Neuaufstellung

Verkauf, Schließung oder Zukunftsperspektive: ZF-Manager soll deutsche Standorte überprüfen

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Bei der ZF Friedrichshafen sollen die deutschen Standorte neu strukturiert werden; dafür hat sich der Stiftungskonzern offenbar ein Vorgehen überlegt.

Friedrichshafen - Ende Juli wurde bei der Ankündigung eines drastischen Stellenabbaus beim Technologiekonzern ZF Friedrichshafen auch kommuniziert, dass die deutschen Standorte neu strukturiert und deshalb auf den Prüfstand gestellt werden sollen. Seitdem geht bundesweit nicht nur die Sorge um, ob und wie stark die einzelnen Werke von dem Stellenabbau betroffen sein könnten, sondern auch, ob die Standorte überhaupt noch zukunftsfähig sind. Einem Bericht zufolge hat sich der Stiftungskonzern vom Bodensee inzwischen auf eine Methode festgelegt, wie die einzelnen deutschen Standorte überprüft werden.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

„Unsere unternehmerische Verantwortung ist, ZF zukunftsfähig auszurichten und die Standorte in Deutschland so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltig wettbewerbsfähig und solide aufgestellt sind“, hatte Konzernchef Holger Klein Ende Juli erklärt. „Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen.“ Für den Standort Gelsenkirchen ist die Entscheidung bereits gefallen, das Werk auf Schalke wird Ende des Jahres geschlossen.

ZF-Manager soll deutsche Standorte überprüfen und im Zweifelsfall Maßnahmen ergreifen

Bei der Neuaufstellung der deutschen Standorte hatte die ZF Friedrichshafen zuletzt auch weitere Werkschließungen nicht ausgeschlossen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) aktuell in Bezug auf Unternehmenskreise berichtet, soll der Manager Alexander Heilig, in der Division Passive Sicherheitstechnik (ZF Lifetec) für die Lenkradsysteme verantwortlich, „über das Land fahren“ und an allen 40 deutschen Standorten des Konzerns mit den Geschäftsleitungen über die aktuelle Lage sprechen. Wenn die Profitabilität der Werke nicht den festgesetzten Vorgaben entspricht, sollen demnach weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Vor einem Verkauf oder einer Schließung will die ZF den Informationen der faz zufolge aber zunächst nach neuen Produkten und alternativen Einsparmöglichkeiten für die Werke suchen. Am Standort Saarbrücken hatte Konzernchef Holger Klein jüngst den Abbau von 1.800 Stellen bestätigt – eine Zahl, die unter Umständen noch deutlich steigen kann – die Neuansiedlung von Kompetenzen für die Elektromobilität machen eine Schließung oder einen Verkauf aber zunächst nicht wahrscheinlich. Grundsätzlich sind aber gerade die Produktionswerke für Antriebe aufgrund der Transformation besonders bedroht.

ZF Friedrichshafen will alle deutschen Standorte einer Überprüfung unterziehen. Antriebswerke wie das in Saarbrücken sind tendenziell besonders gefährdet.

Stellenabbau und mögliche Werkschließungen bei ZF: Keine deutschen Standorte sind wirklich sicher

Zu den Antriebs-Standorten der ZF gehört neben Saarbrücken auch das Werk in Brandenburg an der Havel, an dem der Konzern laut einer jüngsten Ankündigung die Hälfte der Arbeitsplätze streichen will. Zu welchem Ergebnis die Überprüfung der 40 Standorte kommen wird, bleibt abzuwarten. Gesagt werden kann aber bereits jetzt, dass wie beim angekündigten Stellenabbau wohl kein einziges Werk vollkommen sicher ist. Auch am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) herrschen deshalb einige Unsicherheiten, die Holger Klein bei einer Betriebsversammlung vor wenigen Tagen nicht ausräumen konnte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/BeckerBredel

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