Energiewende

Reiche-Pläne unter Beschuss: „Wir riskieren Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie“

Stefan Thimm führt den Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore. Er kritisiert die Vorhaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

Frankfurt – Stefan Thimm macht Druck auf die Bundeswirtschaftsministerin. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie Offshore. In Bezug auf die Pläne von Katherina Reiche (CDU), die Energiewende neu auszurichten, sagte er: „Wer den prognostizierten Strombedarf künstlich kleinrechnet, öffnet der Verzögerung beim Ausbau der Erneuerbaren Tür und Tor.“

Katherina Reiche (CDU) bei einem Besuch bei Siemens Energy in Berlin.

Hintergrund ist ein „Realitätscheck“ bei der Energiewende, den Reiche angekündigt hat. „Die Kosten müssen insgesamt runter“, sagte sie mit Blick auf hohe Energiepreise und eine darunter leidende Industrie. Reiche nahm zuletzt Bezug auf Berechnungen der Ampel-Regierung: „Die letzte Regierung hat angenommen, dass der Stromverbrauch schon 2030 auf bis zu 750 Terawattstunden steigt, bis 2035 gibt es Prognosen von 1 000 Terawattstunden“ – eine Steigerung von fast 50 Prozent innerhalb weniger Jahre. Reiche machte Zweifel deutlich, ob das so eintreten wird.

Deswegen gibt es Kritik an Katherina Reiche (CDU)

An diesen Zweifeln entzündet sich nun Thimms Kritik im Interview mit der TAZ. Wenn man den Strombedarf Deutschlands kleinrechne, entfalle der „preisdämpfende Effekt“ von Wind- und Solarstrom, sagte er. Die Strompreise blieben dann hoch, „und wir riskieren den Verlust energieintensiver Industriearbeitsplätze“. Die Erneuerbaren gelten schon heute als die günstigste Möglichkeit, Strom zu erzeugen.

Es stimme zwar, sagte er, dass der Strombedarf aktuell unter dem prognostizierten Bedarf liege. „Vor allem, weil der Hochlauf bei Wärmepumpen und E-Mobilität langsamer verläuft als geplant.“ Aber: Es seien Nachholeffekte in Sicht, besonders „wenn wir die Klimaziele ernst nehmen und bis 2045 klimaneutral werden wollen“.

Kritik von Greenpeace an CDU-Ministerin Reiche

Auch Greenpreace kritisierte Reiches Vorgehen. „Was Katherina Reiche als Realitätscheck“ verkauft, ist in Wahrheit ein Rückfall in die fossile Vergangenheit und eine altbekannte Verzögerungstaktik“, sagte Karsten Smid, Greenpeace-Experte für Klima und Energie. Sie bremse sie die Transformation aus und setze auf „das Zupflastern von Gaskraftwerken im ganzen Land“. Geplant sind viele neue Gaskraftwerke, die wie andere klimaschädliche Maßnahmen immer wieder in der Kritik stehen. Reiche hatte vor Dunkelflauten gewarnt. Damit begründete sie die Notwendigkeit, neue Gaskraftwerke zu bauen.

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