Schweizer Skigebiete ändern mehrmals täglich die Preise: Vormittags teurer als nachmittags
Auch in der Schweiz müssen Schneesportler für die Tageskarte tiefer in die Tasche greifen. Doch wie tief, lässt sich nicht mehr so einfach sagen. Denn wie die Sonntagszeitung berichtet, haben mehr als die Hälfte der großen Skigebiete in der Alpenrepublik so genannte dynamische Preise eingeführt.
Das heißt, die Skigebiete passen ihre Preise wöchentlich, täglich oder sogar mehrmals täglich an. So muss ein Skifahrer in Zermatt damit rechnen, dass sich der Preis für die Liftkarte alle paar Stunden ändert. Wer also heute eine Tageskarte für den nächsten Tag kauft, kann am Vormittag einen anderen Preis zahlen als am Nachmittag.
Dasselbe gilt für das Walliser Skigebiet Belalp. Hier variieren die Preise innerhalb eines Tages, wenn das Ticket drei oder mehr Tage vor dem Skifahren gekauft wird. Voraussetzung für eine Anpassung sei, dass die Nachfrage innerhalb weniger Stunden stark ansteige, sagte Mario Gertschen, Direktor der Belalp-Bahnen, gegenüber der Sonntagszeitung.
Schweizer Skigebiete ändern mehrmals täglich die Preise: Ausschlaggebend sind Nachfrage oder Wetter
Möglich macht die häufigen Preisänderungen eine Software, die mit künstlicher Intelligenz (KI) arbeitet. Anbieter sind unter anderem die Berner Firma Pricenow, die Skigebiete wie Engadin-St. Moritz, Laax, Verbier, Adelboden-Lenk, Engelberg-Titlis oder die Aletsch Arena zu ihren Kunden zählt, oder die Berliner Firma Smart Pricer, die Zermatt und Belalp mit ihrem Produkt beliefert.
Bei der dynamischen Preisgestaltung für Bergbahnbetreiber beeinflussen eine Vielzahl von Faktoren den Algorithmus. Dazu gehören die Nachfrage, das Wetter, die Umsätze der vergangenen Jahre oder die Bettenauslastung vor Ort. Aus diesen Daten erstellt die KI Verkaufsprognosen, die laufend angepasst werden. An einem Tag, an dem viele Skipässe verkauft werden, erhöht das System die Preise stärker als an schwächeren Tagen.
Schweizer Skigebiete ändern mehrmals täglich die Preise: Sinkende Preise sind tabu
Was Skifahrer nicht erwarten können, sind sinkende Preise, je näher die Ferien rücken oder wenn schlechtes Wetter angesagt ist. Die Bergbahnen versprechen, dass sich das Frühbuchen lohnt, da die Preise zum Urlaubsbeginn tendenziell steigen, aber nicht sinken.
Der Grund dafür ist, dass man die Skifahrer mit der Aussicht, dass die Preise nicht sinken, zum Frühbuchen animieren will. Das sichert Einnahmen, oft schon vor Saisonbeginn. Zudem will man diese Frühbucher mit Last-Minute-Angeboten nicht frustrieren.
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Schweizer Skigebiete ändern mehrmals täglich die Preise: Verbraucherschützer üben Kritik
Konsumentenschützer halten allerdings nicht viel von dynamischen Preisen. „Solche Modelle sind sehr intransparent. Familien können nicht mehr richtig budgetieren, wie viel ein Skitag kostet, und müssen teilweise das Anderthalb- bis Zweifache bezahlen“, kritisiert Sara Stalder, Geschäftsführerin Stiftung für Konsumentenschutz, bereits in der vergangenen Saison im Schweizer Medienportal Blick. Dieses Modell kaschiere zudem Preiserhöhungen.
Ein Allheilmittel scheinen die ständig wechselnden Preise aber nicht zu sein. So hat Andermatt-Sedrun-Disentis im März 2020 die dynamischen Preise nur eine Saison nach ihrer Einführung bereits wieder abgeschafft. Zur Begründung hieß es, trotz höherer Preise kämen die meisten Skifahrer am Wochenende. Unter der Woche waren die Pisten hingegen fast leer.