Lichter gehen aus

Großer deutscher Autozulieferer schließt Standort in wenigen Wochen – „das ist mehr als schlechter Stil“

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Der Autozulieferer Hella schließt einen Standort in Baden-Württemberg. Die Gemeinde hat davon zunächst nur durch eine Immobilienanzeige erfahren.

Nellingen - Aufgrund von hohen Kosten und geringer Auslastung haben in den vergangenen Monaten mehrere große Autozulieferer die Schließung ganzer Standorte beschlossen. Die ZF Friedrichshafen hat das Werk in Gelsenkirchen zum Jahresende 2024 geschlossen, der Standort Eitorf soll bis spätestens Ende 2027 folgen und auch Bosch könnte ganze Standorte in Deutschland schließen. Dass der Beleuchtungsspezialist Hella mit Sitz in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) ähnliche Pläne verfolgt, hat die betroffene Gemeinde zunächst nur durch eine Immobilienanzeige erfahren.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Dass der Autozulieferer Hella seinen Standort in Nellingen (Alb-Donau-Kreis) bei Ulm schließen will, erfuhr der Bürgermeister der Gemeinde in Baden-Württemberg dadurch, dass die Immobilie auf einem Portal zum Verkauf angeboten wurde. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, hatte das Unternehmen vor zwei Jahren noch überlegt, den Standort in Nellingen auszubauen, da rund die Hälfte der Gewerbefläche noch unbebaut war. Jetzt sollen die Lichter aber endgültig ausgehen – und das schon sehr bald.

Hella-Werk in Nellingen auf Immobilienportal zum Verkauf angeboten – „es ärgert mich maßlos“

Der Autozulieferer Hella, der mit rund 38.000 Mitarbeitern zu den größeren Unternehmen der Branche und seit 2021 mehrheitlich zum französischen Forvia-Konzern gehört, hatte vor etwa 40 Jahren ein Elektrofachgeschäft in Nellingen übernommen und ist bis heute an diesem Standort mit einem Werk vertreten. Das soll sich basierend auf der Anzeige auf dem Portal immobilienscout24.de aber bald ändern, da die Gewerbeimmobilie laut dieser ab dem 1. April verfügbar ist. „Das ist mehr als schlechter Stil, es ärgert mich maßlos“, sagte Nellingens Bürgermeister Christoph Jung der Schwäbischen Zeitung.

Gegenüber IPPEN.MEDIA stimmt Hella zu, dass das Vorgehen nicht optimal war. „Hierfür bitten wir um Entschuldigung; dies ist nicht unser Anspruch und unser Stil“, heißt es vom Unternehmen. Das Vorstandsmitglied Stefan van Dalen habe zudem bereits Kontakt mit dem Nellinger Bürgermeister aufgenommen, „um den Vorgang und auch die Notwendigkeit der Betriebsschließung eingehend zu erörtern“. Dabei habe sich van Dalen auch bei Jung für das Vorgehen entschuldigt.

Name HELLA GmbH & Co. KGaA
Gründung 1899
Sitz Lippstadt, Nordrhein-Westfalen
Branche Automobilzulieferer
Mutterkonzern Forvia SE (mehrheitlich, seit 2021)
Mitarbeiter 37.770 (2023)
Umsatz 7,9 Milliarden Euro (2023)
Standorte in Baden-Württemberg Nellingen, Ihringen, Kehl, Wembach, Zell-Atzenbach, Sindelfingen, Böblingen (Sales Office)
Standorte in Bayern Donnersdorf, Unterföhring, Ingolstadt (Sales Office)

Bei dem Hella-Standort in Nellingen handelt es sich um das kleinsten des Konzerns in Deutschland, der unter anderem auch in Sindelfingen ein Werk betreibt. Für die kleine Gemeinde, rund 20 Kilometer von der Großstadt Ulm entfernt, bedeutet die Schließung und der damit einhergehende Verlust von etwa 25 Arbeitsplätzen dennoch ein schwerer Schlag. Zumal, wie bereits erwähnt, bislang davon ausgegangen war, dass der Standort noch wachsen werde. Im vergangenen Jahr hatte auch der Autozulieferer Michelin das Ende zweier Standorte im Südwesten besiegelt.

Belegschaft in Nellingen wurde am 22. Januar von den Plänen des Autozulieferers unterrichtet

Auch wenn Bürgermeister Jung die Pläne von Hella erst über die Immobilienanzeige erfahren hat, wurden die Weichen intern bereits deutlich zuvor gestellt. „Wir sind bereits seit November in grundsätzlichen Gesprächen mit dem Betriebsrat hinsichtlich des Standortes Nellingen“, erklärt der Autozulieferer. Bereits am 18. Dezember sei die Belegschaft unter dem Vorbehalt einer Einigung mit dem Betriebsrat von den Plänen unterrichtet worden; diese Einigung sei am 17. Januar unterzeichnet und die Belegschaft am 22. Januar darüber unterrichtet worden.

Der Autozulieferer Hella bestätigt die Schließung seines Werkes in Nellingen (Baden-Württemberg) zum 31. März. (Foto zeigt ein Werk am Stammsitz in Lippstadt)

Der bereits 1899 gegründete Autozulieferer Hella ist mit seinem Automotive-Segment vor allem für die Herstellung von Komponenten und Systemen für Lichtanlagen bekannt, die sowohl in elektrischen Fahrzeugen als auch in Verbrennern zum Einsatz kommen. Dadurch ist das Traditionsunternehmen auch unmittelbar von der derzeitigen Krise der Automobilindustrie betroffen und hatte bereits Ende September die Umsatz- und Ergebnisziele nach unten korrigiert sowie eine Gewinnwarnung herausgegeben. Ende 2024 hatte auch der Autozulieferer ElringKlinger angekündigt, ein deutsches Werk schließen zu müssen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Achim Duwentäster

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