Ukraine-Krieg

Schlupfloch bei Sanktionen: Schweizer Firma verschifft russisches Öl mit Milliarden-Wert

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Viele europäische Reedereien haben sich aus dem Geschäft mit russischem Öl zurückgezogen. Neue Unternehmen fahren jetzt Öl mit Milliarden-Wert über die Weltmeere. Und machen ein lukratives Geschäft.

Genf – Anfang des Jahres 2022 tauchte in Genf die Firma Fractal Shipping auf – und Russland startete seinen Angriff auf die Ukraine. Seitdem hat die diskrete Reederei russisches Erdöl im Wert von drei Milliarden Schweizer Franken (fast 3,1 Milliarden Euro) über die Weltmeere gefahren, berichteten die Schweizer SonntagsZeitung und die norwegische Dagens Næringsliv. Und das trotz der Sanktionen des Westens, zu denen sich auch die Schweiz verpflichtet hat.

Die strengsten Sanktionen greifen seit Ende 2022 und verbieten den Import von russischem Öl in die USA und Europa über den Seeweg. Das Geschäftsmodell von Fractal Shipping ist deswegen: der Transport von russischem Öl nach China, Indien und in den Nahen Osten. Denn das ist immer noch legal, wenn der Ölpreis bei maximal 60 US-Dollar pro Barrel liegt. Mit dem Ölpreisdeckel wolle man „Russlands Einnahmen noch stärker beschneiden und seine Fähigkeit, Krieg in der Ukraine zu führen, einschränken“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Dezember vergangenen Jahres.

Öltanker in China: Lieferungen aus Russland nach China, Indien und den Nahen Osten lohnen sich besonders.

Russland ist auf euopäische Tanker angewiesen

2022 hat Russland 58 Milliarden Dollar mit Erdölexporten auf dem Seeweg eingenommen, ergaben Untersuchungen des finnischen Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA). Russland sei immer noch auf „Tanker angewiesen, die Europäern gehören und von ihnen versichert werden“, teilte das CREA der Schweizer SonntagsZeitung mit.

Zwar haben sich mehrere große europäische Reedereien freiwillig aus dem Russland-Geschäft zurückgezogen. Hier kommen aber die neuen Schifffahrtsunternehmen wie Fractal Shipping ins Spiel. Die Genfer Firma kaufte innerhalb weniger Monate 27 alte Tanker im Wert von insgesamt 550 Millionen Schweizer Franken. Finanziert wurde die Investition von einer „Investorengruppe mit Sitz in Dubai“, sagte Karl Martin Nygaard, einer der Geschäftsführer von Fractal Shipping der norwegischen Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv.

Russisches Öl: Lieferungen nach China, Indien und Co. besonders lukrativ

Geschäftsführer Nygaard machte aus seiner Motivation keinen Hehl: Die Investorengruppe aus Dubai „sah nach der Invasion in der Ukraine eine Chance auf dem Tankermarkt, und wir auch.“ Nygaard weiter: „Dass einige Unternehmen sich in ihren Beziehungen zu Russland selbst sanktionieren, ist deren Problem. Aber nichts verpflichtet andere Reedereien dazu, ihnen zu folgen.“

Sein Geschäftsmodell ist lukrativ: „Eine Fahrt von Saudi-Arabien nach Europa zum Beispiel kostet etwas mehr als 2 Millionen Dollar, während es 10 Millionen Dollar kostet, eine Ladung Öl von Russland nach China transportieren zu lassen“, erklärt ein Schifffahrtsinsider der Schweizer SonntagsZeitung: Mit vier Fahrten habe man einen Tanker finanziert, in einem Jahr die ganze Flotte.

Rubriklistenbild: © Yu Fangping/dpa

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