VonAmy Walkerschließen
Die Sozialbeiträge in Deutschland könnten in den nächsten Jahren drastisch ansteigen. Eine aktuelle Studie warnt vor einer „Beitragsexplosion“ bei Rente, Krankenkassen und Pflege.
Berlin – Die Sozialbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland könnten in den kommenden Jahren erheblich steigen, warnt eine aktuelle Studie. Laut dieser Prognose könnten die Beiträge für verschiedene Versicherungen bis 2035 insgesamt um 7,5 Punkte auf 48,6 Prozent steigen.
Die Studie, die eine drohende Beitragsexplosion bei Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen aufzeigt, wurde vom Berliner IGES-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit erstellt. Sie basiert auf der aktuellen Entwicklung der Beiträge für diese Versicherungsarten.
Weniger netto vom brutto: Das bedeuten steigende Sozialbeiträge
Die Forscher verwendeten mittlere Werte der Faktoren, die die Beiträge beeinflussen, für ihre Berechnungen. Dazu gehören die Geburtenrate, die Lebenserwartung, Migrationsbewegungen und die Lohnentwicklung. Sie zeigten auch die Abweichungen bei den Beiträgen für jeweils günstigere und ungünstigere Entwicklungen auf.
Was das konkret für den eigenen Geldbeutel bedeuten würde, haben wir hier beispielhaft ausgerechnet:
| Brutto-Gehalt | Netto heute (Steuerklasse 1) | Netto 2035 laut Studie |
|---|---|---|
| 2500 Euro | 1765 Euro | 1659 Euro |
| 3000 Euro | 2051 Euro | 1924 Euro |
| 3500 Euro | 2330 Euro | 2182 Euro |
| 4000 Euro | 2602 Euro | 2433 Euro |
| 5000 Euro | 3125 Euro | 2918 Euro |
| 6000 Euro | 3673 Euro | 3333 Euro |
Achtung: Hier im Beispiel wurde die Steuerklasse 1 für Lohnabzüge verwendet. In anderen Steuerklassen fällt dies teilweise erheblich anders aus.
Krankenkasse, Rente und Pflege: Alles kostet immer mehr Geld
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK, forderte die Politik auf, aktiv zu werden und eine Explosion der Beiträge zu verhindern. Er warnte davor, dass es unrealistisch sei, die Sozialabgaben, entgegen bisheriger politischer Zusagen, auf 40 Prozent zu begrenzen.
Insbesondere in der gesetzlichen Krankenversicherung könnte in den nächsten zehn Jahren ein Anstieg der Beiträge von 16,3 auf 19,3 Prozent drohen. Storm forderte einen Stabilitätspakt für die gesetzliche Krankenversicherung und schlug vor, dass der Bund die Kosten für die Versicherung von Bürgern mit Bürgergeld übernehmen sollte.
Er schlug auch vor, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen an die durchschnittliche Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen zu binden. Dies würde wie eine „dynamische Ausgabendeckelung“ funktionieren, so Storm.
Rentenpaket II der Ampel sieht höhere Beiträge bis 2035 vor
Im Pflegebereich könnte der Beitragssatz bis 2030 um 0,7 Prozentpunkte ansteigen. Die Studie prognostiziert, dass der Beitragssatz in der Arbeitslosenversicherung zunächst von 2,6 Prozent bis 2027 auf 2,5 Prozent sinken wird. Bis 2035 könnte dann ein Anstieg auf 3,0 Prozent erwartet werden.
Unter Berücksichtigung des geplanten Ampel-Rentenpakets könnte in der gesetzlichen Rentenversicherung ein Anstieg der Beiträge von derzeit 18,6 auf 22,3 Prozent bis 2035 zu erwarten sein. (wal mit dpa)
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