Exportstopp Seltener Erden

China pariert Trumps Strafzölle – und nimmt US-Industrie ins Visier

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Im Zuge des Zollstreits klemmt China Donald Trump die Rohstoffzufuhr ab: Der Exportstopp für Seltene Erden bringt wichtige US-Industrien in Bedrängnis.

Peking/Washington – Im Handelskonflikt mit Donald Trump hat China eine Gegenmaßnahme ergriffen – mit deftigen Folgen für die USA: Die Volksrepublik hat die Ausfuhr mehrerer Seltener Erden vorübergehend gestoppt und droht, die Versorgung mit diesen entscheidenden mineralischen Rohstoffen dauerhaft zu unterbrechen. Besonders betroffen wären weltweit Automobilhersteller, Luft- und Raumfahrtunternehmen, Halbleiterfirmen und militärische Auftragnehmer – nicht nur aus den USA, sondern auch aus anderen Industrienationen wie Japan und Deutschland.

Chinas Exportstopp von Seltenen Erden soll die USA hart treffen – hat aber auch Folgen für Europa

Dabei kommt Chinas Maßnahme zu einem brisanten Zeitpunkt: Am Dienstag (15. April) hat US-Präsident Donald Trump eine Untersuchung gemäß dem Trade Expansion Act von 1962 in Auftrag gegeben – mit dem Ziel, mögliche Zölle auf alle US-Importe kritischer Mineralien zu prüfen. Damit will die Regierung die nationale Sicherheit im Hinblick auf die starke Abhängigkeit der USA von ausländischen Lieferungen bewerten. Neben Seltenen Erden sollen in den kommenden 180 Tagen auch die Einfuhren von Mineralien wie Kobalt, Nickel und Uran untersucht werden, wie das US-Handelsministerium mitteilte.

In China verläuft die Umsetzung des Exportstopps bisher noch uneinheitlich: In einigen chinesischen Häfen werden Exporte bereits bei geringsten Spuren schwerer Elemente blockiert, während andere Häfen die Ausfuhr erlauben, sofern Prüfberichte das Fehlen solcher Bestandteile bestätigen. Diese Unsicherheit sorgt weltweit für erhebliche Verunsicherung bei Unternehmen. China plant langfristig ein offizielles Lizenzierungsverfahren, in dem Unternehmen eine Genehmigung für den Import Seltener Erden beantragen müssen. Experten von Bloomberg erwarten, dass es bis zu 45 Tage dauern könnte, bis Unternehmen eine solche Lizenz erhalten.

Donald Trump verschärft die Gangart gegenüber China weiter – doch die Volksrepublik kontert scharf.

Noch unklar ist, welche Bedingungen für den Erwerb der Lizenz gelten sollen. Als Reaktion auf die von Donald Trump am 2. April eingeführten Strafzölle von 145 Prozent kündigte Chinas Zollministerium an, man werde „bis zum Ende kämpfen“. Bereits am 4. April ordnete die chinesische Regierung als Vergeltungsmaßnahme den Exportstopp mehrerer schwerer Seltener Erden an. Konkret umfasst der Stopp sechs der insgesamt 17 Seltenen Erden.

Strategisch wertvoll und schwer ersetzbar: Schwere Seltene Erden als Chinas geopolitisches Druckmittel

Diese werden aufgrund ihrer höheren Ordnungszahl als „schwere“ Seltene Erden bezeichnet und kommen vor allem in Südchina und Myanmar vor, aber auch potenziell in Vietnam, Australien, Brasilien und sogar Europa. Auch deshalb richtet Trump seinen Blick hartnäckig auf Grönland und die Ukraine. Laut US-Innenministerium liegen die Rohstoffe oft nur in geringer Konzentration vor, was die Trennung der Elemente und ihre Gewinnung besonders aufwendig und umweltschädlich macht. Selbst wenn in diesen Ländern eine Abbauinfrastruktur vorhanden ist, fehlt oft die Möglichkeit zur Weiterverarbeitung, insbesondere zur Herstellung leistungsstarker Seltenerdmagnete. Diese bestehen aus Legierungen Seltener Erden und erzeugen starke magnetische Felder.

Experten des US-Innenministeriums schätzen, dass China zwischen 95 und 99 Prozent des Weltmarkts kontrolliert und jährlich etwa 200.000 Tonnen produziert. Der US-Elektroauto-Pionier Tesla gehört laut New York Times zu den Hauptabnehmern dieser Materialien, die für Elektromotoren benötigt werden – ebenso wie der chinesische Konkurrent BYD.

Militärische Schwachstelle der USA: Abhängigkeit bei Verarbeitung und Magnetproduktion

Auch in der zivilen Hochtechnologie sind Seltenerdmagnete unverzichtbar: Der US-Chiphersteller Nvidia verwendet beispielsweise Dysprosium für seine Hochleistungsprozessoren. Ein Engpass könnte weitreichende Folgen für KI-Anwendungen, Rechenzentren und Cloud-Dienste haben. Auch Apple ist bei der Herstellung seiner Smartphones auf Seltenerdmagnete angewiesen, etwa für Lautsprecher, Vibrationsmotoren und kabellose Ladefunktionen.

Der sensibelste Bereich bleibt jedoch das Militär: Aufgrund ihrer extremen Magnetkraft, hohen Temperaturbeständigkeit und Kompatibilität mit empfindlicher Elektronik sind Seltenerdmagnete essenziell für moderne Rüstungstechnologien, etwa in Drohnen, Robotik, Satelliten, Raumfahrt- oder Bodenwaffensystemen. Der US-Kampfjet F-35 enthält laut US-Militärangaben etwa 400 Kilogramm an Seltenen Erden und daraus produzierten Magneten. In Reaktion auf Chinas Schritte sowie Trumps geplanten Importzöllen auf kritische Mineralien äußerten zahlreiche Branchenexperten deutliche Kritik am Vorgehen der US-Regierung: Mark Smith, CEO des US-amerikanischen Bergbauunternehmens NioCorp, erklärte gegenüber Fox: „Es gibt kein einziges unserer Kampfflugzeuge in der US-Luftwaffe, das nicht in mehrfacher Hinsicht auf Seltene Erden angewiesen ist, insbesondere in Magneten.“

US-Handelsministerium sorgt sich um Nachschub von Seltenen Erden: „Zukünftige Lieferkette stillgelegt“

Obwohl die USA mit der Mountain-Pass-Mine in der kalifornischen Wüste nahe der Grenze zu Nevada über den einzigen aktiven Abbauort für Seltene Erden verfügen, haben sie seit Ende der 1980er Jahre keine stabile Förderung mehr etabliert. Auch wenn dort noch Rohstoffe abgebaut werden, erfolgt die Weiterverarbeitung überwiegend in China. James Litinsky, CEO des großen US-amerikanischen Bergbauunternehmens MP Materials, erklärte in der New York Times, dass die Abhängigkeit im militärischen Bereich besonders besorgniserregend sei: „Drohnen und Robotik werden weithin als die Zukunft der Kriegsführung angesehen, und nach allem, was wir sehen, sind die kritischen Inputs für unsere zukünftige Lieferkette stillgelegt.“

Diese Einschätzung teilt auch Daniel Pickard, Vorsitzender des Beratungsausschusses für kritische Mineralien beim US-Handelsbeauftragten und Handelsministerium. Auf einer Pressekonferenz räumte er offen die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für die USA ein. Er fügte jedoch hinzu, dass China mit dem Exportstopp seinen Ruf als verlässlicher Lieferant selbst beschädige.

Lektion aus der Vergangenheit: Japans frühe Diversifizierung wirkt bis heute stabilisierend

Interessanterweise erhebt die US-Regierung auch auf importierte Seltenerdmagnete Zölle. Unklar bleibt, wie groß die Vorräte an Seltenen Erden und Magneten in US-Unternehmen tatsächlich sind. Experten vermuten jedoch, dass die Lagerbestände eher gering sind – Litinskys und Pickards Reaktionen unterstützen diesen Eindruck. Die japanische Wirtschaft ist hingegen deutlich besser vorbereitet. Aus einer Krise im Jahr 2010 zog Japan Konsequenzen: Als Japan damals die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer von einem Privatunternehmen erwarb, reagierte China mit einem Exportstopp seltener Erden. Peking begründete den Schritt offiziell mit Umweltbedenken, erhob jedoch de facto selbst Anspruch auf die unbewohnten, strategisch wichtigen Inseln.

Kurzfristig brachen rund 90 Prozent von Japans Importen seltener Erden weg, was erhebliche Folgen für die Hightech-Industrie hatte. Zwar bewertete die Welthandelsorganisation (WTO) Chinas Vorgehen als Verstoß gegen Handelsregeln, doch Japan erkannte seine strategische Verwundbarkeit.

Wirtschaftlicher Gegenschlag mit politischer Botschaft: China kontert Trumps Zölle mit Härte

In der Folge diversifizierte das Land seine Lieferketten durch Beteiligungen an Minenprojekten in Australien, Vietnam und Afrika und investierte massiv in Recyclingtechnologien. Die Rückgewinnung Seltener Erden aus Elektronikschrott und Produktionsresten wurde industriell ausgeweitet und wissenschaftlich begleitet. Daraus entstand das SEEE-Verfahren, das bei geringer Umweltbelastung hohe Rückgewinnungsquoten ermöglicht. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von China bei rund 60 Prozent.

Von solcher technologischen Eigenständigkeit sind die USA jedoch weit entfernt, während China sein geopolitisches Selbstbewusstsein gezielt demonstriert. Die chinesische Zollkommission erklärte als Reaktion auf Trumps Vorgehen, die Zölle seien wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll und würden als „Witz in die Geschichte der Weltwirtschaft eingehen“.

Rubriklistenbild: © -/POOL/AP/dpa

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