Wärme des Rheins genutzt

Die größte Wärmepumpe Europas wurde in Mannheim eingeweiht: Revolution für 3500 Haushalte

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In Mannheim ist die bislang größte Fluss-Wärmepumpe Europas in Betrieb gegangen. Experten halten die Technologie für zukunftsweisend.

Mannheim - In Mannheim ist am Mittwoch (11. Oktober) eine neue Flusswärmepumpe offiziell in Betrieb genommen worden. Die Anlage auf dem Gelände des Steinkohlekraftwerks soll künftig 3500 Haushalte mit Fernwärme beliefern. Der Energieversorger MVV spricht von der „aktuell größten Wärmepumpe dieser Art in Europa“.

Für die Ampel-Koalition und die Energieversorger ist die Anlage ein Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Seit dem Start der Debatte um das im September beschlossene Heizungsgesetz sind Wärmepumpen in aller Munde. Die Mannheimer Anlage sprengt die Dimensionen. MVV zufolge hat die Anlage, die eine von vier weiteren vom Bund geförderten ist, 20 Megawatt thermische und sieben Megawatt elektrische Leistung und spart 10.000 Tonnen CO₂ pro Jahr ein. Hergestellt wurde sie von Siemens Energy in Schweden.

Neu eingeweihte Fluss-Wärmepumpe nutzt Wasserwärme des Rheins

Die Funktionsweise ähnelt der eines Kühlschranks, nur dass die Fluss-Wärmepumpe Wärme nutzt, um das Fernheizwasser zu erwärmen. Der Kühlschrank gibt Wärme nach außen ab. Pro Sekunde werden etwa 700 Liter Wasser aus dem Rhein entnommen. Die Temperatur des Flusses reicht aus, um ein flüssiges Kältemittel in der Wärmpumpe zu verdampfen.

In Mannheim ist eine riesige Fluss-Wärmepumpe in Betreib gegangen.

Der Dampf wird anschließend mit einem strombetriebenen Verdichter komprimiert. Mit steigendem Druck erhöht sich die Temperatur auf 83 bis 99 Grad Celsius. Das Kühlmittel kondensiert. Durch die entstandene Hitze wird Wasser in einem weiteren Kreislauf erwärmt. Dieses gelangt dann über Rohre des Fernwärmenetzes zu den Haushalten.

Fluss-Wärmepumpen haben in Klimawende großes Potenzial

Die Technologie besitzt Experten zufolge großes Potenzial. „Wir gehen davon aus, dass Flusswärmepumpen und auch andere Großwärmepumpen bis zu zwei Drittel der Wärmeversorgung unserer Fernwärme in Deutschland in Zukunft decken werden können“, sagte Martin Pehnt vom Institut für Umwelt- und Energieforschung Heidelberg dem ZDF.

Kritik, Flüsse könnten durch die Rückführung von kühlem Wasser an Temperatur verlieren, wies er zurück. „Wir reden da über Abkühlung unter einem Grad Celsius - und sie ist auch in Zeiten des Klimawandels und der industriellen Abwärme, die eingespeist wird, gar nicht unwillkommen“, sagte Pehnt. (mt)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Uwe Anspach

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