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Bei der ZF Friedrichshafen sollen die deutschen Standorte neu strukturiert werden; dafür hat sich der Stiftungskonzern offenbar ein Vorgehen überlegt.
Friedrichshafen - Ende Juli wurde bei der Ankündigung eines drastischen Stellenabbaus beim Technologiekonzern ZF Friedrichshafen auch kommuniziert, dass die deutschen Standorte neu strukturiert und deshalb auf den Prüfstand gestellt werden sollen. Seitdem geht bundesweit nicht nur die Sorge um, ob und wie stark die einzelnen Werke von dem Stellenabbau betroffen sein könnten, sondern auch, ob die Standorte überhaupt noch zukunftsfähig sind. Einem Bericht zufolge hat sich der Stiftungskonzern vom Bodensee inzwischen auf eine Methode festgelegt, wie die einzelnen deutschen Standorte überprüft werden.
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„Unsere unternehmerische Verantwortung ist, ZF zukunftsfähig auszurichten und die Standorte in Deutschland so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltig wettbewerbsfähig und solide aufgestellt sind“, hatte Konzernchef Holger Klein Ende Juli erklärt. „Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen.“ Für den Standort Gelsenkirchen ist die Entscheidung bereits gefallen, das Werk auf Schalke wird Ende des Jahres geschlossen.
ZF-Manager soll deutsche Standorte überprüfen und im Zweifelsfall Maßnahmen ergreifen
Bei der Neuaufstellung der deutschen Standorte hatte die ZF Friedrichshafen zuletzt auch weitere Werkschließungen nicht ausgeschlossen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) aktuell in Bezug auf Unternehmenskreise berichtet, soll der Manager Alexander Heilig, in der Division Passive Sicherheitstechnik (ZF Lifetec) für die Lenkradsysteme verantwortlich, „über das Land fahren“ und an allen 40 deutschen Standorten des Konzerns mit den Geschäftsleitungen über die aktuelle Lage sprechen. Wenn die Profitabilität der Werke nicht den festgesetzten Vorgaben entspricht, sollen demnach weitere Maßnahmen ergriffen werden.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Vor einem Verkauf oder einer Schließung will die ZF den Informationen der faz zufolge aber zunächst nach neuen Produkten und alternativen Einsparmöglichkeiten für die Werke suchen. Am Standort Saarbrücken hatte Konzernchef Holger Klein jüngst den Abbau von 1.800 Stellen bestätigt – eine Zahl, die unter Umständen noch deutlich steigen kann – die Neuansiedlung von Kompetenzen für die Elektromobilität machen eine Schließung oder einen Verkauf aber zunächst nicht wahrscheinlich. Grundsätzlich sind aber gerade die Produktionswerke für Antriebe aufgrund der Transformation besonders bedroht.
Stellenabbau und mögliche Werkschließungen bei ZF: Keine deutschen Standorte sind wirklich sicher
Zu den Antriebs-Standorten der ZF gehört neben Saarbrücken auch das Werk in Brandenburg an der Havel, an dem der Konzern laut einer jüngsten Ankündigung die Hälfte der Arbeitsplätze streichen will. Zu welchem Ergebnis die Überprüfung der 40 Standorte kommen wird, bleibt abzuwarten. Gesagt werden kann aber bereits jetzt, dass wie beim angekündigten Stellenabbau wohl kein einziges Werk vollkommen sicher ist. Auch am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) herrschen deshalb einige Unsicherheiten, die Holger Klein bei einer Betriebsversammlung vor wenigen Tagen nicht ausräumen konnte.
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