Armut auf ganzem Globus wächst

Inflation, Pandemie und Krieg: Reiche verdoppeln ihr Vermögen

Die weltweite Schere zwischen Arm und Reich driftet immer weiter auseinander. Die reichsten Männer der Welt verdienen Millionen pro Stunde, trotz - oder gerade dank - diverser Krisen.

Davos - Die Krisen der vergangenen Jahre haben die soziale Schere im weltweiten Maßstab stärker denn je geöffnet. Das geht aus einer aktuellen Studie der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos hervor. Demnach haben alle Milliardäre dieser Welt seit 2020 ihr Vermögen um gut ein Drittel auf über drei Billionen Euro vermehrt, während die Vermögen der 4,8 Milliarden ärmsten Erdenbürger in der Summe um gut 18 Milliarden Euro geschmolzen sind.

Je weiter nach oben man in der Pyramide der Superreichen blickt, desto stärker ist dieser Effekt. So haben Elon Musk, Bernard Arnault, Jeff Bezos, Larry Ellison und Warren Buffett als die fünf reichsten Männer der Welt ihre Vermögen sogar gut verdoppelt. Das Quintett vereint nach Recherchen von Oxfam auf sich aktuell eine Summe von 800 Milliarden Euro. 2020 seien es noch 370 Milliarden Euro gewesen. Diese Zahlen sind teils geschätzt. Oxfam wertet dabei unter anderem Daten von Vereinten Nationen, Weltbank, Internationalem Währungsfonds, Wirtschaftsforschern und Behörden aus. Der Vermögenszuwachs der fünf Superreichsten seit 2020 entspreche fast 13 Millionen Euro stündlich, hat die Organisation berechnet.

Elon Musk: Der reichste Mensch der Erde hat zurzeit gut lachen.

Deutsche Superreiche stehen Entwicklung in nichts nach

Ihren diesjährigen Bericht hat Oxfam mit „Inequality Inc.“ betitelt. Das heißt so viel wie Ungleichheits-AG. Demnach stehen auch die fünf reichsten Deutschen ihren globalen Entsprechungen tendenziell wenig nach. Das sind Dieter Schwarz (Lidl), Klaus-Michael Kühne (Kühne + Nagel), Reinhold Würth und Familie (Würth), Stefan Quandt und Susanne Klatten (beide BMW). Das Gesamtvermögen dieses Quintetts ist inflationsbereinigt seit 2020 laut Oxfam um drei Viertel auf rund 142 Milliarden Euro gewachsen.

Zum Vergleich: Elon Musk kommt als reichster Mensch der Welt allein auf 224 Milliarden Euro. Auch Konzerne seien Krisengewinner. Die 148 weltgrößten Firmen – allen voran Öl- und Gaskonzerne – haben demnach von Mitte 2022 bis Mitte 2023 ihre Nettogewinne gemessen am Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 um gut die Hälfte auf über 1,6 Billionen Euro erhöht. Während Milliarden von Menschen die Schockwellen von Pandemie, Inflation und Krieg ertragen mussten, boomen die Vermögen der Milliardäre, kritisierte die Deutschland-Chefin von Oxfam, Serap Altinisik. Als Reaktion auf diese eskalierende Ungleichheit forderte er die weltweite Besteuerung großer Vermögen.

Rubriklistenbild: © Kirsty Wigglesworth / dpa

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