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Altersvorsorge-Reform gefordert: Über 30 Finanzunternehmen wollen weg von Riester hin zur Frühstart-Rente für Kinder – Starttermin womöglich erst 2027.
Hamm – Die Altersvorsorge in Deutschland braucht frischen Schwung – das fordern jetzt über 30 führende digitale Finanzunternehmen in einem gemeinsamen Appell an die Politik. Mit dabei: Neobanken wie N26 und DKB, Trading-Plattformen wie Scalable Capital und Smartbroker, Fondsanbieter wie BlackRock und Vanguard sowie FinTechs wie growney. Ihre zentrale Forderung: Weg vom bisherigen Riester-System, hin zu modernen und flexiblen Lösungen, die auf dem Kapitalmarkt basieren.
Rente: Deutschland verliert den Anschluss
„Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland bei der Altersvorsorge deutlich zurück“, warnen die Unterzeichner. Während Länder wie Schweden, Großbritannien oder die Schweiz längst erfolgreich kapitalgedeckte Modelle nutzen, hält Deutschland weiterhin am umlagefinanzierten Rentensystem fest. Das aktuelle Rentenniveau liegt bei nur rund 48 Prozent – ganze 14 Prozentpunkte unter dem europäischen Schnitt.
Ein wesentlicher Grund dafür ist laut den Initiatoren das Scheitern der Riester-Rente. Nach über zwei Jahrzehnten bestehen nur etwa 16 Millionen Verträge – ein großer Teil davon inaktiv oder bereits gekündigt. Gleichzeitig steigt das Interesse an privater Geldanlage: Millionen neuer Depots zeigen laut Branche, dass viele Menschen bewusst für später vorsorgen möchten.
Merz-Regierung will mehr Vorsorge: Was ist die Frühstart-Rente?
Die Frühstart-Rente ist ein vom Staat gefördertes Altersvorsorgemodell für Kinder und Jugendliche. Ab dem 1. Januar 2026 zahlt der Staat monatlich 10 Euro in ein privat organisiertes Depot für jedes Kind im Alter von 6 bis 18 Jahren, das eine Schule oder Bildungseinrichtung in Deutschland besucht.
Dieses Depot ist kapitalmarktorientiert. Das Geld wird also etwa in Aktien oder ETFs investiert. Die Erträge bleiben bis zum Rentenbeginn steuerfrei und ein staatlicher Zugriff ist ausgeschlossen. Ab dem 18. Lebensjahr können die jungen Erwachsenen das Depot durch eigene Einzahlungen bis zu einem definierten Maximalbetrag weiterführen.
Frühstart-Rente für Kinder – Finanzbildung inklusive
Die Branche begrüßt die Pläne der Bundesregierung, eine Frühstart-Rente ab sechs Jahren einzuführen und zugleich die Riester-Rente grundlegend zu reformieren.. Beides müsse „zügig und gemeinsam“ umgesetzt werden, fordern die Unterzeichner.
„Wir erleben durch unsere steueroptimierte ETF-Altersvorsorge, dass eine große Nachfrage nach kostengünstigen, flexiblen Lösungen besteht. Die Koalition geht hier in die richtige Richtung“, sagt Thimm Blickensdorf, Geschäftsführer der Geldanlageplattform growney.
Eine Frühstart-Rente könne nicht nur früh Kapitalwachstum fördern, sondern auch zur Verbesserung der Finanzbildung beitragen: Kinder und Jugendliche setzen sich frühzeitig mit dem Thema Geldanlage auseinander. „Die Frühstart-Rente ist ein starker Impuls, um junge Menschen für Investitionen in Wertpapiere zu sensibilisieren“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung, unterzeichnet von Scalable Capital, Smartbroker, Raisin, BlackRock, DKB und Vanguard.
Die Forderungen zur Frühstart-Rente im Überblick
Für die Umsetzung der Frühstart-Rente und der Reform der Riester-Rente stellt die Branche fünf zentrale Forderungen:
- Altersvorsorgedepots statt starrer Verträge: Die Riester-Rente soll durch steuerlich geförderte Depots ergänzt werden. Die Frühstart-Rente soll sich bei Volljährigkeit automatisch in ein solches Depot wandeln.
- Flexibilität statt Garantien: Altersvorsorgeprodukte sollen ohne Kapitalgarantien oder verpflichtende Verrentung auskommen. Das erhöht die Renditechancen.
- Flexible Auszahlung: Die Auszahlungsphase soll frei gestaltbar sein – auch vor dem Renteneintritt und mit Teilentnahmen.
- Familienbeiträge ermöglichen: Eltern und Großeltern sollen in die Frühstart-Rente ihrer Kinder bzw. Enkel einzahlen dürfen.
- Alle Steuerpflichtigen einbeziehen: Der Zugang zu Altersvorsorgedepots soll allen in Deutschland Steuerpflichtigen offenstehen – nicht nur bestimmten Gruppen.
Rentenreform doch erst ab 2027?
Ursprünglich war vorgesehen, die Frühstart-Rente zusammen mit der Aktivrente und der Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes noch im Herbst 2025 vom Bundeskabinett beschließen zu lassen. Inzwischen deutet sich jedoch an: Während Aktivrente und Betriebsrente wie geplant Anfang 2026 starten könnten, könnte die Einführung der Frühstart-Rente laut t-online frühestens 2027 erfolgen.
Aus Kreisen der Union heißt es laut Capital, dass zur konkreten Umsetzung der Frühstart-Rente noch zahlreiche Fragen offen seien. Besonders kritisch werde der notwendige Nachweis des Schulbesuchs gesehen: Es müsse klar geregelt werden, wie der Staat zuverlässig prüfen kann, ob ein Kind tatsächlich eine Schule in Deutschland besucht. Diese Voraussetzung gilt als essenziell, um die Förderberechtigung sicherzustellen und Missbrauch zu verhindern.
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