VonLisa Mayerhoferschließen
Das deutsche Rentensystem blickt in eine unsichere Zukunft. Die Ampel-Koalition tüftelt derweil an Lösungen. Doch Habecks Berater, Ökonom Eckhard Janeba, pocht auf weiterreichende Reformen.
Berlin – Deutschlands Bevölkerung wird immer älter – und lebt immer länger. Für das Rentensystem wird das in den nächsten Jahren zu einem Finanzierungsproblem führen. Denn wer soll das alles zahlen? Müssen die Menschen, die jetzt erwerbstätig sind, noch mehr Abgaben zahlen als ohnehin schon? Oder müssen sich die Rentner gar mit weniger Geld begnügen?
Das will die Ampel-Koalition nach eigener Aussage verhindern – und arbeitet an einer Reform. Dem Ökonomen Eckhard Janeba geht das aber nicht weit genug. Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bekräftigt in einem Interview mit der Wirtschaftswoche nochmal seine Forderung, das Rentensystem stärker zu reformieren – in dem beispielsweise das Renteneintrittsalter erhöht wird. Dies wird bisher von der Regierung abgelehnt – auch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) selbst.
Janeba: „Die Rentenproblematik wird uns in den 2030er- und 2040er-Jahren massiv einholen“
Wenn der Bundeskanzler Scholz sich scheue, das Renteneintrittsalter anzutasten, müssten aber „dafür andere Stellschrauben gedreht werden“, so Janeba dem Magazin. Der Kanzler spreche aber nicht darüber, welche das sein sollten. Er warnt: „Die Rentenproblematik wird uns in den 2030er- und 2040er-Jahren massiv einholen, weil die Geburtenrate in Deutschland zu gering ist, um das umlagefinanzierte Rentensystem zu stabilisieren.“ Bleibe das System wie bisher, dann müsse der Bund zahlen – „und zwar ordentlich“.
In einem Brief an Habeck hat Janeba gemeinsam mit dem Beirat schon auf diese Problematik hingewiesen. Demnach drohe schon in den 2040er Jahren mehr als die Hälfte des Bundeshaushalts in die Rente zu fließen. Dies sei zu erwarten, wenn die Ampel-Koalition am Ziel festhalte, die gesetzliche Rente dauerhaft auf einem Niveau von 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes aus den Beitragsjahren zu sichern. „Ich beobachte das mit großer Sorge, weil dadurch wichtige Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, die Digitalisierung oder die Bekämpfung des Klimawandels zu kurz kommen werden“, betont der Experte gegenüber der Wirtschaftswoche.
Deshalb spricht er sich für eine Erhöhung des Renteneintrittsalters aus, das an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden soll. Auch die Rente mit 63 sei ein Fehler, „vor allem, weil wir uns jetzt in einer Phase des Fachkräftemangels befinden, der sich durch frühere Renteneintritte weiter verschärft“. So würden laut dem Ökonomen nicht nur Leute ausscheiden, die wegen der Gesundheit oder der Art der Tätigkeit nicht mehr länger arbeiten können, „sondern eben auch viele gut bezahlte Arbeitnehmer mit guten Qualifikationen“. Das sei ein großer Verlust für die Wirtschaft, so Janeba gegenüber der Wirtschaftswoche.
Aktienrente: „Der Plan löst in mir gemischte Gefühle aus“
Die Ampel plant zwar eine Reform der Rente – das zentrale Element ist dabei allerdings der Aufbau eines sogenannten Generationenkapitals, auch Aktienrente genannt. Aus öffentlichen Mitteln soll Stück für Stück ein Kapitalstock für den Aktienmarkt aufgebaut werden, aus dessen Erträgen die Rentenbeiträge und das Rentenniveau stabilisiert werden sollen. Die Regierung will dafür Milliardenbeträge aufwenden. „Der Einstieg in die kapitalgedeckte Rente ist dringend notwendig, sonst werden die Beitragskosten für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber ausufern“, hieß es laut Handelsblatt dazu aus dem Finanzministerium.
Janeba sieht das Vorhaben allerdings kritisch, da es keine schnelle Lösung bietet: „Der Plan löst in mir gemischte Gefühle aus. Nicht wegen der grundsätzlichen Idee, sondern weil es dem Rentensystem akut nicht hilft“, so der Experte dem Magazin. Es brauche Zeit, um so ein Modell aufzubauen. Der Handlungsdruck sei aber „sehr groß“.
Mit Material der dpa
