Regierung reaktiviert alte Rentenidee: Comeback mit umfangreichen Zulagen beschlossen
VonMomir Takac
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Als Alternative zur Rente will die Koalition ein Konzept umsetzen, das Vorsorge am Aktienmarkt ermöglicht. Der Staat bietet dabei erhebliche Unterstützung.
Berlin – Das System der Rente in Deutschland muss dringend überarbeitet werden. Eine Kommission soll im Sommer 2026 Vorschläge für eine Reform ausarbeiten. Einen ersten Schritt machte die Bundesregierung mit dem kürzlich beschlossenen Rentenpaket. Jetzt geht die Koalition sogar noch die Reform der Riester-Rente an – mit einer alten Idee als Grundlage.
Am Mittwoch hat das Bundeskabinett in der letzten Sitzung des Jahres einen von Finanzminister Lars Klingbeil eingebrachten Gesetzentwurf zur privaten Altersvorsorge beschlossen. Als Nächstes befassen sich Bundestag und Bundesrat mit den Plänen. Damit sollen Bürger neue Möglichkeiten erhalten, mit staatlicher Hilfe für den Lebensabend vorzusorgen. Im Kern geht es um ein „Altersvorsorgedepot“, das ab 2027 die unbeliebte Riester-Rente ablösen soll und höhere Zulagen sowie flexiblere Anlagemöglichkeiten verspricht.
Alternative zur gesetzlichen Rente: „Altersvorsorgedepot“ soll kommen
Die Idee ist nicht neu. Das „Altersvorsorgedepot“ baut auf einem Konzept Aktien-basierter Kapitalanlagen des früheren Finanzministers Christian Lindner auf, der sein Vorhaben wegen der gescheiterten Ampel-Koalition nicht in die Tat umsetzen konnte. Klingbeil holt es gewissermaßen aus der Schublade hervor und nimmt Korrekturen vor.
Das „Altersvorsorgedepot“ bietet deutlich höhere staatliche Zulagen als das bisherige Riester-System. Sparer können eine maximale Grundzulage von 480 Euro pro Jahr erhalten. Lindner hatte eine Obergrenze von 3000 Euro und 600 Euro Zulage vorgeschlagen. Die Förderung ist gestaffelt: Für die ersten 1200 Euro Einzahlung gibt es 30 Cent pro Euro (ab 2029: 35 Cent), für Einzahlungen zwischen 1201 und 1800 Euro sind es 20 Cent pro Euro.
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Bei Riester beträgt die Grundzulage 175 Euro. In Klingbeils Konzept soll es eine Kinderzulage von 25 Cent pro eingezahltem Euro, maximal jedoch 300 Euro pro Kind geben, analog zur bisherigen Riester-Förderung für ab 2008 geborene Kinder. Um davon zu profitieren, müssen Sparer mindestens 120 Euro pro Jahr einzahlen. Berufsanfänger unter 25 Jahren erhalten eine einmalige Sonderprämie von 200 Euro.
Wie bei der Riester-Rente können Sparer ihre Einzahlungen plus Zulagen als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Der Höchstbetrag für den Sonderausgabenabzug gilt jedoch nur für die eigenen Einzahlungen bis 1800 Euro, während die Zulagen immer voll abzugsfähig sind. Ein wesentlicher Unterschied zur Riester-Rente ist die größere Flexibilität bei der Geldanlage. Sparer können ihr Geld in Aktien, Fonds, ETFs und Anleihen investieren. Einzelaktien sind allerdings nicht erlaubt. Die Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, was den Zinseszinseffekt verstärkt. In der Auszahlphase wird Einkommensteuer fällig.
„Altersvorsorgedepot“-Guthaben kann vererbt werden
Bei Rentenbeginn, der flexibel zwischen 65 und 70 Jahren gewählt werden kann, haben Sparer zwei Optionen: eine lebenslange Rente oder einen Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft, mit der Möglichkeit, eventuelles Restkapital auszuzahlen. Das Guthaben aus einem „Altersvorsorgedepot“ kann auch vererbt werden, entweder als Altersvorsorgevertrag der Erben oder als Auszahlung. Bestehende Riester-Verträge, die von immer mehr Menschen gekündigt werden, können in das neue System überführt werden. Ein Wechsel ist freiwillig, aber unwiderruflich.
Die Kosten sollen über die gesamte Laufzeit der Verträge verteilt werden. Auch muss jeder Dienstleister ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel bei 1,5 Prozent anbieten. Stimmt das Kabinett Klingbeils Plänen zu, müssen Bundestag sowie Bundesrat darüber abstimmen. Geplant ist die Einführung des „Altersvorsorgedepots“ für den 1. Januar 2027. Bereits ab 2026 gibt es die Frühstart-Rente, von der zunächst aber nicht alle Kinder profitieren werden. (Quellen: Nachrichtenagentur dpa, t-online.de, spiegel.de) (mt)