VonAmy Walkerschließen
Das kontroverse Heizungsgesetz führt zu Missverständnissen und Unmut. Aber was ist tatsächlich in diesem Gesetz verankert und welche Auswirkungen hat es auf Immobilienbesitzer?
Berlin – Die Kontroverse um das Gebäudeenergiegesetz (GEG), im Volksmund Heizungsgesetz genannt, erhitzt erneut die Gemüter. Dieser Aufruhr ist nicht zuletzt auf den Wahlkampf zurückzuführen: Das umstrittene Gesetz, das von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stammt, ist wieder in den Fokus gerückt. Die CDU, die das Gesetz 2020 selbst verfasst hat, möchte es „abschaffen“, eine Position, die auch die FDP teilt, während die SPD eine Reform befürwortet. Nach den Neuwahlen am 23. Februar könnte es zu einer Überarbeitung einiger Abschnitte kommen, doch eine vollständige Abschaffung scheint aus Branchensicht äußerst unwahrscheinlich.
Heizungsgesetz sorgt für Unruhe: Vermieter bekommt Brief mit falschen Informationen
Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) soll der Umstieg auf klimafreundliche Heizungen eingeleitet werden. Das sorgt unter den Bürgern für Bedenken. So äußerte ein Vermieter aus Frankfurt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) seinen Unmut über einen Brief. Darin heißt es, dass demnächst eine fünfjährige Übergangsfrist beginne und von da an eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
Der Vermieter wird in der FAZ mit den Worten zitiert: „Wie das funktionieren soll, konnte mir bislang niemand sagen. Es gibt hier nur einen Gasanschluss, und für eine Wärmepumpe ist das Haus laut Installateur nicht geeignet“. Er fügt hinzu: „Was soll ich machen, wenn in ein paar Jahren meine Heizung kaputtgeht? Mir illegal eine Gasheizung besorgen?“ Erst vor drei Jahren habe er eine neue Gasheizung einbauen lassen.
Zum Hintergrund: Wie ein Blick in das GEG und den dazugehörigen Paragrafen 71 zeigt, wird eindeutig festgelegt, dass Heizungsanlagen, die vor dem 18. Oktober 2024 installiert wurden, nicht sofort erneuert werden müssen. Eine herkömmliche Gasheizung hat eine Lebensdauer von mindestens 15 Jahren. Zudem ist im GEG klar geregelt, dass eine bestehende Gasheizung problemlos repariert werden kann.
Heizungsgesetz sieht lange Fristen für den Heizungstausch vor: 65 Prozent gelten nicht schon in fünf Jahren
Das GEG besagt zudem, dass jemand, der nach dem 31. Dezember 2023 eine neue fossile Heizung installiert, weil es keine Alternativen gibt (wie Fernwärme), erst ab dem 1. Januar 2029 sicherstellen muss, dass die Heizung zu 15 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Ab dem 1. Januar 2035 muss sie dann zu 30 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden und ab 2040 zu 60 Prozent. Als Optionen werden genannt: „Wärme aus Biomasse oder grünem oder blauem Wasserstoff einschließlich daraus hergestellter Derivate“.
Fernwärme wird in den kommenden Jahren ausgebaut: Städte sind für Wärmewende verantwortlich
Im Sommer fand in Frankfurt eine erste Informationsveranstaltung statt. Dort berichtete der lokale Energieversorger Mainova über seine Pläne. Bis 2040 will die Mainova 40 Prozent der Stadt mit Fernwärme versorgen können, so eine aktuelle Pressemitteilung. Die Stadt Frankfurt informiert auf ihrer Webseite, dass die Bürgerinnen und Bürger spätestens 2026, wenn der Wärmeplan der Stadt vorliegt, erfahren werden, ob sie mit Fernwärme versorgt werden. Dann können Eigentümer eine informierte Entscheidung treffen.
Diese Regeln gelten für alle Städte und Gemeinden in Deutschland. Es besteht also eigentlich kein Grund zur Panik – die lokale Stadt hat dafür zu sorgen, dass alle Menschen in ihrem Stadtgebiet mit klimaneutraler Wärme versorgt sind.
Wer unsicher ist, kann sich auch von einem Energieberater beraten lassen. Diese Leistung wird auch vom Bund gefördert: Wer einen Energieberater engagiert, kann 50 Prozent der Kosten oder maximal 650 Euro vom Staat zurückbekommen. Ein Energieberater kann dann darüber Auskunft geben, welche Möglichkeiten es im konkreten Fall gibt und auch über die Förderprogramme von Land und Bund informieren. Eine Liste der Energieeffizienzexperten, die staatlich gefördert werden, gibt es hier: https://www.energie-effizienz-experten.de/
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