Putin im Teufelskreis: Russlands Wirtschaft steckt in der Klemme
VonBleranda Shabani
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Putins Wirtschaft steht unter massivem Druck: Kriegsausgaben, Sanktionen und eine Steuererhöhung treiben das Land immer mehr in die Krise.
Moskau – In Russland kriselt es immer mehr. Der Druck vom Westen wird immer größer und setzt auch der russischen Wirtschaft zu. Selbst im Kreml wächst die Sorge. Regierung und Zentralbank räumen inzwischen offen ein, dass die Wachstumszahlen deutlich unter Druck stehen. Besonders drastisch wirkt die Entscheidung, die Mehrwertsteuer anzuheben: ein Schritt, der Bürger wie Unternehmen belastet und zugleich Putins zentrales Wahlversprechen bricht.
Steuererhöhung als Notbremse – Putins Kriegswirtschaft braucht neue Finanzierung
Ab Januar 2026 soll die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent steigen. Zudem fällt die Befreiungsgrenze für kleinere Firmen: Wer mehr als zehn Millionen Rubel Umsatz im Jahr erzielt, muss künftig zahlen. Noch 2024 hatte Putin zugesichert, Steuern bis 2030 nicht anzutasten. Doch die Haushaltslöcher sind riesig – allein bis August summierte sich das Defizit auf umgerechnet 43 Milliarden Euro. Das Geld wird dringend gebraucht, um die Kriegsausgaben zu decken.
Ukraine-Krieg frisst Haushalt
Russland steckt Milliarden in Rüstung und innere Sicherheit. Rund 40 Prozent des gesamten Haushalts, 135 Milliarden Euro, fließen allein in diese Bereiche. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Hinzu kommen die Folgen westlicher Sanktionen, die die Einfuhr moderner Technologien blockieren, sowie die Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Industrieanlagen. Die Rechnung für den Krieg ist damit ungleich höher, als die Moskauer Finanzstatistiken vermuten lassen.
Ölindustrie funktioniert noch – aber mit Einschnitten für Russlands Wirtschaft
Die Ölexporte sind traditionell Russlands Pulsader – und sie verlieren zunehmend an Leben. Seit Beginn der Sanktionen muss Moskau sein Öl mit massiven Rabatten verkaufen, vor allem nach China und Indien. Gleichzeitig legen ukrainische Angriffe große Teile der Raffinerien lahm. Die Folge: Engpässe im Inland, steigende Preise und ein Exportverbot für Benzin und Diesel, das Vizeregierungschef Alexander Nowak unlängst verlängerte. Selbst auf der Krim sah sich Gouverneur Sergej Aksjonow genötigt, die Bevölkerung per Video zu beruhigen.
Russische Autobranche leidet – und aus der Banken-Branche kommt eine Warnung
Während die Rüstungsindustrie boomt, leidet die zivile Wirtschaft. Die Autohersteller melden sinkende Verkäufe, im Wohnungsbau herrscht Stillstand, weil staatlich geförderte Hypothekenkredite weggefallen sind. Einzelhandel und Verbraucher spüren die Steuererhöhung besonders hart. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina sprach jüngst von „schwierigen Situationen“ in Sektoren wie Stahl, Kohle und Öl.
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Es ergibt sich das Bild einer Wirtschaft, die längst nicht mehr nur unter temporären Belastungen leidet, sondern in eine Phase technischer Stagnation geraten ist. Wachstum, das faktisch zum Stillstand tendiert. So warnen laut Euronews etwa russische Wirtschaftsvertreter wie German Gref, Chef der Sberbank, davor, dass die Wirtschaft bereits im zweiten Quartal 2025 an ihre Grenzen stößt.
Russland-Sanktionen nagen an Einnahmequellen
Putins Regierung sitzt damit in einer Zwickmühle. Einerseits zwingt der Krieg zu immer neuen Ausgaben, andererseits beeinträchtigen Sanktionen und Produktionsprobleme die wichtigsten Einnahmequellen. Kurzfristig hält die Rüstungsindustrie das Wachstum stabil, doch genau darin liegt ein weiteres Risiko: Ein Ende des Krieges würde zwar den Druck auf Öl- und Gasexporte mindern, zugleich aber die Rüstungsaufträge wegbrechen lassen. Ohne Kriegsgeschäft droht der Absturz, mit Krieg wächst das Defizit. Der Teufelskreis könnte sich so bald noch enger schließen. Mit Material der dpa.