VonAmy Walkerschließen
Senioren müssen sich auf doppelte Beiträge und wachsende Sozialabgaben einstellen. Allerdings sehen die Krankenkassen noch Wege zur Vermeidung.
Berlin – Die Sozialabgaben werden im kommenden Jahr erneut ansteigen, insbesondere für Gutverdiener, die durch die erhöhte Beitragsbemessungsgrenze weniger Geld am Monatsende zur Verfügung haben werden. Zudem werden die Krankenkassen ihre Beiträge 2025 erhöhen, wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der vergangenen Woche prognostizierte.
Lauterbach geht von höheren Beiträgen zur Krankenkasse und Pflege aus
Lauterbach äußerte sich in der Haushaltsdebatte im Bundestag in der vergangenen Woche: „In der Gesundheitspolitik stehen wir vor einem Herbst der Reformen“. Er erwartet steigende Krankenkassen- und Pflegebeiträge. Der GKV-Spitzenverband rechnet mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Zusatzbeiträge um 0,6 Prozentpunkte und einer Steigerung der Pflegebeiträge um 0,2 Prozent.
Der allgemeine Beitragssatz für die Krankenkasse, der gesetzlich festgelegt ist, beträgt derzeit 14,6 Prozent. Zusätzlich legen die Krankenkassen individuell einen Zusatzbeitrag fest, der 2024 zwischen 0,9 und 3,2 Prozent variiert. Das Gesundheitsministerium legt jedoch eine durchschnittliche Höhe des Zusatzbeitrags fest, die 2024 bei 1,7 Prozent liegt.
Die Techniker Krankenkasse ist laut dem Portal krankenkassen.de die Krankenkasse mit den meisten Versicherten in Deutschland. Der aktuelle Beitragssatz der TK beträgt 15,8 Prozent, wobei 1,2 Prozent auf den Zusatzbeitrag entfallen.
Rentner werden zusätzlich belastet: Doppelte Kassenbeiträge
Die steigenden Beiträge sind besonders für Rentner und Rentnerinnen ein schwerer Schlag. Nicht nur, weil die Rente oft nicht besonders hoch ist, sondern auch, weil Rentner, die mehrere Einkommen haben, doppelte Krankenkassenbeiträge zahlen müssen. Dies wirkt sich wie eine Rentenkürzung aus. Hier ein Überblick zur Veranschaulichung:
| Rente | KV-Beitrag 2024 | KV-Beitrag 2025* | Pflegebeitrag 2024 | Pflegebeitrag 2025* |
|---|---|---|---|---|
| 600 Euro | 97,80 Euro/Monat | 101,40 Euro/Monat | 20,40 Euro/Monat | 21,60 Euro/Monat |
| 1000 Euro | 163,00 Euro/Monat | 169,00 Euro/Monat | 34,00 Euro/Monat | 36,00 Euro/Monat |
| 1200 Euro | 195,60 Euro/Monat | 202,80 Euro/Monat | 40,80 Euro/Monat | 43,20 Euro/Monat |
| 1500 Euro | 244,50 Euro/Monat | 253,50 Euro/Monat | 51,00 Euro/Monat | 54,00 Euro/Monat |
| 1700 Euro | 277,10 Euro/Monat | 287,30 Euro/Monat | 57,80 Euro/Monat | 61,20 Euro/Monat |
*Hier wurden durchschnittliche Werte von 16,9 Prozent (KV) und 3,6 Prozent (PV) verwendet
Von den Krankenkassenbeiträgen zahlen Rentner nur die Hälfte, die andere Hälfte übernimmt die Rentenversicherung. Die Pflege müssen Rentner und Rentnerinnen alleine stemmen. Wer eine monatliche Brutto-Rente von 1200 Euro bezieht, wird 2025 also 144,60 Euro im Monat für Krankenkasse und Pflege aufwenden. Das sind sechs Euro mehr als in diesem Jahr.
Für Rentner mit weiteren Einkünften, wie einer Betriebsrente, ist dies noch bitterer: Sie müssen auch auf diese Rente Sozialabgaben zahlen. Bei Betriebsrenten gilt dies ab einem Freibetrag von 176,75 Euro.
Der Pflegebeitrag für Rentner ohne Kinder oder mit Kindern, die das 23. Lebensjahr bereits vollendet haben, könnte laut Lauterbachs Prognosen von 4,0 auf 4,2 Prozent steigen. Für eine Rentnerin mit einer Bruttorente von 1500 Euro wären das also 63 Euro im Monat, die 2025 fällig würden (statt 54 Euro für eine Rentnerin mit Kind).
Krankenkassen warnen: Beitragserhöhungen könnten noch verhindert werden
Die Krankenkassen sind der Ansicht, dass die Beitragserhöhungen noch abgewendet werden könnten. „Die Bundesregierung hat noch Zeit und die Möglichkeit, im Sinne der Beitragsstabilität zu handeln“, so Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, in einer Pressemitteilung vom 6. September. „Ausreichende Beitragspauschalen für Bürgergeldbeziehende könnten eine Welle der Beitragserhöhungen Anfang des nächsten Jahres verhindern. Damit bekämen wir dann zwar noch keine langfristige Stabilität, aber es würde Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung Luft verschaffen, um gemeinsam an den notwendigen Strukturreformen zu arbeiten. Weiterhin ein ‚Augen zu und durch‘ ist jedenfalls keine Option“, betonte sie.
Laut den Krankenkassen schuldet die Bundesregierung ihnen rund 9,2 Milliarden Euro für Bürgergeld-Empfänger. Der Staat übernimmt die Kosten der Krankenkasse für Bürgergeldbeziehende, allerdings nur mit einem Pauschalbetrag von 120 Euro im Monat. Die Kassen halten dies jedoch für nicht kostendeckend und fordern daher seit Jahren eine Anpassung des Pauschalbetrags.
