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Autozulieferer ZF Friedrichshafen will seinen Logistikstandort im tschechischen Ostrov ausbauen. Das schürt Ängste an mehreren deutschen Werken.
Friedrichshafen - Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen steckt inmitten einer großangelegten Umstrukturierung, die unter anderem mit dem Abbau von bis zu 14.000 Stellen einhergehen soll. Zudem stehen aus Kostengründen gerade die deutschen Standorte des Stiftungskonzerns vom Bodensee auf dem Prüfstand. Nachdem sich die ZF jüngst gegen den Standort Schweinfurt (Bayern) entschieden hatte und stattdessen den Standort Ostrov (Tschechien) ausbauen will, herrscht auch an anderen Werken im Inland die Sorge, dass Kapazitäten ins Ausland verlagert werden könnten.
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Wie die Hannoveranische Allgemeine Zeitung (haz) jüngst berichtete, befürchten der Betriebsrat und die IG Metall, dass Teile der Logistik von einem Standort der ZF Wabco, die seit 2020 zum ZF-Konzern gehört, ebenfalls nach Tschechien verlagert werden könnten, was rund 160 Mitarbeiter betreffen würde. Aus diesem Grund fand am Logistikstandort in Langenhagen nördlich von Hannover bereits eine Demonstration gegen die Konzernpläne statt. Doch auch am ZF Wabco-Standort Mannheim gibt es offenbar Sorgen um eine bevorstehende Schließung.
„Ostrov 2“-Pläne der ZF Friedrichshafen schüren an deutschen Logistikstandorten Ängste
Im Jahr 2020 hatte die ZF Friedrichshafen den US-amerikanischen Autozulieferer Wabco übernommen und ihn in die Division Commerical Vehicle Control Systems des Konzerns eingegliedert. Die milliardenschwere Übernahme ist zusammen mit der des Autozulieferers TRW auch einer der Gründe für die derzeitige Schieflage des Unternehmens und damit auch einer der Gründe, warum ZF die Standorte auf den Prüfstand stellen muss. In der tschechischen Stadt Ostrov hat der Stiftungskonzern bereits einen Logistikstandort, den der Vorstand unter dem Projektnamen „Ostrov 2“ ausbauen will.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Eben deshalb herrscht an mehreren Standorten der ZF-Division die Sorge, dass der Konzern weitere Logistikkapazitäten an den Standort Ostrov verlagern könnte. Laut einem schriftlichen Austausch zwischen dem Vorstand und den Betriebsräten, der der haz vorliegt, befürchten die Arbeitnehmervertreter, ZF könnte den in den bisherigen Planungen nur zu 65 Prozent ausgelasteten Standort mit Kapazitäten aus Deutschland auffüllen. Selbst für die größten Konzerne wird Deutschland immer mehr zum teuren Pflaster, weshalb viele bestimmte Produktionsschritte oder auch Neuansiedlungen bevorzugt ins Ausland verlagern.
ZF-Pläne könnten auch Standorte Passau, Bremen, Saarbrücken und Friedrichshafen betreffen
Laut den Betriebsräten könnten von diesen ZF-Plänen neben Schweinfurt und Langenhagen auch Teile der Kapazität an den Standorten Passau, Bremen, Saarbrücken und sogar am ZF-Konzernsitz in Friedrichshafen betroffen sein. Am Standort Saarbrücken hatte ZF-Chef Holger Klein bereits im vergangenen Jahr den Abbau von 1.800 Stellen bestätigt, der Umfang könnte aber noch größer ausfallen. Aus einer Mitteilung der IG Metall über ein Wochenendseminar im Odenwald geht zudem hervor, dass auch am ZF Wabco-Standort Mannheim eine gewisse Unruhe herrscht.
An allen genannten Standorten haben die Arbeitnehmervertreter Widerstand gegen die Pläne des ZF-Vorstands angekündigt. „Der Betriebsrat und die IG Metall sind empört über die Ausbaupläne des Vorstands in Tschechien“, sagte der Betriebsratschef des Standorts Hannover der haz. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz in der Logistik in Langenhagen erbittert kämpfen!“ Ende 2024 war bekannt geworden, dass ein hochrangiger ZF-Manager offenbar gezielt deutsche Standorte auf den Prüfstand stellen soll.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Heiko Becker

