Forderung im Positionspapier

Rentner sollen länger arbeiten – Druck auf Merz-Regierung wächst

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Die Zukunft der Rente in Deutschland sorgt unter Ökonomen und Politikern für hitzige Debatten. Nun greift der CDU-Wirtschaftsrat eine bekannte, kontroverse Rentenforderung auf.

Berlin – Das deutsche Rentensystem braucht Reformen: Immer mehr Babyboomer gehen in den Ruhestand, während sich die Zahl der Beitragszahlenden verringert. In der Debatte über Lösungsansätze rücken das Renteneintrittsalter und die Lebensarbeitszeit wiederholt in den Vordergrund. Eine für Rentner wohl unbeliebte Forderung kommt erneut auf den Tisch.

Forderung bei der Rente: Senioren sollen länger arbeiten – CDU-Wirtschaftsrat macht Druck

In einem Positionspapier fordert der CDU-Wirtschaftsrat laut einem Bericht der F.A.Z. das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu verknüpfen. Das würde bedeuten, dass Senioren länger arbeiten müssten und dass das Renteneintrittsalter über 67 Jahre hinaus gehen könnte. Die Forderung ist nicht neu – seit längerer Zeit steht der Vorschlag im Raum. Befürworter argumentieren, dass einerseits die Lebenserwartungen steigen und die Menschen länger Rente beziehen. Zudem warnen sie vor den Folgen der Alterung der Gesellschaft.

Befürworterin ist mitunter die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Reiche sprach sich im Interview mit der F.A.Z für eine längere Lebensarbeitszeit aus, da der demografische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung dies „unumgänglich“ machen würden. Es könne „jedenfalls auf Dauer nicht gut gehen, dass wir nur zwei Drittel unseres Erwachsenenlebens arbeiten und ein Drittel in Rente verbringen“, so die CDU-Politikerin. „Ohne eine entschlossene Reformagenda droht die Rentenversicherung zu einer zunehmenden Belastung des Bundeshaushalts zu werden – und zur tickenden Zeitbombe für die Generationengerechtigkeit“, argumentierte auch Wirtschaftsweise und Reiche-Beraterin Veronika Grimm.

Der Vorschlag stieß auf starke Kritik beim Koalitionspartner. Die SPD bezeichnet die Forderung der Wirtschaftsministerin Reiche nach höherer Lebensarbeitszeit als „fern der Lebensrealität“. Aber auch der CDU-Sozialflügel (CDA) kritisierte die Aussagen der Ministerin scharf. 

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Diskussion über Zukunft der Rente: Rentenalter an die längere Lebenserwartung koppeln

Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Deutschland wird schrittweise auf 67 angehoben. Doch einige Personen sind davon ausgenommen. Entscheidend ist das Geburtsjahr: Für Personen, die 1964 oder später geboren wurden, bleibt das Renteneintrittsalter bei 67.

Angefangen mit dem Geburtsjahrgang 1947 wird die Altersgrenze bis 2023 um jährlich einen Monat angehoben. Seit 2024 wird die Altersgrenze beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1959 in zwei-Monats-Schritten angehoben. Wenn man vor dem Renteneintrittsalter in den Ruhestand gehen will, geht das nur mit Abschlägen. Die Höhe der Rentenabschläge ist jahrgangsabhängig.

Merz-Regierung kündigt „Herbst der Reformen an“ – auch Rente im Visier

Der Wirtschaftsrat will mit den Vorschlägen aus dem Positionspapier offenbar an den von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigten Herbst der Reformen anknüpfen. Eine große Baustelle ist das Umkrempeln des Sozialstaats, es sollen die Krankenkassen, das Bürgergeld und das Rentensystem in den Blick genommen werden. Von den Reformen ist nach Ansichten von Ökonomen bisher nichts zu sehen.

Der Kanzler stellte die Menschen auf eine lang anhaltende Reformdebatte ein. „Der Herbst der Reformen wird auch nicht die letzte Jahreszeit sein, in der wir das Land zum Besseren verändern“, kündigte Merz an. „Es wird sich ein Winter, ein Frühling, ein Sommer, ein nächster Herbst anschließen mit Reformen.“ Er bitte alle, „die ungeduldig auf die Veränderungen warten, auch um die notwendige Ausdauer. Wir haben erst begonnen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer

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