Qualitätsstudie offenbart Schwächen: Deutsche Autohersteller rutschen ab
VonPatrick Freiwah
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Die aktuelle J.D.-Power-Studie belegt: Premium kostet, schützt aber nicht vor Mängeln. Deutschen Herstellern mangelt es anscheinend an Qualität – mit einer Ausnahme.
Washington/München – „Premium“ – das klingt nach höchster Qualität, modernster Technik und perfekter Verarbeitung. Für viele Autokäufer und -käuferinnen ist dieses Versprechen eng mit deutschen Marken wie Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche verbunden. Doch auf dem für die Branche so wichtigen US-Markt bekommt dieses Image nun Risse.
Die aktuelle „Initial Quality Study“ (IQS) von J.D. Power, das wohl bedeutendste Qualitätsranking der amerikanischen Automobilbranche, stellt deutschen Herstellern kein gutes Zeugnis aus. Ein Modell kann den deutschen Ruf dann doch retten – es handelt sich um einen legendären Klassiker.
Qualitätsranking: Deutsche Hersteller im Sinkflug – Audi auf dem letzten Platz
Die Zahlen sind ernüchternd: Audi, einst Inbegriff deutscher Ingenieurskunst, landet im aktuellen Ranking mit 269 Problemen pro 100 Fahrzeuge auf dem letzten Platz – schlechter schneidet nur US-Elektroautobauer Rivian ab, der jedoch nicht offiziell gewertet wird. Auch Volkswagen (225 Probleme) und Mercedes-Benz (210) rangieren in der Rangliste weit unten.
BMW hält sich mit 196 Problemen zwar etwas besser, bleibt aber ebenfalls unter dem Durchschnitt von 192. Für die deutschen Premiumhersteller ist das Rückschlag und alarmierendes Signal zugleich – denn nach dem Absatzschwund in China häufen sich auch die Negativmeldungen in Bezug auf den ebenfalls lukrativen nordamerikanischen Automarkt.
Asiatische Marken dominieren – und ein Lichtblick aus Zuffenhausen
Während die deutschen Marken im J.D. Power-Ranking straucheln, werden asiatische Marken besser bewertet: Die Toyota-Tochter Lexus führt das aktuelle Ranking an, gefolgt von Nissan und Hyundai. Toyota selbst, sonst für Zuverlässigkeit bekannt, ist mit 200 Problemen weit abgeschlagen. Aus deutscher Sicht gibt es aber auch Positives: Porsche.
Der schwäbische Edelhersteller bleibt mit 188 Problemen als einziger deutscher Autobauer unter dem Durchschnitt – wenn auch denkbar knapp. Besonders bemerkenswert: Der Porsche 911 ist das zuverlässigste Einzelmodell der gesamten Umfrage und setzt mit nur 116 Problemen pro 100 Fahrzeuge ein Ausrufezeichen.
Autohersteller im Vergleich: Touchscreen-Frust und Premium-Paradox
Ein zentrales Problem moderner Fahrzeuge sind die Infotainment-Systeme, das zeigt sich auch in dem Qualitätsranking: Trotz kleiner Verbesserungen verursachen sie durchschnittlich 42,6 Probleme pro 100 Autos – ein Spitzenwert. Kunden ärgern sich demnach über komplizierte Bedienung und ablenkende Touchscreens. „Während die Kunden die größeren Touchscreens optisch ansprechend finden, ist ihre Funktionalität innerhalb des Fahrzeugs eine zunehmende Quelle der Frustration“, erklärt Frank Hanley von J.D. Power.
Besonders pikant und das unabhängig von der Nationalität: Premiummodelle, die eigentlich für höchste Qualität stehen, weisen den Angaben zufolge mehr Mängel auf als günstigere Modelle. Vor allem Karosserieprobleme und Schwierigkeiten bei Plug-in-Hybriden würden negativ hervorstechen.
Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab
Teuer heißt nicht automatisch besser: Was bleibt vom Premium-Mythos?
Die IQS-Studie 2025 basiert auf den Erfahrungen von weit über 90.000 Fahrzeughaltern in den ersten drei Monaten nach dem Kauf, im Zeitraum zwischen Juni 2024 und Mai 2025. Das Ergebnis: Teuer heißt nicht automatisch besser.
Die deutschen Premiumhersteller stehen vor der Herausforderung, ihr Qualitätsversprechen neu zu definieren – und das auf einem Markt, der für ihre Zukunft (mit-)entscheidend sein wird. Als Paradebeispiel dient ein traditionsreichstes Modell: Der Porsche 911 zeigt, dass deutsche Wertarbeit immer noch Weltspitze sein kann. (PF)