Demografie und Rentenniveau

Reform der Rente: Diese vier Baustellen gibt es

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Rentner-Runde: Für einen Teil der Bezüge der Ruheständler kommen nachfolgende Generationen auf.
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Am deutschen Rentensystem gibt es einiges zu verbessern, finden Experten. Bei einer Reform wäre jedoch allerhand zu bedenken.

Berlin – Deutschland verrennt sich bei der Rente. Das ist keine neue Feststellung. Aber weil noch immer keine einschneidende Reform verabschiedet wurde, wird von Experten immer lauter darauf hingewiesen, dass das jetzige Rentensystem keine Zukunft hat.

Rentenreform: Experten empfehlen „Bündelung verschiedener Optionen“ mit vier Zielen

An Verbesserungspotenzial mangelt es nicht. Das hat auch die Ampel-Regierung erkannt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nennt derweil „eine Kombination mehrerer Reformmaßnahmen“ in seinem Jahresgutachten 2023/24 „unverzichtbar“.

Es gehe um eine langfristig orientierte Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Diese müsse vier Ziele erreichen: die Finanzierung der GRV zu stabilisieren, die Konsequenzen der demografischen Alterung zielgenau zu adressieren, die Lasten zwischen zukünftigen Rentenbeziehern und Beitragszahlern fairer zu verteilen und soziale Härten zu vermeiden.

Empfohlen wird eine „Bündelung verschiedener Reformoptionen“. Diese würde die Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen, weil die einzelnen Maßnahmen nicht so stark ausfielen.

Video: Rentensystem vor dem Zusammenbruch? Das muss passieren

Deutschland und die Rente: Demografie und fehlende Fachkräfte könnten zum Problem werden

Problematisch wirkt sich insbesondere die demografische Entwicklung in Deutschland aus. Denn die Gesamtbevölkerung wird im Durchschnitt immer älter. Dies hängt einerseits mit der steigenden Lebenserwartung zusammen, andererseits mit der sinkenden Geburtenrate. Die sogenannten Babyboomer aus den geburtenstarken Jahrgängen der späten 1950er und der 1960er gehen gerade oder in den kommenden Jahren in Rente.

Schon jetzt sind viele Stellen unbesetzt, Unternehmen suchen händeringend nach Nachwuchs. Auch, weil es an Fachkräften mangelt. Doch so wirklich will es der Politik nicht gelingen, Experten aus anderen Ländern auf den deutschen Arbeitsmarkt zu locken.

Deutschland und die Demografie: Anteil der Senioren nimmt immer mehr zu

In der Bundesrepublik schlägt sich dieser demografische Wandel im Rentensystem doppelt nieder. Denn wegen des Umlageverfahrens kommen aktuell Erwerbstätige für einen Teil der Rente der Ruheständler auf. Doch weil sich die Waage immer mehr in Richtung der zweiten Gruppe neigt, droht hier ein finanzieller Engpass.

Laut Statistischem Bundesamt entfielen im Jahr 2022 auf 100 Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren etwa 37 Personen im Alter ab 65 Jahren. Dieser Wert lag der Deutschen Rentenversicherung zufolge 2010 noch bei 33,8 und zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung 1990 sogar nur bei 23,9.

Würden die Ausgangswerte nicht verändert werden, wäre für das Jahr 2060 ein Altenquotient von 51,2 zu erwarten. Allerdings wird die Regelaltersgrenze angehoben, die jüngeren Jahrgänge sollen also länger arbeiten gehen. Wer 1964 oder später geboren wurde, wird bis zu seinem 67. Lebensjahr als Erwerbstätiger eingeplant. Dadurch steigt der Altenquotient nicht ganz so schnell und liegt laut der Deutschen Rentenversicherung 2060 bei 44,7.

Die Top 10 der besten Länder für die Rente im Ausland

Der Sandstrand in San Andres (Kolumbien).
Kolumbien hat es auf Platz 10 geschafft – das Land bietet nämlich nicht nur ein tropisches Klima mit Traumstränden und Sonne das ganze Jahr über. Laut „Retirement Index“ hat Kolumbien auch gutes Gesundheitssystem. Für rund 1.000 US-Dollar im Monat kann man in Kolumbien außerdem ein gutbürgerliches Leben in kleineren Städten leben, für 2.000 Dollar in der Hauptstadt Bogota.  © Imago
Blick auf die Insel Kho Mak in Thailand
Dass Thailand für europäische Auswanderer ein Paradies ist, ist schon lange bekannt. Für Rentner lohnt es sich aber ganz besonders, weil es für Menschen ab 50 Jahren Sonderkonditionen für Langzeitvisen gibt. Zudem sind die Immobilienpreise hier besonders attraktiv: Eine Zweizimmerwohnung kann in Thailand für unter 30.000 Dollar erworben werden.  © IMAGO/Fokke Baarssen
Der Hafen von Portofino, Genua in Italien
Wer lieber in Europa bleiben will, sollte sich Italien für die Rente genauer ansehen. Im Süden bleibt das Wetter auch im Winter warm mit Temperaturen um die 20 Grad. Laut „Retirement Index“ liegt Italien außerdem auf Platz 2 der besten Gesundheitssysteme der Welt. Die Lebenshaltungskosten liegen zwar höher als im Rentnerparadies Thailand. Aber für rund 2.500 Euro im Monat halten sich die Kosten auch hier in Grenzen.  © Imago
Étretat in der Normandie (Frankreich)
Solange man sich nicht gerade Paris aussucht, kann man sich als Rentner in Frankreich ein sehr schönes Leben machen. An der Côte d‘Azur ist es auch im Winter warm und sonnig, und für rund 200.000 Euro kann man sich schon ein Häuschen leisten. Das Gesundheitssystem ist ebenfalls sehr gut und günstig - ein normaler Arztbesuch kostet unter 10 Euro.  © Pixabay
Die Insel Santorin in Griechenland
An 250 Tagen im Jahr scheint in Griechenland die Sonne. Kein Wunder also, dass es im „Retirement Index“ auf Platz 7 liegt. Zudem sind die Lebenshaltungskosten niedriger als in Deutschland, da die Griechen durchschnittlich mit unter 20.000 Euro im Jahr auskommen muss.  © Pixabay
Die kleine Stadt Nerja im Süden von Spanien
In Spanien können Rentner für weniger als 2.500 Dollar im Monat ein gutes Leben führen. Vor allem außerhalb der größeren Städte sind die Lebenshaltungskosten niedriger als in Deutschland. Die Essenskultur der Spanier ist ein echtes Highlight - und ein 3-Gänge-Menü kann in der Regel für weniger als 20 Euro geschossen werden. Außerdem ist Spanien eines der sichersten Länder Europas. © IMAGO/Martin Silva Cosentino
Regenwald und Sandstrand in Costa Rica
Wer den Lebensabend in den Tropen verbringen will, könnte sich Costa Rica aussuchen. Im „Retirement Index“ liegt das Land auf Platz 5. Für 3.000 US-Dollar im Monat kann ein Rentner-Paar ein schönes Leben führen, inklusive Wohnung. Wer über mehr Geld verfügt, kann schon fast im Luxus leben. Zudem gibt es wunderschöne Strände und Sonne das ganze Jahr über.  © Victor Bordera/Imago
Der Kratersee Quilotoa in den Anden von Ecuador
Es gibt nur wenige Länder, in denen die Lebenshaltungskosten so niedrig sind wie in Ecuador. Ein Rentner-Paar kann hier für 1.800 Dollar im Monat alles bekommen, was es zum Leben braucht. Kleine Wohnungen an der Pazifikküste gibt es für unter 150.000 Dollar zu kaufen. Neben den Stränden gibt es die Bergkulisse der Anden - es ist also für jeden was dabei.  © Imago
Die Stadt Bocas del Toro in Panama
Auch Panama kann mit niedrigen Lebenshaltungskosten und einem gehobenen Lifestyle bei Rentnern punkten. Für 150.000 Dollar können hier schöne Wohnungen gekauft werden. Zum Leben braucht man rund 1.000 Dollar Rente im Monat - in Deutschland gilt man mit dem Einkommen als armutsgefährdet, in Panama lebt man im Luxus. Es gibt auch ein Rentner-Visum, das relativ problemlos zu bekommen ist.  © Imago
Die Stadt Puerto Escondido an der Küste von Mexiko
Auf Platz 2 im „Retirement Index“ steht Mexiko. Rentner können hier für rund 800 US-Dollar im Monat ein entspanntes Leben führen, mehr braucht es nicht. Das Land hat außerdem ein modernes Gesundheitssystem, Arztbesuche kosten zwischen 300 und 800 Dollar im Jahr. Mit einem Kurzzeitvisum kann man vier Jahre lang in dem Land leben - muss das Visum aber jährlich aktualisieren.  © Imago
Spätsommer an der portugiesischen Algarve zwischen Portimao und dem Cabo de Sao Vicente / Die herrliche Badebucht Praia
Das beste Land für Rentner im Jahr 2023 ist Portugal. Warum? Weil es alle Wünsche erfüllt: Das Klima ist immer genau richtig, die Landschaft atemberaubend schön und es ist eines der sichersten Länder der Welt. Das Gesundheitssystem wird von der Weltgesundheitsorganisation auf Platz 12 der besten der Welt gesehen. Ein Ehepaar kommt mit 2.500 Dollar im Monat leicht über die Runden. © IMAGO/Rex Schober

Rente der Babyboomer: Deutsche Rentenversicherung sieht sich Herausforderung gewachsen

Bis 2040 sei wegen des Renteneintritts der Babyboomer dennoch ein deutlicher Anstieg der demografischen Belastung zu erwarten. Allerdings werde dieser „nicht stärker als z.B. zwischen den Jahren 1990 und 2010“.

Die Deutsche Rentenversicherung ist deshalb sicher: „Wir haben vergleichbare Belastungen in der Vergangenheit bereits bewältigt.“ Zugleich wird die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ aus dem Jahr 2020 so zitiert: „Das Umlageverfahren gestaltet die gesetzliche Rentenversicherung durch seine Anpassungsfähigkeit zukunftsfest.“ Was natürlich Ansichtssache ist. Zumal immer mehr Bürger die „Rente mit 63“ nutzen und zeitig in den Ruhestand wechseln wollen.

Fahrt ins Ungewisse: Das deutsche Rentensystem bringt nicht nur Senioren ins Grübeln.

Rentenpläne: Experten schauen auch auf Beamte und Selbständige

Dem Sachverständigenrat schwebt jedenfalls vor, das gesetzliche Renteneintrittsalter an die fernere Lebenserwartung zu koppeln und ist damit auf einer Wellenlänge mit CDU-Chef Friedrich Merz. Dieses sollte kombiniert werden mit „einer neuen Form der ergänzenden, kapitalgedeckten Altersvorsorge“. Ein Experte sah schon zu Jahresbeginn die Rente mit 69 als Zukunftsmodell.

Kritisiert wird der Politik-Plan, das Sicherungsniveau festzuschreiben. Dieser auch als Rentenniveau bekannte Wert ist ein Verhältniswert aus der verfügbaren Standardrente und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt und darf bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Dadurch werde der absehbare Anstieg der Beitragssätze noch verstärkt, befürchtet der Rat. Vielmehr geht es laut den Experten darum, die Lasten zwischen den beiden Gruppen fairer aufzuteilen.

Vorgeschlagen wird auch, Einsparpotenziale bei der Höhe der zusätzlichen betrieblichen Altersversorgung für Beamte zu nutzen und eine restriktivere Verbeamtungspolitik in Deutschland anzustreben. Auch bei Selbständigen wird ein Umdenken empfohlen. Werden diese mit einer Altersvorsorgepflicht einbezogen, könnte „der Sozialstaat bei den Leistungen der Grundsicherung im Alter entlastet und Trittbrettfahrerverhalten vermieden werden“. (mg)

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