Verbände warnen eindringlich

„Scheitern mit Ansage“: Offshore-Windkraftflächen bleiben ohne Käufer

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Offshore-Windflächen als Ladenhüter: Kein einziger Investor hat bei der aktuellen Auktion ein Angebot abgegeben. Verbände warnen und fordern grundlegende Reformen.

Berlin – Ohne Gebot ist die Auktions-Frist für zwei Offshore-Windflächen in der deutschen Nordsee am 1. August abgelaufen; kein einziger Investor hat sich als Bieter für die Flächen mit einer Kapazität von 2,5 Gigawatt gemeldet. Nun warnt der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) vor ernsthaften Folgen und fordert die Bundesregierung „schnellstmöglich und konsequent“ zu einer grundlegenden Reform des Auktionsdesigns auf. Das Wirtschaftsministerium nimmt Stellung.

Offshore-Windflächen als Ladenhüter: Kein einziger Investor hat bei der aktuellen Auktion ein Gebot eingereicht. Verbände warnen und fordern grundlegende Reformen.

Noch vor zwei Jahren gab es noch neun Akteure und Milliardengebote bei der Versteigerung der Windparks in der Nordsee, insgesamt gab es Erlöse von fast 13 Milliarden Euro. Die diesjährige Auktion ging am 1. August ohne Ergebnis aus, kein einziger Investor legte ein Angebot vor, teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch (6. August) mit. Ein Novum, Verbände sprechen von einem „alarmierenden Signal“.

Die Investitions-Rahmenbedingungen für den Offshore-Windmarkt sind toxisch.

Stefan Thimm, BWO

„Scheitern mit Ansage“: Windpark-Auktion endet ohne ein Gebot – Verbände warnen

Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie Offshore erklärte am Donnerstag (7. August): „Die Investitions-Rahmenbedingungen sind toxisch“, das Ergebnis davon eine „Katastrophe“. Gesetzliche Vorgaben muteten den Investoren in Deutschland zu hohe und unkalkulierbare Risiken wie etwa schwankende Strompreise und steigende Kosten zu, daran sei das geltende Auktionsdesign schuld.

„Wir brauchen Ausschreibungen, die auf zweiseitige CfDs setzen – parallel zur bisherigen Refinanzierung über langfristige Stromabnahmeverträge“, so der BWO-Geschäftsführer. Das derzeitige Modell sei „ein Scheitern mit Ansage“, denn man habe das Problem bereits 2020 unter Angela Merkels Energieminister Altmaier (CDU) thematisiert. Es müssten nun endlich Stellschrauben so gedreht werden, dass Investoren nachhaltiges Interesse entwickeln könnten.

14 Jobs, die fast niemand machen will, obwohl sie gut bezahlt sind

Flugzeugenteiser als Job
Flugzeugenteiser: Flugzeugenteiser arbeiten in den Wintermonaten auf Flughäfen und sind dafür verantwortlich, Flugzeuge von Eis und Schnee zu befreien. Die Arbeit ist oft stressig und erfordert das Arbeiten unter extrem kalten Bedingungen. Das Gehalt ist jedoch attraktiv und liegt je nach Erfahrung zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft: Diese Fachkräfte sind für die Räumung von Wohnungen, Häusern oder anderen Immobilien verantwortlich, oft nach Todesfällen, Zwangsräumungen oder wenn Menschen unter extremen Messie-Bedingungen gelebt haben. Die Arbeit kann emotional und physisch belastend sein, da sie oft in sehr unhygienischen Umgebungen durchgeführt wird. Das Gehalt kann zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Kanalarbeiter als Job
Kanalarbeiter: Kanalarbeiter sind für die Wartung und Reparatur von Abwassersystemen verantwortlich, oft in engen, dunklen und schmutzigen Umgebungen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und mit starkem Schmutz und unangenehmen Gerüchen verbunden. Dennoch können erfahrene Kanalarbeiter ein Gehalt von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr erwarten. © Shotshop/Imago
Forensischer Entomologe
Forensischer Entomologe: Forensische Entomologen untersuchen Insekten und deren Entwicklungsstadien an Verbrechensorten, um Todeszeitpunkte und andere Details zu ermitteln. Die Arbeit kann extrem unangenehm sein, da sie oft den direkten Umgang mit verwesenden Körpern erfordert. Das Gehalt liegt in der Regel zwischen 50.000 bis 90.000 Euro pro Jahr.  © Imago
Weltkriegsmunition-Entschärfer
Weltkriegsmunition-Entschärfer: Diese Spezialisten sind für die Entschärfung von Blindgängern und alter Kriegsmunition zuständig, eine extrem gefährliche Arbeit, die höchste Konzentration und Sorgfalt erfordert. Das hohe Risiko wird jedoch durch eine sehr gute Bezahlung kompensiert. Je nach Einsatzort und Gefährlichkeit können die Verdienste zwischen 60.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen.  © Imago
Schädlingsbekämpfer entfernt Hornissen-Nest
Schädlingsbekämpfer: Schädlingsbekämpfer beseitigen Insekten, Nagetiere und andere Schädlinge aus Gebäuden und öffentlichen Bereichen. Die Arbeit ist oft unangenehm, da sie in engen, schmutzigen und manchmal gefährlichen Umgebungen durchgeführt wird. Die Bezahlung ist jedoch gut und kann zwischen 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr betragen. © Imago
Schlachter als Job
Fleischzerleger/Schlachter: Fleischzerleger und Schlachter arbeiten in Schlachthöfen und verarbeiten Tierkörper, was physisch und emotional belastend sein kann. Die Arbeit erfordert Kraft und Geschicklichkeit, und viele Menschen empfinden den Umgang mit toten Tieren als unangenehm. Dennoch können die Verdienste zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Bergarbeiter im Kohlebergbau
Bergarbeiter im Kohlebergbau: Bergarbeiter arbeiten unter der Erde im Kohlebergbau, was körperlich extrem anstrengend und gefährlich ist. Die Arbeit erfordert oft lange Schichten in einer gefährlichen Umgebung. Das Gehalt ist hoch, insbesondere in Regionen mit aktiver Kohleförderung, und liegt zwischen 45.000 bis 80.000 Euro pro Jahr. © Imago
Taucher für Unterwasserarbeiten
Taucher für Unterwasserarbeiten: Diese Taucher führen Arbeiten wie Reparaturen und Inspektionen unter Wasser durch, oft in trüben oder gefährlichen Gewässern. Die körperliche Belastung und die potenziellen Gefahren machen diesen Beruf unattraktiv, aber die Bezahlung ist hoch, insbesondere bei riskanten Einsätzen. Das Gehalt kann zwischen 50.000 bis 100.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Leichenbestatter als Job
Leichenbestatter: Leichenbestatter sind für die Vorbereitung und Durchführung von Bestattungen verantwortlich, was den ständigen Umgang mit dem Tod und trauernden Angehörigen bedeutet. Die Arbeit kann emotional belastend sein, bietet jedoch auch Stabilität und ein gutes Einkommen. Je nach Region und Erfahrung können Leichenbestatter 40.000 bis 65.000 Euro pro Jahr verdienen. © Imago
Klärwerkstechniker als Job
Klärwerkstechniker: Klärwerkstechniker überwachen und warten die Prozesse in Kläranlagen, wo sie ständig mit Abwasser und unangenehmen Gerüchen konfrontiert sind. Die Arbeit erfordert technisches Wissen und die Bereitschaft, in einer unattraktiven Umgebung zu arbeiten. Das Gehalt liegt im Bereich von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr. © Imago
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen: Diese Spezialisten führen technische Messarbeiten auf abgelegenen Ölplattformen durch, oft unter extremen Wetterbedingungen. Die Arbeit ist gefährlich und erfordert lange Abwesenheiten von zu Hause, was sie unattraktiv macht. Dafür wird ein hohes Gehalt gezahlt, das zwischen 70.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen kann. © Marc Morrison/Imago
Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer als Job
Rattenfänger: Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer bekämpfen Ratten und andere Schädlinge in urbanen oder ländlichen Gebieten. Die Arbeit erfordert oft den Einsatz in schmutzigen, unhygienischen Umgebungen, was den Job für viele unattraktiv macht. Das Gehalt kann je nach Erfahrung und Erfolg bei 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr liegen. © Christian Brenneke/Imago
Tatortreiniger als Job
Tatortreiniger: Tatortreiniger sind für die Reinigung von Schauplätzen verantwortlich, an denen Gewaltverbrechen, Unfälle oder Todesfälle stattgefunden haben. Die Arbeit erfordert eine hohe emotionale Belastbarkeit und eine gewisse Distanz zu unangenehmen Szenen. Die Bezahlung variiert je nach Erfahrung und Region, liegt aber oft zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago

„Konkret fordern wir für das Auktionsdesign: Die Bundesregierung muss endlich den Weg für zweiseitige Differenzverträge freimachen“, so Thimm. Diese sogenannten CfDs (Contracts for Difference) genannten Verträge sichern die Strompreise zu beiden Seiten ab: Einerseits für Investoren, die Angebote auf der Grundlage ihrer Kosten abgeben, andererseits für Verbraucher und Verbraucherinnen, die von der Garantie maximaler Energiekosten profitieren. Es erfolgt also von Seite des Staates ein Ausgleich von Strompreisen unter dem vertraglich vereinbarten Satz, während darüber liegende Strompreise umgekehrt abgeschöpft werden können.

Investoren sind also gegen niedrige Strompreise abgesichert, und gleichzeitig Stromverbrauchende gegen hohe Energiepreise.

„Rückgrat der Energiewende“: Verbände fordern neues Auktionsmodell für Investoren

Solche CfDs könnten zu um bis zu 30 Prozent günstigere Strompreise führen, berichtet Thimm – und verweist auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Diese Verträge seien Grundlage für wettbewerbsfähige Strompreise: „Ohne diese Reform könnten weitere Ausschreibungen scheitern – und mit ihnen die Energiewende“, sagt Thimm.

Offshore‑Windenergie sei ein elementarer Baustein zur Erfüllung der Klimaschutzpflichten und „das Rückgrat der Energiewende“. Darüber hinaus mache sie Deutschland unabhängiger von fossilen Importen und sei elementarer Baustein zur Erfüllung der Klimaschutzpflichten. Sollte man diesen Pflichten nicht nachkommen, drohten Klimaschadensklagen, wie der Internationale Gerichtshof im Juli bestätigt habe.

„Erheblich mehr Risiken“ für Investoren: Experten fordern neue Vertragsmodelle

Auch Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), warnt: Das erstmalige Ausbleiben von Geboten zeige, „dass die Risiken für Offshore-Windpark-Entwickler in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben“. Gründe seien die geopolitischen Spannungen und Lieferkettenengpässe sowie die „zunehmend schwer prognostizierbaren Preis- und Mengenrisiken im Strommarkt“.

Der BDEW fordere daher neben einer umfassenden Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG), den Investitionsrahmen und das Ausschreibungsdesign der Auktionen auf zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) umzustellen. 

„Herausforderndes Marktumfeld“: Wirtschaftsministerium untersucht Gründe für Windflächen-Debakel

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter Katherina Reiche (CDU) erklärte gegenüber IPPEN.MEDIA am Donnerstag (7. August), die Gründe für das aktuelle Ausschreibungsergebnis würden derzeit ausgewertet: „Dazu werden wir auch mit Stakeholdern in den Austausch treten“, so ein Sprecher.

Bundesministerin Reiche habe auf mögliche Faktoren hingewiesen, die eine Rolle spielen könnten – unter anderem auf „das allgemein herausfordernde Marktumfeld für die Offshore-Windenergie“, das in jüngerer Vergangenheit zu vergleichbaren Ergebnissen auch in anderen europäischen Staaten geführt habe. Auch in Dänemark floppte zuletzt die Versteigerung von Offshore-Windparkflächen.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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