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Der Standort der ZF Friedrichshafen in Gelsenkirchen steht seit langem auf der Kippe. Nun bestätigte der Konzern die endgültige Schließung zum Jahresende.
Friedrichshafen/Gelsenkirchen - Ende vergangenen Jahres hatte der Autozulieferer ZF Friedrichshafen erklärt, den Standort im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke Ende 2024 schließen zu müssen. Als Grund für die Entscheidung wurden ausbleibende Kundenaufträge für potenzielle Neuansiedlungen genannt. Wie die IG Metall Gelsenkirchen in einer aktuellen Mitteilung schreibt, hatten sich der Konzern und die Gewerkschaft Ende Februar auf eine Machbarkeitsstudie geeinigt, um das Werk des schwäbischen Weltkonzerns auf Schalke doch noch vor der endgültigen Schließung zu bewahren. Von dieser wären rund 200 Mitarbeiter betroffen.
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In einem aktuellen Statement, das BW24 vorliegt, erklärt die ZF Friedrichshafen allerdings, nach intensiven und langwierigen Prüfungen keine Alternative für den Standort Gelsenkirchen gefunden zu haben. „Damit ist klar, dass die Produktion dort zum Jahresende 2024 schließt“, heißt es darin. In Bezug auf die Zukunft der Mitarbeiter habe man aber Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall aufgenommen. Bereits im Januar waren hunderte Mitarbeiter am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen aufgelaufen, um unter anderem gegen die Schließungen der Werke Gelsenkirchen und Eitorf zu protestieren.
ZF Friedrichshafen besiegelt Schließung des Standorts Gelsenkirchen zum Jahresende
In der langen Firmengeschichte war die angekündigte Schließung des Standorts auf Schalke eine regelrechte Zäsur, da die ZF zuvor noch kein Werk komplett schließen musste. Dementsprechend groß war auch die Solidarität der ZF-Mitarbeiter mit der Belegschaft in Gelsenkirchen, letztendlich konnte aber keine Lösung gefunden werden. „Wir haben über einen langen Zeitraum nach Möglichkeiten für die Produktion in Gelsenkirchen gesucht und immer gesagt, dass wir uns betriebswirtschaftlich sinnvollen, wettbewerbsfähigen Lösungen nicht verschließen“, steht in dem Statement. „Leider konnten wir trotz intensiver und langwieriger Prüfung keine Produkte finden, die sich am Standort Gelsenkirchen profitabel herstellen lassen.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Demnach hätten andere ZF-Werke keine Produkte abzugeben, sondern würden selber um Auslastung, Produktion und die Gewinnung von neuen Produkten kämpfen. Zudem würde die Verlagerung von Produktion eine Investition in Maschinen und Kompetenzen notwendig machen, sodass bei Standorten, die ohnehin hohe Kostenstrukturen haben, zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt werde. „Aus diesen Gründen gibt es kein Produkt, das in Gelsenkirchen wettbewerbsfähig abbildbar ist.“ Das Ende des Standorts in Gelsenkirchen ist demnach besiegelt, für das Werk in Eitorf wird derzeit aber noch eine Lösung ohne ZF-Beteiligung gesucht. Ein Investoren-Gespräch für das ZF-Werk war im Januar aber gescheitert.
„Betroffen und wütend“: Betriebsrat kritisiert Schließung des ZF-Werks auf Schalke
Obwohl die ZF Friedrichshafen das Ende der Produktion in Gelsenkirchen zum Jahresende besiegelt hat, fordern die Arbeitnehmervertreter weiterhin eine Zukunft für das Werk. „Dass ZF hunderte Millionen in Standorte im In- und Ausland investiert und für Gelsenkirchen lieber die Schließungskosten als ein Invest in Schalke übernimmt, macht uns sehr betroffen und wütend“, erklärte Ugur Coskun, Betriebsratsvorsitzender von ZF Gelsenkirchen laut einer Mitteilung der IG Metall. Die ZF Friedrichshafen hatte jüngst in neue Werke in den USA und in Indien investiert, während in Deutschland zwei Standorte schließen sollen.
In dem Statement zum Standort Gelsenkirchen erklärt der Stiftungskonzern vom Bodensee allerdings auch, dass es nun um die Zukunft der rund 200 Mitarbeiter gehen würde. „In der Region besteht ein hoher Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften“, heißt es dort. „Etliche größere und kleinere Unternehmen im Umfeld von Gelsenkirchen haben bei uns angefragt, ob wir den Kontakt zu unserer Belegschaft herstellen und unsere Mitarbeiter vermitteln können.“ Zusammengenommen würde diese Nachfrage nach Fachkräften die Zahl der Belegschaft auf Schalke um ein Vielfaches übertreffen.
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