„Angespannte“ Lage

Seltene Rohstoffe als Druckmittel – so dominiert China den Westen

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Auf dem Weltmarkt herrscht Alarmstimmung. China hat die Ausfuhr bedeutender Rohstoffe beschränkt. Das führt bereits zu Produktionskürzungen.

Peking – Die Weltwirtschaft steht unter Druck: Chinas Exportrestriktionen für Seltenerdmetalle und andere seltene Rohstoffe führen zu erheblichen Schwierigkeiten. Autohersteller weltweit, einschließlich ihrer US-amerikanischen Kollegen, klagen über den Mangel an essenziellen Ressourcen aus China. Produktionsverzögerungen und -ausfälle sind die Folge. Auch deutsche Unternehmen sind stark betroffen.

China-Maßnahmen führen zu „sehr angespannter“ Lage – deutsche Firmen brauchen seltene Erden

Die Exportkontrollen Chinas für seltene Erden verursachen offenbar immer größere wirtschaftliche Probleme. Berichten zufolge müssen erste Unternehmen bereits ihre Produktion drosseln, da essenzielle Komponenten fehlen. Weitere Firmen könnten bald ähnliche Maßnahmen ergreifen. Betroffen sind diverse Industriezweige, darunter die Rüstungsindustrie, Medizintechnik, Elektronik und Automobilhersteller.

Xi Jinping Anfang März in Moskau (Symbolfoto). Auf dem Weltmarkt herrscht Alarmstimmung. China hat die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe beschränkt. Das sorgt bereits für Produktionskürzungen.

Der Hintergrund dieser Entwicklung sind Exportkontrollen, die die chinesische Regierung Anfang April für sieben bedeutende seltene Erden und Seltenerd-Magnete eingeführt hat. Diese Rohstoffe sind in zahlreichen Anwendungen unverzichtbar, etwa in Elektromotoren oder Batteriezellen. Obwohl kein vollständiges Verbot besteht, müssen Käufer Anträge stellen, die China zeitaufwendig prüft und nur selten genehmigt.

Das Handelsblatt zitierte dazu Jens Eskelund, den Präsidenten der europäischen Handelskammer in Peking, der die Lage als „sehr angespannt“ beschrieb. Unternehmen hätten zwar Vorräte angelegt, um Lieferengpässe zu überbrücken, doch diese seien nahezu erschöpft. Erste Firmen müssten nun ihre Produktion reduzieren, weitere könnten bald folgen.

China-Monopol auf seltene Erden – Exportbeschränkungen verschärfen die Lage

China hat bereits zuvor ähnliche Schritte unternommen. Seit Monaten begrenzt das „Reich der Mitte“ strategisch wichtige Rohstoffe, wie Anfang 2023 bei Vorprodukten der Sprengstoffproduktion. Im Februar 2025 beschränkte China die Ausfuhr von Wolfram und weiteren wichtigen Rohstoffen, nachdem zuvor auch Gallium und Antimon betroffen waren.

Für den Westen stellt dies ein großes Problem dar, da China fast 70 Prozent der weltweit benötigten seltenen Erden fördert. Myanmar, Australien und die USA decken den Großteil der restlichen 30 Prozent ab. Zudem führt China fast 90 Prozent der Raffinierungsprozesse durch. Die New York Times berichtete bereits, dass diese Maßnahmen zu extremen Engpässen in westlichen Fabriken, einschließlich der USA und Europa, geführt haben.

Raffinierung befindet sich fest in Chinas Hand – Rest der Welt ist auf Peking angewiesen

Ein kurzer Exkurs: Seltene Erden sind trotz ihres Namens relativ häufig, jedoch selten in abbauwürdigen Mengen zu finden. Zudem erfordert ihre Trennung von anderen Metallen einen komplexen chemischen Prozess.

Diese chemischen Verbindungen zu lösen, erfordert zahlreiche Schritte und starke Chemikalien, die, wie in chinesischen Raffinerien, zu erheblichen Umweltverschmutzungen führen können. China raffiniert nicht nur seinen eigenen Bestand, sondern auch große Teile der Erzeugnisse aus Ländern wie Myanmar oder den USA.

Wofür man seltene Erden braucht – Rüstungsindustrie liegt auf dem Trockenen

Die Autoindustrie ist der größte Abnehmer der Rohstoffe, die China im April mit Handelsbeschränkungen belegt hat. Sie benötigt große Mengen an hitzebeständigen Magneten aus seltenen Erden. Auch die Hersteller von Halbleitern, medizinischen Chemikalien, Robotern, Offshore-Windkraftanlagen und militärischer Hardware sind auf diese Rohstoffe angewiesen.

Das Center for Strategic & International Studies (CSIS) hebt hervor, dass Waffensysteme wie F-35-Kampfflugzeuge, U-Boote der Virginia- und Columbia-Klasse, Tomahawk-Raketen, Radarsysteme und „smarte“ Bomben auf seltene Erden angewiesen sind. Ein F-35-Jet benötigt beispielsweise über 900 Pfund (0,41 Tonnen) Seltenerdmetalle, während ein U-Boot der Virginia-Klasse mehr als die zehnfache Menge benötigt.

Lieferungen „praktisch eingestellt“ – Engpass bei seltenen Erden von langer Hand geplant

Auch deutsche Rüstungskonzerne sind besorgt. „Nur bei TNT ist Europa mittlerweile unabhängig. Aber das ist ein sehr primitiver Sprengstoff“, so ein Manager eines deutschen Rüstungskonzerns gegenüber dem Handelsblatt. Die Situation hat sich verschärft, insbesondere bei der Versorgung mit Germanium, das für Nachtsichtgeräte unerlässlich ist. China hat die Lieferungen „praktisch eingestellt“.

China bereitet sich laut CSIS bereits intensiv auf mögliche Konflikte vor. Die Munitionsproduktion läuft auf Hochtouren, und Peking hat das Tempo beim Erwerb fortschrittlicher Waffensysteme und Ausrüstungen erhöht – fünfmal schneller als die USA: „Während China sich mit einem kriegerischen Mindset vorbereitet, fahren die USA damit fort, unter den Bedingungen der Friedenszeit zu operieren“, so der Thinktank.

Europa im Hintertreffen – China nutzt seltene Rohstoffe als Waffe

Europa hat die Bedeutung dieser Entwicklung unterschätzt. Obwohl der „Critical Raw Materials Act“ auf EU-Ebene existiert, um die Lieferketten für seltene Rohstoffe zu sichern, benötigt die europäische Produktion Jahre, um hochzufahren – Zeit, die China dem Westen nicht gewährt hat.

Scott Eldridge, Chef des kanadischen Unternehmens Military Metals, erklärte gegenüber IPPEN.MEDIA: „Westliche Regierungen und Unternehmen haben die Erkundung von Antimon nicht ausreichend unterstützt – immerhin war China eine zuverlässige Quelle – aber nur einen Handelspartner zu haben, sorgt vorhersehbar für exakt solche Szenarien.“

Laut CSIS hätte die Politik diese Entwicklung vorhersehen müssen. Bereits 2010 nutzte China seinen Rohstoffreichtum als Druckmittel, als es Exportbeschränkungen gegen Japan wegen eines Fischereistreits verhängte. Peking behält sich das Recht vor, kritische Rohstoffe zurückzuhalten, wenn ihre Nutzung im Westen Chinas nationale Sicherheit gefährden könnte – eine unklare Bedingung, die China bei Bedarf auf alle Wirtschaftsbereiche anwenden könnte.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press

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