Zentralbank (EZB) hart geblieben und hat die Leitzinsen am Donnerstag (14. September) zum zehnten Mal in Folge erhöht.

Tatsächlich gibt es jedoch Indizien, dass die Zinsrallye im Bankensektor von nun an beendet sein könnte: Darauf lassen Äußerungen hochrangiger Notenbanker schließen: „Wir glauben, dass die jüngste Erhöhung des Zinsniveaus, wenn es für einige Zeit beibehalten wird, ausreichen könnte, um die Inflation dem Zwei-Prozent-Ziel anzunähern“, erklärte Vizepräsident Luis de Guindos gegenüber dem Radiosender Cope aus Spanien.

EZB mit weiteren Zinserhöhungen? Äußerungen sprechen dagegen

Der Notenbankchef Estlands, Madis Müller, äußerte sich zu der Frage, ob es demnächst weitere Zinserhöhungen geben werde, in einem Blogeintrag vielsagender: Der Zentralbankrat stellte klar, „dass nach unserem besten Wissen in den kommenden Monaten keine weiteren Zinserhöhungen zu erwarten sind“.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte kurz zuvor im Hinblick auf die Geldpolitik der EZB mitgeteilt, dass es wohl eher um die Frage gehe, wie lange die Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben sollen. Auch das dient als Indiz, dass das Geldinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main zunächst keine weiteren Erhöhungen plane, die Festgeldanlagen attraktiver machen.

Euromünze und 20-Euro-Schein: Die Zinsen für Tages- und Festgeld gingen zuletzt stetig nach oben.

Wenn es nach HVB-Chefin Marion Höllinger geht, werde das Zinsniveau im kommenden Jahr sogar die andere Richtung einschlagen: „Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Zinsen im kommenden Jahr wieder sinken werden. Wir rechnen 2024 auch mit fallenden Zinsen”, schildert die CEO der HypoVereinsbank (Tochter der UniCredit AG aus München) in einem Interview dem Handelsblatt.

Zinspolitik der EZB: HVB-Chefin erwartet Kehrtwende 2024

Darin äußert sich Höllinger auch über die derzeitige wirtschaftliche Lage der vermeintlich „kranken Person Europas”: „Es gibt einige Veränderungen, die Deutschland besonders treffen, etwa dass wir abhängiger von bestimmten Energieträgern waren. Diese Faktoren schlagen bei uns im Moment stärker auf die Konjunktur durch. (...) Man kann die Transformation bereits sehen. Sie wird im Moment nur noch von Faktoren wie der Inflation und den Zinsen überdeckt.”

Zwar würde derzeit für deutsche Unternehmen die Auslandsnachfrage zurückgehen und auch die Lieferketten seien nach wie vor ein Thema, ihr zufolge biete diese „Transformation“ jedoch viele Chancen, darüber hinaus habe sich der deutsche Mittelstand bereits während Corona als äußerst „anpassungsfähig“ erwiesen.

Ein Experte warnt währenddessen, dass es für eine Zinspause „noch zu früh“ sei. (PF mit Material der dpa) 

Rubriklistenbild: © Silas Stein/Imago

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