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Stefan Kriegerschließen
Die Riester-Rente löste in der Rentenvorsorge vor einigen Jahren einen regelrechten Boom aus. Dieses Vorsorgemodell hat tatsächlich einige Vorteile.
Die Bezeichnung „Riester-Rente“ geht auf Walter Riester zurück, der von 1998 bis 2002 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung war. Riester hatte in seiner Amtszeit die Förderung der freiwilligen Altersvorsorge durch eine Altersvorsorgezulage vorgeschlagen. Es lässt sich mit diesem Modell in einigen Fällen tatsächlich einen hohen Mehrwert in der eigenen finanziellen Wirtschaft erzeugen.
Riester-Rente: Staat unterstützt Sparer mit Zulagen und Steuervorteilen
Anlass für diesen Vorstoß zum Rentenvorsorgemodell via Riester, war die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung in den Jahren 2000/2001. Bei dieser Umgestaltung war das Nettorentenniveau des Eckrentners, eines typischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, der 45 Jahre lang Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt hat, von 70 % auf 67 % reduziert worden. Dies geschah, damit die Rentenversicherung auch noch für jüngere Generationen bezahlbar ist.
Es wird empfohlen, die durch die Absenkung entstehende Versorgungslücke mit einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge auszugleichen. Um Verbraucher zum Abschluss einer entsprechenden Vorsorge zu motivieren, unterstützt der Staat seit mehr als 20 Jahren Vorsorgesparer mit einer Riester-Rente auf zwei verschiedenen Wegen: Zulagen und Steuervorteile. Abhängig von der Zulagenhöhe und Ihrem Einkommen können Sie auch schon mit kleinen monatlichen Beiträgen Ihr finanzielles Polster für Ihren Ruhestand aufbauen.
Die Riester-Rente als private Altersvorsorge: Für wen kommt sie in Frage?
Im Prinzip eignet sich die Riester-Rente aufgrund der Zulagen für jede Person. Da Familien mit Kindern durch die Kinderzulagen zusätzlich unterstützt werden, lohnt sich diese Art der privaten Altersvorsorge vor allem für sie und auch für Alleinerziehende. Besserverdiener können sich über die Steuervorteile eine Förderung des Staates sichern. Geringverdiener profitieren davon, dass sie die Zulagen schon mit einem geringen Beitrag erhalten können.
Wichtig ist eine gute Beratung. Die perfekte Riester-Rente gibt es nicht von der Stange. Eine individuelle Beratung zu der Rentenversicherung mit staatlicher Unterstützung ist daher wichtig. Außerdem sollte man vorab prüfen, ob am förderberechtigt ist und die Riester-Rente in vollem Umfang ausschöpfen kann.
Förderberechtigt sind grundsätzlich:
- Arbeitnehmer, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende und Studierende mit einem rentenversicherungspflichtigen Minijob
- Pflichtversicherte Selbstständige
- Beamte, Soldaten, Richter
- Bezieher von ALG I oder II oder Krankengeld
- Erwerbsgeminderte, erwerbsunfähige und dienstunfähige Personen
Welchen Vorteil hat die Riester-Rente?
Die Riester-Rente bietet erhebliche Vorteile für Familien. Neben der jährlichen Grundzulage von 175 Euro erhalten Eltern für jedes vor 2008 geborene Kind 185 Euro und für später geborene Kinder 300 Euro jährlich. Die Zulage wird so lange bezahlt, wie ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Zusätzlich können Berufseinsteiger unter 25 Jahren einen einmaligen Bonus von 200 € erhalten. Diese staatlichen Zulagen reduzieren effektiv den Eigenbeitrag zur Altersvorsorge und machen die Riester-Rente besonders attraktiv für junge Familien.
Ein weiterer Vorteil ist die steuerliche Förderung. Beiträge zur Riester-Rente können bis zu 2.100 Euro jährlich als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Ebenso ermöglicht der Wohn-Riester die Nutzung des angesparten Kapitals für den Erwerb oder Bau einer selbst genutzten Immobilie sowie für energetische Sanierungen oder barrierefreie Umbauten. Dies unterstützt nicht nur die Altersvorsorge, sondern fördert auch das mietfreie Wohnen im Alter.
Wie hoch ist der Beitrag zur Riester-Rente?
Die Höhe des Beitrags zur Riester-Rente richtet sich nach dem rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommen des Vorjahres. Um die volle staatliche Förderung zu erhalten, müssen jährlich 4 % dieses Einkommens eingezahlt werden, maximal jedoch 2.100 €. Von diesem Betrag werden die staatlichen Zulagen abgezogen. Der verbleibende Betrag ist der individuelle Mindesteigenbeitrag, der für die volle Förderung erforderlich ist. Unabhängig davon beträgt der Sockelbeitrag mindestens 60 Euro pro Jahr, um überhaupt eine Förderung zu erhalten.
Bei einem Vorjahreseinkommen von 30.000 Euro etwa ergibt sich ein Gesamtbeitrag von 1.200 Euro (4 %). Nach Abzug der Grundzulage von 175 € verbleiben 1.025 € als Mindesteigenbeitrag. Dieser Betrag kann durch weitere Kinderzulagen reduziert werden. Ein praktisches Hilfsmittel zur Berechnung des individuellen Beitrags ist der Riester-Rechner der Deutschen Rentenversicherung.
Ist die Riester-Rente sinnvoll?
Am Konzept der Riester-Rente wird von verschiedenen Seiten Kritik geübt. Dabei bemängeln Kritiker vor allem die hohen Gebühren, die manche Versicherungsgesellschaften verlangen. Auch wird oft angemerkt, die Riester-Rente lohne sich nicht für Geringverdiener und für Personen, die längere Zeiten beschäftigungslos waren, da alle Einkünfte aus der Riester-Rente nach der derzeitigen Rechtslage mit der Grundsicherung im Alter verrechnet werden. Wer es nach 35 Beitragsjahren nicht über 700 Euro Rente schafft, für den sei die Riester-Rente ein Verlustgeschäft.
Durch regelmäßiges Sparen kann man ein privates Vermögen für die private Altersvorsorge aufbauen. Diese private Vorsorge belohnt der Staat, indem er Sparbeiträge mit Zulagen und Steuervorteilen fördert. Die Riester-Rente kann sich 2025 insbesondere für Familien mit mehreren kindergeldberechtigten Kindern oder Alleinerziehende mit geringem Einkommen lohnen.
In diesen Fällen übersteigen die staatlichen Zulagen oft die eigenen Einzahlungen, was zu einer hohen Förderquote führt. Für andere Personengruppen, wie kinderlose Singles oder Gutverdiener, ist die Riester-Rente aufgrund hoher Kosten und niedriger Renditen weniger attraktiv. In solchen Fällen können alternative Altersvorsorgeprodukte, wie ETF-Sparpläne, sinnvoller sein. (lu)
Rubriklistenbild: © Andrea Warnecke/dpa

