In Putins Hand: Warum westliche Banken nicht aus Russland wegkommen
VonMarcus Giebel
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Noch immer sind einige westliche Banken in Russland aktiv. Aktuelle Beispiele zeigen, wie schwierig es fällt, die Geschäfte abzuwickeln.
Moskau – Russland den Rücken zu kehren, soll teuer werden. So will es Wladimir Putin. Deshalb erschwert der Kreml-Chef westlichen Unternehmen den Verkauf der Geschäfte in seinem Reich, um den Rückzug antreten zu können. Die seit einiger Zeit geltenden Vorgaben umfassen nicht nur eine Genehmigung Putins, sobald die Verkaufssumme über 50 Milliarden Rubel liegt. Obendrein muss der Verkaufspreis 60 Prozent unter dem Marktwert liegen und eine sogenannte „Ausstiegssteuer“ von 35 Prozent des Marktwertes an den russischen Staatshaushalt geleistet werden.
In dem Artikel wird aufgezeigt, warum Putin die Finanzinstitute nicht gehen lassen will, diese davon aber auch profitieren können. So könnte der 72-Jährige diese westlichen Vermögenswerte als Faustpfand einsetzen, falls die EU die eingefrorenen Reserven der russischen Zentralbank als Sicherheit für einen Kredit an die Ukraine nutzen sollte.
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Bei den Banken würde andererseits infolge von Filialschließungen und Personalabbau der Aufwand massiv sinken. So könnten sie in Russland profitabler wirtschaften als im Westen. Hinzu komme, dass sie von den hohen Zinsen der Zentralbank profitieren, wenn das Geld dort deponiert wird, selbst nur geringe Einlagezinsen bezahlen müssen und wie etwa Unicredit massiv die Gebühren erhöhen.
Unicredit in Russland: Geplante Übernahme von Mailänder Bank platzt überraschend
Im Westen wird das Treiben kritisch beobachtet. Und es bleibt nicht ohne Folgen. Im Sommer zog Unicredit die geplante Übernahme der Mailänder Regionalbank Banco BPM trotz bereits erteilter Genehmigung durch die EU-Kommission zurück. Der Schritt erfolgte offenbar auf Druck aus Rom, denn die italienische Regierung soll Bedenken wegen des Russlands-Geschäfts vorgebracht und die sogenannte „Golden Power“-Regel genutzt haben, die ein Veto erlaubt.
Kurz zuvor hatte Unicredit noch mitgeteilt, dass die Präsenz in Russland keinen Konflikt zu internationalen Positionen darstelle. Alle Gesetze und auch die Rahmen der Sanktionen würden eingehalten. Die Aktivitäten in Russland seien „seit Beginn des Konflikts im Wesentlichen eingestellt und schneller abgewickelt worden als bei allen ähnlichen Unternehmen“. Das Geschäft sei vollständig vom Rest der Gruppe abgetrennt.
Zeichen des Russlands-Geschäfts: In einem Einkaufscenter in Samara stehen Bankautomaten der Raiffeisen Bank International und von Unicredit. (Archivbild)
Raiffeisen in Russland: Verkauf vorerst gescheitert – wohl wegen Putin-Bedenken
Über RBI berichtet die internationale Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Situation vertraute Personen, die Bank sei bei einem weiteren Versuch gescheitert, einen Anteil an ihrem Russland-Geschäft zu verkaufen. Einer der beiden Quellen zufolge hätten russische Beamte den Deal abgelehnt, da befürchtet werde, ein russischer Käufer würde westliche Sanktionen über sich ergehen lassen müssen.
Ein Sprecher der Bank bestätigte demnach: „RBI verhandelt über einen Verkauf der russischen Tochtergesellschaft.“ Allerdings könnte kein Zeitrahmen genannt werden, „da zahlreiche behördliche Genehmigungen erforderlich sind, darunter auch die der russischen Behörden“. Dem Bericht zufolge erhofft sich RBI durch den Verkauf auch, dass Moskau danach einen bislang zurückgehaltenen Milliardengewinn aus dem Geschäft freigeben würde. Eine Rolle dürfte aber auch der zunehmende Druck aus den USA und aus der EU spielen.
ING in Russland: Deal mit Käufer verzögert sich und wird zum Minusgeschäft
Auch die niederländische ING bemüht sich darum, ihr Russland-Geschäft zu beenden. Ende Januar war eine Einigung über den Verkauf an das russische Unternehmen Global Development JSC vermeldet worden. Dabei werde ein Verlust von 700 Millionen Euro nach Steuern erwartet. Doch der Deal verzögert sich. So hieß es Ende September, da der Käufer nicht alle erforderlichen Genehmigungen erhalten habe, sei ein Abschluss anders als ursprünglich geplant im dritten Quartal unrealistisch.
Die Bemühungen sollen fortgesetzt werden. Die finanziellen Auswirkungen werden sich nicht wesentlich ändern. Russland zu verlassen, ist also alles andere als lukrativ. Die Regeln bestimmt Putin. Das bekommen auch die europäischen Banken zu spüren. (Quellen: FAZ, Unicredit, Reuters, ING) (mg)