Überhitzte Märkte?

Spitzenbanker spricht deutliche Warnung aus – Sorge vor Börsencrash

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Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, macht sich Sorgen. (Archivbild)
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Spitzenbanker Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, fürchtet einen Kurssturz. Er sei „weit besorgter als andere“ über eine ernste Marktkorrektur. Auch in Deutschland herrscht Unsicherheit.

London – Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, macht sich Sorgen. Der Chef von Amerikas größte Bank sagte gegenüber dem britischen Sender BBC, er sei „weit besorgter als andere“ über eine ernste Marktkorrektur, die seiner Ansicht nach in den nächsten sechs Monaten bis zwei Jahren kommen könnte.

Spitzenbanker befürchtet Crash – Risiko für überhitzten US-Aktienmarkt sei erhöht

Seiner Meinung nach sei das Risiko erhöht, dass die US-Aktienmärkte überhitzt seien. Er würde einem Crash eine höhere Wahrscheinlichkeit einräumen als „derzeit vom Markt und anderen eingepreist wird“, sagte er gegenüber der BBC. „Wenn der Markt also mit zehn Prozent rechnet, würde ich sagen, dass es eher 30 Prozent sind.“

Es gebe „viele Dinge da draußen“, die eine Atmosphäre der Unsicherheit schaffen, fügte er hinzu und verwies auf Risikofaktoren wie das geopolitische Umfeld, Staatsausgaben und die Remilitarisierung der Welt. „All diese Dinge verursachen viele Probleme, von denen wir nicht wissen, wie wir sie lösen sollen“, sagte er. „Also sage ich, das Niveau der Unsicherheit sollte in den Köpfen der meisten Menschen höher sein als das, was ich normal nennen würde.“

KI-Blase? „Ein Teil des Geldes, das in KI investiert wird, wird wahrscheinlich verloren gehen“

Optimistischer äußerte sich der Spitzenbanker beim Thema Künstliche Intelligenz – hier bestehen schon länger Befürchtungen, dass sich eine Blase bildet. „KI wird sich insgesamt auszahlen“, sagte Dimon dazu. „Genau wie sich Autos insgesamt ausgezahlt haben und Fernseher sich insgesamt ausgezahlt haben, aber die meisten Menschen, die daran beteiligt waren, haben nicht gut abgeschnitten.“ Er fügte hinzu, dass ein Teil des Geldes, das in KI investiert wird, „wahrscheinlich verloren gehen wird“.

In einem früheren Interview mit dem US-amerikanischen Wirtschaftsnachrichtenportal Bloomberg sagte Dimon, dass JP Morgan etwa zwei Milliarden US-Dollar (ca. 1,7 Milliarden Euro) pro Jahr für KI ausgibt und etwa genauso viel durch ihren „unmittelbaren Nutzen“ zurückbekomme. „Wir haben gezeigt, dass wir für zwei Milliarden Dollar an Ausgaben etwa zwei Milliarden Dollar an Nutzen haben“, sagte Dimon. „Wir haben Personal abgebaut und wir haben Zeit und Geld gespart.“

Deutschland: Unsicherheit an der Börse trotz Dax-Rekorden

Auch in Deutschland herrscht Unsicherheit an der Börse. Der gute Start in den Monat Oktober hat den Leitindex Dax zwischenzeitlich in Rekordhöhen katapultiert und sorgt nun für eine vorsichtigere Stimmung. Der Grundton bleibt zwar optimistisch, Gewinnmitnahmen in der neuen Woche werden aber nicht ausgeschlossen. Fortdauernde Handelskonflikte, die Staatskrise in Frankreich und die am Dienstag in den USA beginnende Berichtssaison zum dritten Quartal stimmen vorsichtig. 

Die offensichtliche Sorglosigkeit am deutschen Aktienmarkt sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Risiken weiterbestehen“, sagte Marktexperte Timo Emden. Bei der LBBW heißt es: „Für eine Jahresendrally stehen die Ampeln noch nicht auf Grün.“ Gewarnt wird auch vor einer längeren Haushaltsblockade in den Vereinigten Staaten. Dass es dadurch an Daten von der Regierungsseite mangelt, gilt als problematisch. Quellen: BBC, Bloomberg, dpa

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