US-Kampfjet: Neue F-35 ebenbürtig mit Boeing-Nachfolger? Und halb so kostspielig
VonPatrick Freiwah
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Mit einem milliardenschweren Upgrade plant Produzent Lockheed Martin, den Elite-Kampfjet F-35 auf eine höhere Stufe zu bringen – und so Rivale Boeing auszustechen.
Bethesda/München - Lockheed Martin hebt wirtschaftlich in Zeiten der globalen Aufrüstung ab – und das mit der gefragten, aber auch kostenintensiven F-35 Lightning II. Schon bald modernisiert der Rüstungs- und Technologiekonzern das Kampfflugzeug umfassend.
Das Ziel: Eine generalüberholte F-35 soll zur Brücke in die sechste Generation militärischer Luftfahrt werden. Laut CEO Jim Taiclet sei die Serienproduktion der „aufgeladenen“ F-35 in den USA bereits angelaufen. Die Weiterentwicklung erhält Technologien, die ursprünglich für völlig neue Kampfjets vorgesehen waren – also ein kostensparender Weg in die Zukunft der Luftwaffe.
Die neue F-35 von Lockheed Martin: Von der Lightning zum „Ferrari der Lüfte“
„Wir nehmen sozusagen das Chassis der F-35 und machen sie zum Ferrari“, zitiert The War Zone (TWZ) Firmenchef Taiclet. Was er meint: Die äußere Hülle bleibt, das Innenleben wird mit Hightech aufgerüstet. KI-Autonomie, optimierte Führungs- und Kontrollsysteme sowie die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit bemannten und unbemannten Flugzeugen sollen das Upgrade prägen.
Taiclet spricht von einem Technologiesprung, der 80 Prozent der Fähigkeiten eines echten Jets der sechsten Generation liefern könne – zu etwa 50 Prozent der Kosten.
„Nascar-Upgrade“ für die F-35 dank Milliarden an öffentlichen Geldern
Das klingt zunächst kühn, lässt sich aber begründen: Das Next-Generation-Air-Dominance-Projekt (NGAD), aus dem die neue F-47 hervorgegangen ist, wurde maßgeblich von der US-Regierung finanziert. Auch die aktuelle F-35 ist mit Milliarden US-Dollarn an öffentlichen Geldern entwickelt und gebaut worden.
Da die grundlegenden Entwicklungskosten bereits bezahlt sind, könnten sich der finanzielle Aufwand für das technologische „Zusammenführen“ in Grenzen halten – auch wenn es laut Taiclet „grundlegende Änderungen“ an der Struktur und den Systemen der F-35 bedeutet. Der Lockheed-CEO bezeichnet das Upgrade als „Nascar-Upgrade“ – in Anlehnung an die US-Rennserie, in der früher Serienwagen mit Rennchassis versehen wurden.
Konkurrenz zwischen Lockheed Martin und Boeing: Leiser Rückzug, neue Strategie
Dabei ist der Zeitpunkt des Upgrades ist nicht zufällig gewählt. Vor wenigen Wochen hatte Boeing den Zuschlag für den NGAD-Jet – nun als F-47 bezeichnet – erhalten. Damit ist klar: Der prestigeträchtige Auftrag der US-Regierung für den nächsten Super-Kampfjet geht nicht an Lockheed Martin.
Doch statt dagegen gerichtlich zu protestieren (wie es laut Futurezone.at üblich ist), verfolgt das Unternehmen eine neue Strategie. Nach Angaben von TWZ konzentriert der Hersteller seine Ressourcen stattdessen auf die Weiterentwicklung der bestehenden Modelle F-35 und F-22 – eine clevere Absicherung, sollte die F-47-Entwicklung ins Stocken geraten.
Diese von der US-Luftwaffe zur Verfügung gestellte grafische Darstellung zeigt die Next Generation Air Dominance (NGAD)-Plattform für den Kampfjet F-47. Statt von Lockheed Martin wird das futuristische Jagdflugzeug von Boeing realisiert.
Zwischenschritt zur 6. Kampfjet-Generation: Lockheed drückt aufs Tempo
Lockheed Martin will das neue Upgrade „sehr rasch“ dem US-Verteidigungsministerium zur Prüfung vorlegen. Ob dabei ausschließlich neue F-35-Modelle mit der neuen Technik ausgestattet werden oder auch bereits ausgelieferte Jets nachgerüstet werden können, ist bislang unklar.
Das gilt nicht für die Anschaffungskosten: Die aufgerüstete Variante dürfte dem Bericht zufolge teurer sein als die aktuelle F-35A. Einen offiziellen Preis für die F-47 hat die US-Regierung bisher nicht veröffentlicht – sie soll aber mindestens doppelt so teuer sein wie eine F-35 der aktuellen Generation.
Modernisierung für die F-35: Effizienz statt Neuentwicklung
Der Modernisierungsplan von Lockheed Martin erscheint wirtschaftlich sinnvoll: bestehende Systeme werden aufgewertet und vernetzt, anstatt noch mehr Geld in komplett neue Kampfjets zu stecken. „Wert ist wichtig, vielleicht genauso oder sogar wichtiger als die neueste verfügbare Technologie“, führt CEO Taiclet aus – ein Satz mit Signalwirkung in einer innovationsgetriebenen Branche.
Eurofighter-Kampfjets: Das sind die Wunderwaffen der Lüfte
Dabei ist das Prinzip keineswegs neu: Schon die F-15 wurde mit Technik der fünften Generation aufgerüstet, wie Defense News berichtet. In Europa kommt eine ähnliche Strategie beim Eurofighter Typhoon zur Anwendung: Die Rüstungsindustrie produziert, auch in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, ein modernes Upgrade (“Long Term Evolution/LTE“). (PF)