VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Rheinmetall fertigt ab sofort Komponenten für den F-35-Kampfjet. Im Vorfeld hatten sich Kritiker zu Wort gemeldet. Es fließen Milliardensummen.
Weeze – Der Ukraine-Krieg hat bei Rheinmetall ein Umdenken ausgelöst. Das Kerngeschäft aus Artillerie, Panzern und Munition läuft nach wie vor, aber seit einiger Zeit orientiert sich der Konzern auch in Richtung Drohnen, Satelliten und die Luftfahrt. Seit Beginn des Kriegs konnte Rheinmetall eine Erfolgsmeldung nach der anderen machen. Weiter ist bereits die Übernahme eines Volkswagen-Werks in Osnabrück im Bereich des Möglichen. Der deutsche Rüstungs-Riese beteiligt sich außerdem am Bau eines Stealth-Kampfflugzeugs der USA.
„Zeitenwende auf allen Ebenen angekommen“ – Rheinmetall arbeitet mit US-Flugzeugbauern zusammen
Im nordrhein-westfälischen Weeze will Rheinmetall künftig Bauteile für das Kampfflugzeug F-35 Lightning II produzieren. Konkret geht es um Rumpfmittel-Bauteile, deren Produktion noch im Sommer 2025 anlaufen soll. Wie das Land Nordrhein-Westfalen mitteilte, sei in „weniger als eineinhalb Jahren Bauzeit“ eine der „modernsten Fabriken“ in Europa für den militärischen Flugzeugbau entstanden. Der „Stealth-Fighter“ der fünften Generation ist angeblich einer der vielseitigsten und leistungsfähigen Kampfjets der Welt.
„Nordrhein-Westfalen hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen starken Beitrag zur Zeitenwende und damit zur kollektiven Sicherheit Europas zu leisten. Strategische Projekte wie das F-35-Werk in Weeze unterstreichen diesen Anspruch“, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dazu. „Die Zusammenarbeit zwischen Rheinmetall, Northrop Grumman und Lockheed Martin zeigt eindrucksvoll, wie Technologie- und Knowhow-Transfer unter Bündnispartnern im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik gelingt.“
Ähnlich äußerte sich Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG. „Wir haben Wort gehalten und im Rheinmetall-Tempo eine Hightech-Fabrik für das Herzstück des modernsten Kampfjets der Welt errichtet. Dass die Produktion von bis zu 36 Rumpfmittelteilen pro Jahr hier in Kürze starten kann, zeigt, dass die Zeitenwende auf allen Ebenen angekommen ist.“ Papperger zeigte sich auch bei den Genehmigungen zufrieden, diese würden „zumeist innerhalb weniger Wochen erteilt“, erklärte der Rheinmetall-Chef am 1. Juli.
65 Milliarden Dollar pro Jahr – wirtschaftliche Auswirkungen von F-35-Projekt
Das F-35-Programm gilt auch in den Vereinigten Staaten als eines der größten Beschaffungsprojekte in der „Geschichte des Verteidigungsministeriums“, gab die Beratungsgesellschaft AeroDynamic Advisory in einer Analyse an. In fast jedem US-Bundesstaat befänden sich Zulieferer. Weltweit könne Lockheed auf weitere 1.700 Zulieferer bauen. Insgesamt sorge für F-35 für ein jährliches Bilanzplus von 65 Milliarden US-Dollar in der US-Wirtschaft, schätzt Lockheed Martin selbst. Das beinhaltet die 30 Milliarden Dollar für die Produktion und den Zusammenbau bei Lockheed Martin, außerdem die direkten Ausgaben für die Zulieferer.
Diese Aktivitäten wiederum würden ein Netzwerk speisen, eine „indirekte“ Kleinwirtschaft, die wiederum für die Generierung von 35 Milliarden Dollar im Jahr sorge. Dabei gibt es jedoch ein Problem.
F-35 für Deutschland – Rheinmetall-Chef erwartet Nachbestellungen
Oder gar mehrere, wenn man den Gerüchten glauben kann, die im Frühjahr 2025 um den Kampfjet kreisten. Nachdem US-Präsident Trump in einem fragwürdigen Schritt auf Russland zu der Ukraine den Zugang zu wichtigen Geheimdienstinformationen verwehrt hatte, kam im Westen die Sorge auf, dass die USA dasselbe mit Kriegsgerät tun könnten. Was, wenn sich ein Land in der Verteidigung voll auf etwa die F-35 verlässt und jemand von außerhalb die Navigation unbrauchbar macht?
Das Verteidigungsministerium hatte solche Berichte am 21. März dementiert. Es gebe keinen sogenannten „Kill-Switch“. Die Economic Times warnte allerdings, dass China über einen solchen Knopf verfügen könnte, aber dieser sähe anders aus als erwartet. Konkret geht es hier um die chinesische Dominanz bei den seltenen Erden. Diese Rohstoffe kommen in vielen Maschinen in der Verteidigungsindustrie vor, und ohne sie können Produktionsengpässe drohen. Kritisch ist das, weil China bereits damit begonnen hat, die Ausfuhr seltener Erden zu limitieren.
Trotz allem hat sich Deutschland dazu verpflichtet, ab 2026 neue F-35-Jets zu beschaffen. Insgesamt sollen es zunächst 35 Maschinen sein, die den lang gebrauchten Tornado ersetzen sollen. Laut einer Mitteilung der Bundeswehr vom 25. Juni 2025 verläuft die Beschaffung planmäßig – ab 2026 können die Kampfflugzeuge in den USA übernommen werden. Diese sollen am Luftwaffenstandort Büchel (nahe Bonn) eingesetzt werden. Rheinmetall-Chef Papperger zeigte sich zuversichtlich, dass Deutschland noch nachbestellt.
Rubriklistenbild: © Markus van Offern/imago

