Verteidigung und Infrastruktur

Rheinmetall macht aus Bordsteinen Ladestationen für Elektroautos

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Die Verkehrswende stockt in Deutschland. Rheinmetall will mit Ladebordsteinen Abhilfe schaffen. Ein wichtiger Auftraggeber: Die Stadtwerke Düsseldorf.

Düsseldorf – Der größte Rüstungskonzern Deutschlands will ein wesentliches Problem der Verkehrswende lösen. Rheinmetall arbeitet seit Jahren an der Schaffung einer praktischen Ladeinfrastruktur für E-Mobilität – und hat seinen ersten größeren Auftrag bereits in der Tasche. Die Stadtwerke Düsseldorf machen den Anfang mit den innovativen Ladebordsteinen aus dem Hause des Lobbykonzerns. Trotz aller anfänglichen Skepsis zeigen sich Verbraucher und Kunden aber begeistert.

Die Elektromobilität in Deutschland kommt leider nur stockend voran. E-Auto-Modelle seien einerseits zu teuer, auf der anderen Seite wüssten Verbraucher oftmals nicht, wo sie ihre E-Stücke eigentlich laden können. Die Ladeinfrastruktur stellte sich als die Kernherausforderung der Verkehrswende heraus. In zahlreichen Umfragen wurden die fehlende Ladepunkte als Grund gegen den Kauf eines E-Autos aufgeführt. Der Bau von Ladesäulen war also eine wesentliche Prämisse bei der Transformation des Verkehrssektors.

Doch auch wenn diese vorhanden waren, störten sich Verbraucher an etlichen Faktoren: Autofahrer beschwerten sich darüber, dass die Ladepunkte die ohnehin schon reduzierten, urbanen Parkmöglichkeiten weiter eingrenzen würden. Einigen Modelle gaben Stadtbewohnern Grund dafür, sich über Lärmbelästigung zu beschweren. Selbst die Bundesnetzagentur bemängelte die mangelhafte Benutzerfreundlichkeit von Ladesäulenanzeigen und gab Betreibern im Zuge der Debatte die Schuld an der E-Auto-Krise.

Ladebordsteine werden ausgerollt: Stadtwerke Düsseldorf erster großer Auftraggeber

Der größte Rüstungskonzern Deutschlands hat sich mit einer seit 2022 entwickelten Technologie dieses Problems angenommen. Mit Ladebordsteinen für E-Autos möchte Rheinmetall gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wie die Stadtwerke Düsseldorf mitteilten, sind die ersten Modelle bereits in Betrieb genommen worden. Seit 2015 hätten die Stadtwerke kontinuierlich in den Ausbau des Ladenetzes investiert – ganze 4.000 Ladepunkte zählt die Stadt im Ruhrgebiet aktuell. 

Die Ladestationen werden flach in den Bordstein verbaut. Ihre Praxistauglichkeit, Resistenz und Wetterfestigkeit wurde in einem Pilotenprojekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln zuvor erfolgreich getestet. Das System ergänzt die bisherige Infrastruktur ohne zusätzlichen Platzbedarf. „Mit den neuen Ladebordsteinen lässt sich eines der größten Probleme im urbanen Raum lösen: der oft fehlende Platz“, sagte Dr. Charlotte Beissel, Vorständin der Stadtwerke Düsseldorf.

Rheinmetalls Ladebordsteine sind in Düsseldorf im Einsatz.

Umfrage: Ladebordsteine von Rheinmetall überzeugen Verbraucher

Die Wartung der Ladebordsteine erfolgt durch Austausch des Lademoduls innerhalb des Bordsteins. So werde die Einsatzbereitschaft auf bis zu 99 Prozent gesteigert und die Betriebskosten gesenkt, wie es in der Pressemeldung des Konzerns hieß. Und auch Verbraucher zeigen sich begeistert: In einer im Rahmen des Pilotprojektes durchgeführten Befragung erhielt die innovative Ladestation von Rheinmetall durchschnittlich 4,38 von fünf möglichen Punkten. 

Dass Autofahrer sich für das Einstecken in die Ladesäule beugen müssen, störte dabei auch die wenigsten. Sogar über 60-Jährige empfanden die neue Ladelösung der Befragung zufolge positiv. Auch der Kritikpunkt Hygiene sei demnach kein Hindernis beim Nutzen der Stationen, da sich die Klappen leicht ohne den händischen Kontakt zum Boden öffnen lassen. „Lediglich im Bereich der Sichtbarkeit wurde der Bordstein schlechter bewertet“, sagte Felix Stracke, Abteilungsleiter Alternative Mobilität bei Rheinmetall, der Rheinischen Post.

„Zur Hälfte Säulen und Bordsteine“: Düsseldorf plant bis 2026 weiteren Ausbau der Ladebordsteine

Zunächst sind die Stadtwerke Düsseldorf der erste größere Auftraggeber. In diesem Jahr wurden 20 der Ladebordsteine bestellt, sechs seien schon in Derendorf in Betrieb. Doch auf Bordsteine allein wolle man zunächst nicht umschwenken. „Aber es könnte sein, dass wir 2026 je zur Hälfte Säulen und Bordsteine in Düsseldorf einsetzen, um unsere Lade-Infrastruktur auszubauen“, erklärte E-Mobilitätsmanager der Stadtwerke Klaus Schüßler dem Blatt. 

Die Rheinmetall Ladebordsteine seien momentan außerdem noch teurer. Die Stadtwerke zahlen für den Verbau der Ladebordsteine etwa 5.000 Euro – mehr als für klassische Ladesäulen. Durch mehr Aufträge soll auch dieses Problem dann beseitigt werden. Ziel des Rüstungskonzernes ist es, durch „höhere Stückzahlen und gezielte Optimierungen“ die Kosten für Kunden weiter zu senken.

Kritik an Lobbyarbeit: Rheinmetall profitiert durch staatliche Aufträge

Die Rheinmetall AG ist eingetragener Konzern im Lobbyregister des Deutschen Bundestages. Unter dem Punkt Interessen- und Vorhabenbereiche findet sich der Technologiekonzern mitunter für die Bereiche Erneuerbare Energien, Klimaschutz, Verkehrsinfrastruktur, Automobilwirtschaft sowie Rüstungsangelegenheiten und Verteidigung wieder. Cheflobbyist ist seit 2015 Dirk Niebel, Ex-FDP-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Im Aufsichtsrat des Konzerns sitzen zudem Ex-Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU), sowie früherer Vizekanzler Siegmar Gabriel (SPD).

Neben dem Wechsel hochrangiger Politiker in die Chefetagen des Unternehmens sorgten auch Parteispenden und Berichten über Spenden an Abgeordnete des Deutschen Bundestages für Aufsehen. Rheinmetall steht aus Sicht von NGOs für seinen Einfluss auf politische Entscheidungen seit Jahren in der Kritik. Das Rüstungsunternehmen profitiere wegen seiner Lobbyaktivitäten oft von staatlichen Aufträgen. Im vergangenen Jahr stieg der Konzernumsatz auf einen Rekordwert von 9,75 Milliarden Euro, ein 36-prozentiges Plus gegenüber dem Vorjahr.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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