Raffinerien im Visier

Schleichender Niedergang für Russlands Wirtschaft: Ukraine macht Putins Energie-Albtraum wahr

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Die Ukraine setzt ihre Drohnenangriffe unerbittlich fort und trifft wichtige Energiequellen für Russlands Wirtschaft. Stromausfälle und Engpässe könnten nur der Anfang sein.

Moskau – Mehr als 200.000 Menschen in den russischen Grenzregionen verblieben ohne Strom nach einem ukrainischen Angriff auf die russische Infrastruktur. Das bestätigte der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram und schrieb, dass das „Strom- und Wärmeversorgungsnetz“ in der regionalen Hauptstadt schwer beschädigt wurde.

Ukraine greift Herz der russischen Energieinfrastruktur an

In Teilen der russischen Stadt Woronesch kam es laut Angaben des Gouverneurs, Alexander Gusew, neben vorübergehenden Stromausfällen zu Heizungsausfällen. Im westlichen Gebiet von Kursk habe die Ukraine in zehn Stadtteilen die Stromversorgung unterbrochen, sagte Gouverneur Alexander Chinschtein. Zuvor hatte Russland einen ähnlichen Angriff verübt und für Stromausfall in der Ukraine gesorgt und sich ukrainische Wärmekraftwerke zum Angriffsziel gemacht.

Drohnenangriffe der Ukraine zielen auf Russlands Energie und Putins Wirtschaft

Längst ist der Ukraine-Krieg zu einem Drohnenkrieg ausgeartet und die Angriffe auf Energiequellen rücken besonders in den Vordergrund der ukrainischen Armee. Vor allem konzentriert sich Kiew auf Ölraffinerien und Anlagen, die wesentlich für den russischen Ölhandel sind und Kremlchef Wladimir Putin massive Einnahmen einbringen.

Drohnenangriffe der Ukraine zielen auf Russlands Energie und Putins Wirtschaft. 

Um klarzustellen: In Raffinerien wird kein Öl direkt hergestellt, das Produkt wird durch den Prozess der Destillation zunächst veredelt. Dieser Schritt ist für die Weiterverarbeitung wichtig, da aus den veredelten Elementen Endprodukte wie Kraftstoffe oder Heizöl hergestellt werden.

Ukraine-Attacken schwächen Ölsektor Russlands – Kapazitäten sinken

Dennoch ist naheliegend, dass die Ukraine durch Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur Putins Wirtschaft langfristig schwächen könnte. Seit mehreren Monaten verübt die ukrainische Armee deshalb einen Drohnenangriff nach dem anderen auf Raffinerien. So hat die Ukraine bereits das dritte Mal die Raffinerie in Saratow angegriffen und dessen Verarbeitungsanlage beschädigt. Mitte September wurde eine Ölraffinerie im Nordwesten Russlands zum Ziel ukrainischer Angriffe. Die Raffinerie von Kirishi produziert mehr als 6 Prozent des gesamten russischen Rohöls, etwa 17,7 Millionen Tonnen pro Jahr, berichtete die Associated Press.

Bis Ende Oktober 2025 hatten ukrainische Drohnen laut Foreign Affairs mehr als die Hälfte der 38 großen russischen Raffinerien mindestens einmal getroffen. Die Angriffe dämpften Russlands Verarbeitungskapazität der Raffinerien. Diese sank von rund 5,4 Millionen Barrel Öl pro Tag im Juli 2025 auf etwa 5 Millionen Barrel pro Tag im September dieses Jahres.

Laut der Moscow Times kann Russland jährlich 327 Millionen Tonnen Öl verarbeiten, das entspricht einer Kapazität von 6,5 Millionen Barrel pro Tag. Die Kapazität der 16 Raffinerien, die im August und September von ukrainischen Drohnen angegriffen wurden, macht 38 Prozent der Gesamtkapazität aus, also 123 Millionen Tonnen pro Jahr. 

Sanktionen tragen auch zur Schwächung der russischen Wirtschaft bei

Die vielen ukrainischen Angriffe auf den russischen Ölsektor führten in einigen russischen Regionen zur Treibstoffknappheit. Tankstellen haben nicht mehr genug Benzin und Diesel und müssen deshalb ihre Türen schließen, an den noch betriebenen Tankstellen bilden sich lange Schlangen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Engpässe und Raffineriekapazitäten im Laufe des Ukraine-Kriegs entwickeln werden. Ebenfalls wird Russlands Resilienz eine Rolle spielen, und wie viel Putin in den Schutz der russischen Energieinfrastruktur investiert. Nach jedem weiteren Schlag könnten sich Russlands Ölraffinerien schwieriger von den Schäden erholen. Auch die sich verschärfenden Sanktionen setzen der Ölindustrie zu, weil sie die Ölausfuhren stark einschränken. Im jüngsten Maßnahmenpaket gegen die russische Wirtschaft hat US-Präsident Donald Trump die Raffinerien Lukoil und Rosneft auf die schwarze Liste gesetzt. (Quellen: DW, Moscow Times, Foreign Affairs) (bohy)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press

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