Abschaffung des Acht-Stunden-Tags: BDA-Chef räumt mit Vorurteil um Merz-Plan auf – „Unsinn“
VonPatrick Freiwah
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Merz will den Acht-Stunden-Tag abschaffen: Wie die vorgesehene Reform des Arbeitszeitgesetzes die beruflichen Tätigkeitsfelder in Deutschland verändern könnte.
Berlin/München – Wer morgens um 7 Uhr am Band steht oder abends noch Mails aus dem Homeoffice verschickt, spürt es täglich: Die Arbeitswelt verändert sich zuweilen rasant.
Doch das deutsche Arbeitszeitgesetz stammt noch aus der Ära von Telex und Wählscheibe – zumindest, wenn es nach Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und weiteren Meinungsführern geht. Die Debatte um die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags ist längst entbrannt.
Reform des Arbeitszeitgesetzes: Acht-Stunden-Tag abschaffen für mehr Flexibilität – Dulger erläutert Vorurteil
Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sieht dringenden Reformbedarf. „Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit passt besser in das Zeitalter der Digitalisierung als die strikte tägliche Höchstarbeitszeit. Wir brauchen das in Deutschland jetzt endlich auch“, betont er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dulger fordert, die Möglichkeiten der EU-Arbeitszeitrichtlinie voll auszuschöpfen und mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten zuzulassen.
Für Berufe wie Dachdecker oder Bandarbeiter, für die Homeoffice keine Option ist, seien tarifliche Tagesarbeitszeiten indes sinnvoll. Aber in vielen anderen Bereichen wünschen sich Beschäftigte und Unternehmen mehr Spielraum – etwa, um zwischendurch das Kind aus der Kita zu holen und später weiterzuarbeiten. „Das ist aktuell gesetzlich nicht möglich, weil man die Ruhezeiten dann nicht einhält“, so Dulger. Der 61-Jährige fordert, dass der gesetzliche Rahmen auch bei Ruhezeiten mehr Flexibilität zulässt: „Es geht nicht darum, den Achtstundentag zu schleifen und alle täglich 13 Stunden schuften zu lassen. Das ist Unsinn.“
Abschaffung des Acht-Stunden-Tags in der Diskussion: Was sagt das aktuelle Arbeitszeitgesetz in?
Das geltende deutsche Arbeitszeitgesetz legt fest: Die tägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten, kann aber unter bestimmten Bedingungen auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Nach Feierabend müssen Arbeitnehmer mindestens elf Stunden am Stück pausieren – mit Ausnahmen in bestimmten Branchen wie Krankenhäusern oder Gaststätten. Tarifverträge können abweichende Regelungen enthalten.
Doch viele Unternehmen und Beschäftigte wünschten sich laut Koalitionsvertrag mehr Flexibilität, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Deshalb will die Koalition die Umstellung auf eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit prüfen – im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie. Es geht quasi um eine Abschuffung des Acht-Stunden-Tages. Dazu wurde ein Dialog mit den Sozialpartnern gestartet.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger polarisiert: Vor Monaten erklärte der Funktionär, in Deutschland sei die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche zu niedrig. (Archivbild)
Das aktuelle Gesetz biete ausreichend Spielraum – eine weitere Aufweichung gefährde den Gesundheitsschutz. Auch das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht der Hans-Böckler-Stiftung warnt in einer Kurzstudie vor einer Abschaffung des Acht-Stunden-Tags: Überlange Arbeitszeiten, wie sie eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ermöglichen könnte, seien ein Risiko für die Gesundheit. Gegenüber dem BR24 schlug Fahimi vor Monaten in die gleiche Kerbe: „Das wird nicht Wirtschaftswachstum fördern, sondern mehr Krankheit erzeugen unter den Beschäftigten.“
Debatte um Abschaffung des Acht-Stunden-Tags: Das deutsche Arbeitszeitgesetz und die Welt von morgen
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte angekündigt, das Arbeitszeitgesetz zu überarbeiten. Der Acht-Stunden-Tag soll als Obergrenze abgeschafft werden. Doch wie genau die Reform aussehen wird, ist noch offen – der Dialog zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik läuft.
Klar ist: Die Debatte um mehr Flexibilität in der Arbeitszeit bleibt ein heißes Eisen. Am Ende geht es um die Frage, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen soll – und wie sich wirtschaftliche Interessen, Gesundheitsschutz und Lebensqualität miteinander verbinden lassen. (PF)