Klimaziele bedroht: Deutschland stehen Milliardenstrafen bevor
VonFabian Hartmann
schließen
Mit dem Klimaschutzbericht 2025 liefert das Bundeskabinett ernüchternde Fakten: Deutschland droht seine Klimaziele für 2040 und 2045 zu verfehlen.
Berlin – Bis 2050 soll Europa klimaneutral sein, und auch Deutschland hat sich schon vor Jahren zu stufenweisen Klimazielen bekannt, um dem anhaltenden Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Doch bis zur Klimaneutralität ist es noch ein langer Weg. Das zeigt nun auch der Klimaschutzbericht 2025, den das Bundeskabinett am Mittwoch (6. August) beschlossen hat.
Als Ziele hat sich Deutschland mitunter gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mindestens 65 Prozent zu senken. Bis 2040 sieht das vorgeschlagene Klimaziel der Europäischen Union eine Reduktion der Emissionen um 90 Prozent gegenüber 1990 vor. Spätestens 2045 will Deutschland klimaneutral sein, und damit noch fünf Jahre vor dem gesamteuropäischen Ziel, das 2015 im Pariser Abkommen festgelegt wurde.
Emissionen sinken, aber nicht genug – Deutschland droht, Klimaziele zu verfehlen
Dem neuen Klimaschutzbericht zufolge sanken die Emissionen 2024 im Vorjahresvergleich um insgesamt 3,4 Prozent auf 649 Millionen Tonnen. Maßgeblich am Rückgang beteiligt sind vor allem Einsparungen im Energiesektor. Doch weil andere Sektoren ihre Jahresemissionsziele erneut verfehlen, legt der neue Klimaschutzbericht eine ernüchternde Prognose offen.
Deutschland dürfte seine Klimaziele für 2040 und 2045 verfehlen, sollten keine weiteren Maßnahmen zur Senkung der Emissionen getroffen werden. Hoffnung gibt es aber immerhin für das Klimaziel bis 2030: Es könne laut Bericht erreicht werden, sollte Deutschland an seinen Anstrengungen festhalten.
Neubauer, van Baalen, Jeschke: Das sind die bekanntesten Klimaaktivisten Deutschlands
Klimaziele: Deutschland hinkt bei Gebäuden und Verkehr hinterher
Deutlich verfehlt wurden die Jahresemissionsmengen in zwei Sektoren: Einerseits im Gebäudebereich, andererseits im Bereich Verkehr. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) resümiert deshalb in einem Statement, in jenen Sektoren müsse „noch entschlossener“ gehandelt werden. Dennoch betonte Schneider grundlegend: „Der eingeschlagene Weg stimmt.“
Weiter fühte Schneider in seinem Kommentar zum Klimaschutzbericht 2025 aus, dass Klimaschutz nicht nur Verantwortung mit sich bringe, sondern auch als „Treiber für Innovation, Modernisierung und dringend notwendige wirtschaftliche Erneuerung“ angesehen werden müsse. „Deutschland hat die Chance, ein internationaler Leitmarkt für klimafreundliche Lösungen zu werden. Dafür braucht es jetzt Entschlossenheit“, betonte der Bundesumweltminister.
Darüber hinaus versprach der SPD-Politiker, noch 2025 weitere Maßnahmen zur Emissionsminderung auf den Weg bringen zu wollen: „Wir legen deshalb noch in diesem Jahr ein umfassendes Klimaschutzprogramm vor, das nicht nur Emissionen senkt, sondern Zukunft gestaltet“, betonte der Bundesumweltminister weiter.
Deutschland drohen massive Strafen, sollten Emissionen nicht weiter gesenkt werden
Doch was passiert, sollte Deutschland die weiterhin zu hohen Emissionen im Gebäude- und Verkehrssektor langfristig nicht in den Griff bekommen? Dann könnte es teuer werden, wie der Deutschlandfunkschon nach Veröffentlichung des Klimaschutzberichts 2024 hinwies: Sollte es Deutschland nicht gelingen, in den betroffenen Sektoren die Vorgaben für den CO₂-Ausstoß einzuhalten, müssten Emissionsrechte aus EU-Staaten zugekauft werden, die ihre Ziele übererfüllen. Der Spiegel bemaß potenzielle Strafzahlungen bis 2030 auf Werte zwischen neun und 55 Milliarden Euro, wobei die breite Preisspanne dadurch zustande kommt, weil unklar ist, wie hoch der Preis für die CO₂-Zertifikate 2030 sein wird.
Ausgegangen werden könne dem Spiegel zufolge von einer Spanne zwischen 45 Euro und 260 Euro pro Tonne CO₂ – wahrscheinlich sei jedoch ein Preis von knapp 130 Euro pro Tonne. Sollten im Gebäude- sowie im Verkehrssektor keine wirkungsvollen Maßnahmen zur Emissionssenkung getroffen werden, dürfte allein der Verkehrssektor bis 2030 knapp 169 Millionen Tonnen CO₂ zu viel ausstoßen, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Juli (23. Juli) mahnte. „Im Gebäudebereich kommen weitere 110 Millionen Tonnen hinzu“, betonten die DUH-Verantwortlichen dabei.
Deutsche Umwelthilfe spricht von „klimapolitischem Totalversagen“
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, sprach deshalb eine deutliche Mahnung in Richtung schwarz-roter Regierungskoalition aus: „Wenn die Bundesregierung zum wiederholten Mal in ihrem eigenen Klimaschutzbericht einräumt, dass zentrale Klimaziele krachend verfehlt werden und trotzdem keine wirksamen Sofortmaßnahmen folgen, dann ist das kein Versehen mehr, sondern klimapolitisches Totalversagen“, kritisierte Resch scharf.
Er forderte deshalb: „Es braucht endlich konkrete Maßnahmen: ein Tempolimit von 100/80/30, den vollständigen Abbau klimaschädlicher Subventionen, eine sozial gerechte Sanierungsoffensive und die Wiederherstellung intakter, widerstandsfähiger Moore und Wälder.“ Sollte die Regierung jene Maßnahmen „nicht endlich ergreifen“, droht die DUH an, notfalls den Weg über Klimaklagen gehen zu wollen. (fh)