Heizen mit Gas bald deutlich teurer

So will Bauministerin Geywitz das Heizungsgesetz reformieren: „Nicht sinnvoll“

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Das GEG sei zu kompliziert, sagt Bundesbauministerin Geywitz im Interview. Außerdem verspricht sie, dass die Mietpreisbremse bald ins Kabinett kommt.

Berlin/Mönchengladbach – „Haus Erholung“ heißt der klassizistische Bau auf dem Abteiberg in Mönchengladbach. Dabei hat Bauministerin Klara Geywitz (SPD), die zur Strukturwandeltagung hierher angereist ist, nicht viel Zeit für Erholung in diesen Tagen. Nach dem Ampel-Aus ist Wahlkampf-Stimmung in Berlin – und zahlreiche Projekte müssen noch umgesetzt werden: Die Mietpreisbremse steht auf der Kippe und am Heizungsgesetz scheiden sich nach wie vor die Geister.

Heizungsgesetz umstritten: „Wir brauchen den Ausstieg“

Und mit dem Kohleausstieg 2030 geht es eben auch um Strukturwandel. Vor dem steht das Rheinische Revier in NRW, aber auch andere Braunkohle-Reviere etwa im Osten der Republik. „Wenn der Strukturwandel dort ein Marathon ist, sind wir jetzt bei Kilometer zehn“, so Geywitz. Nicht die einzige Generationenaufgabe, über die sie im Interview mit IPPEN.MEDIA spricht.

Das Heizungsgesetz sorgt bei Hausbesitzern und Fachbetrieben noch immer für viel Verwirrung. Woran liegt das? 
Hinter dem Gebäudeenergiegesetz, also dem sogenannten Heizungsgesetz, steht eine sehr große Aufgabe. Für mich ist klar: Wenn wir 2045 klimaneutral sein wollen, müssen wir bis dahin aufhören, mit Öl und Gas zu heizen. Zumal diese Heizmethode bald deutlich teurer wird, wenn europaweit die CO2-Preise steigen. Wir brauchen den Ausstieg. Die Grundlage haben wir über die kommunale Wärmeplanung gelegt. Das ist die verlässliche Basis für die Planung von Hausbesitzern und Kommunen gleichermaßen. Die Modernisierung des Heizens ist eine komplexe Generationenaufgabe und entsprechend kompliziert. Ich arbeite aber seit einem Jahr daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Heizungsgesetz einfacher und verständlicher wird. Für die Handwerker und natürlich auch für die Hausbesitzer.
Bundesbauministerin Klara Geywitz bei der Strukturwandeltagung.
Also bedarf es einer Reform? 
Ja, absolut. 
Was wollen Sie konkret ändern? 
Wir haben in der Vergangenheit sehr stark auf die Energieeffizienz gesetzt, also vor allen Dingen auf Häuser, die stark gedämmt sind. Das ist allerdings ein sehr materialintensiver Ansatz. Und wenn Häuser sehr stark gedämmt sind, braucht man extrem viel Technik, um sie ausreichend zu belüften. Damit sie nicht schimmeln. Heißt: Diese Bauweise ist materialintensiv und technisch kompliziert. Das ist nicht sinnvoll. 

Geywitz über Reform von Heiz-Gesetz GEG: „Materialintensiv und technisch kompliziert“

Was wäre Ihr Ansatz?
Man sollte die jetzigen Energieeffizienzanforderungen für den Neubau und vor allem den Gebäudebestand festschreiben und darauf setzen, mit nachhaltigen Baumaterialien zu arbeiten. Mit Holz und Lehm, mit Recycling-Materialien, grünem Beton oder grünem Stahl.

Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus

Leerstehende Häuser in Dörfern bei Lützerath
Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer.  © Peter Sieben
Straße in Keyenberg
Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben
Leerstand in Keyenberg
Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben
Keyenberg bei Lützerath
In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen.  © Peter Sieben
Fenster eines Hauses in Keyenberg
Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg.  © Peter Sieben
Hausfassade in Keyenberg
Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben
Verlassene Häuser in Keyenberg
In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben
Leerstand in Kuckum
Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig.  © Peter Sieben
Überwuchertes Ladenschild
Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt.  © Peter Sieben
Verlassener Hof in Unterwestrich
Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben
Leere Straßein Keyenberg
Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen.  © Peter Sieben
Weihnachtsschmuck in Keyenberg
Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben
Schild gegen Diebe in einem Vorgarten
In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten.  © Peter Sieben
Gelbes Kreuz auf einer Mauer
Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler.  © Peter Sieben
Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath
Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt.  © Peter Sieben
Camp in Lützerath
Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler.  © Peter Sieben
Camp Lützerath
Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben
Baumhaus im Camp von Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Baumhaus in Lützerath
Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben
Hof in Lützerath
Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath
Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath.  © Peter Sieben
Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler
Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben
In Metropolen wie Berlin, München, Köln oder Düsseldorf explodieren die Mieten seit Jahren. Eine Verlängerung der Mietpreisbremse ist allerdings jetzt passé.
Das ist sie noch nicht. Wir brauchen sie dringend, deshalb bringen wir sie jetzt sehr bald ins Kabinett. Sie kann dann immer noch im Deutschen Bundestag beschlossen werden. 
Allerdings dürfte die Union wohl nicht dafür stimmen. 
Das ist noch nicht klar. Immerhin wurde die Mietpreisbremse einst von einer Großen Koalition beschlossen.
„In Deutschland gibt es 1,9 Millionen leer stehende Wohnungen. Die Frage ist: Gibt es da ein theoretisches oder ein tatsächlich praktisches Potenzial?“: Klara Geywitz im Gespräch mit Peter Sieben.
Die Bundesregierung hat den Kohleausstieg 2030 beschlossen. Braunkohle-Regionen stehen damit vor einschneidenden Veränderungen. Im Rheinischen Revier sind ganze Ortschaften verwaist, Straßenzüge stehen leer. Gleichzeitig herrscht in umliegenden Großstädten wie Köln oder Düsseldorf Wohnungsnot. Kann daraus eine Win-Win-Situation entstehen? 
In Deutschland gibt es 1,9 Millionen leer stehende Wohnungen. Die Frage ist: Gibt es da ein theoretisches oder ein tatsächlich praktisches Potenzial? Regionen wie das Rheinische Revier etwa werden nicht einfach nur Überlaufoptionen für die großen Metropolen sein. Sondern man muss dafür sorgen, dass es in der Region auch Arbeitsplätze gibt, damit die Menschen vor Ort arbeiten können und nicht unbedingt pendeln müssen. Zusätzlich muss man eine verlässliche Infrastruktur schaffen, also zum Beispiel S-Bahn-Verbindungen in die Städte und zurück. 

Kohleausstieg 2030: Reviere vor Strukturwandel

Was Arbeitsplätze betrifft, gibt es im Westen gewisse Fortschritte: Microsoft siedelt sich in NRW an, ein großes Gewerbegebiet für Tech-Unternehmen entsteht. In den Revieren in Ostdeutschland, etwa in der Lausitz, ist man noch nicht so weit. Führt das nicht wieder zu einem West-Ost-Gefälle? 
Wir investieren sehr viel, um das zu verhindern. Und das trägt Früchte, in Cottbus etwa ist jetzt das ICE-Instandhaltungswerk angesiedelt, das für Arbeitsplätze sorgt. Dasselbe gilt für die Etablierung einer Universitätsmedizin, wir investieren dort in den Bereich der modernen Wissenschaft. Aber die Herausforderungen dort sind anders als im Westen. Hier im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen ist Fläche knapp. Und es gibt auch eine andere Wettbewerbssituation. In NRW konkurrieren viele prosperierende Gegenden um wenige Fachkräfte. In der Lausitz hingegen gibt es genug Flächen. Dafür ist es schwieriger, Menschen für neue Arbeitsplätze in die Region zu ziehen.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa, Peter Sieben (Montage)

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